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Olympia:Putin lobt Bach

Vladimir Putin, Thomas Bach

Ziemlich beste Freunde: Wladimir Putin und Thomas Bach während der Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi.

(Foto: AP)

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees habe "sich nicht an der Spaltung der olympischen Bewegung beteiligt", sagt Russlands Staatschef. Anderswo wird die Kritik an Bach lauter.

Die heftige Kritik an Thomas Bach und der IOC-Entscheidung gegen einen Komplett-Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen reißt nicht ab. Einzig Kremlchef Wladimir Putin lobt den IOC-Präsidenten und seine Organisation. "Das IOC hat sich ungeachtet eines riesigen öffentlichen Drucks nicht an der Spaltung der olympischen Bewegung beteiligt", sagte Putin bei der Verabschiedung des russischen Olympia-Teams.

Er bezeichnete die Doping-Vorwürfe gegen russische Sportler und Funktionäre als "Kampagne". "Der Ausschluss ist ein Schlag für den Weltsport und die olympische Idee", sagte Putin. Bei der Sperre sei die Unschuldsvermutung aufgehoben worden. "Das ist unvereinbar mit dem Sport und mit elementaren Normen des Rechts. Die Situation verstößt auch gegen den gesunden Menschenverstand." Die Abwesenheit zahlreicher russischer Athleten sei für Olympia in Rio ein Verlust.

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"Bach hat sich politisch kaufen lassen"

Athleten wie die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein hingegen und auch Nationale Anti-Doping-Agenturen stärkten Diskuswerfer Robert Harting in seinem vernichtenden Urteil über das IOC den Rücken. "Bach hat sich in meinen Augen politisch kaufen lassen. Er lügt die Welt an, wenn er öffentlich predigt, es gelte für jeden Sportler die Unschuldsvermutung", sagte Pechstein.

Sie kritisierte, Bach und das IOC hätten vor dem Ausschluss der russischen Leichtathleten von Olympia erst die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes abgewartet und sich in Sachen des Rio-Banns von Athleten anderer Sportarten hinter den Fachverbänden versteckt. "Das ist eine feige Entscheidung, Bach drückt sich vor der Verantwortung und wird seiner Führungsrolle als IOC-Chef einmal mehr nicht gerecht. Das Ganze ist ein unwürdiges Trauerspiel."

"Absolutes Entsetzen" herrsche über die IOC-Entscheidung unter den Anti-Doping-Agenturen vieler Länder, sagte die Nada-Vorsitzende Andrea Gotzmann im SZ-Interview. Da sei "eine große Chance verpasst worden". Es sei ein Rückschlag für saubere Athleten. Diese würden sich fragen, "was muss passieren, bevor harte Konsequenzen gezogen werden? Russland ist ja nicht das einzige Land, in dem es nicht so läuft, wie wir uns das wünschen."

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