Olympia:Silber für Trippel, Bronze für Hausding und Rüdiger

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Handball - Olympics: Day 5

Die deutschen Handballer hatten Frankreich am Rande der Niederlage, für die Überraschung reichte es am Ende trotzdem nicht.

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Der deutsche Judoka verliert erst das Finale, Patrick Hausding und Lars Rüdiger gewinnen Bronze im Synchronspringen. Die Meldungen aus Tokio.

Die deutschen Handballer haben bei ihrem dritten olympischen Auftritt ihre zweite Niederlage kassiert. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason unterlag Rekordweltmeister Frankreich mit 29:30 (13:16) und muss in der starken Vorrundengruppe A mit nun 2:4 Punkten um den Einzug ins Viertelfinale bangen. Bester Torschütze im deutschen Team war Rechtsaußen Timo Kastening mit sieben Treffern.

Durch die Niederlage steht die DHB-Auswahl vor den beiden verbleibenden Spielen unter Zugzwang. Nächster Gegner ist am Freitag (14.30 Uhr MESZ/ZDF und Eurosport) der EM-Dritte Norwegen (4:2 Punkte), zum Abschluss geht es am Sonntag (12.30 Uhr MESZ) gegen das bislang punktlose Brasilien. Die besten vier Teams der Sechsergruppe erreichen die Runde der letzten Acht.

Die weiteren Meldungen aus Tokio:

Judo: Eduard Trippel hat bei den Olympischen Spielen in Tokio nach einer Final-Niederlage die Silber-Medaille gewonnen. Der 24-Jährige aus Rüsselsheim verlor in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm am Mittwoch das Finale im legendären Nippon Budokan gegen den Georgier Lascha Bekauri durch Waza-ari und verpasste damit knapp den ersten deutschen Olympiasieg im Judo seit Ole Bischof 2008.

Für Trippel ist die Silber-Medaille in Tokio dennoch der bisher größte Erfolg seiner Judo-Karriere. Er ist zudem der erste deutsche Medaillengewinner in dieser Gewichtsklasse seit 1996, als Marko Spittka Bronze gewann. Für die deutschen Judo-Männer beendete Trippel die medaillenlose Zeit von neun Jahren seit den Spielen 2012.

Giovanna Scoccimarro hat das kleine Finale verloren und die erhoffte Bronze-Medaille knapp verpasst. Die 23-Jährige aus Wolfsburg unterlag im Kampf um Bronze der Weltranglisten-Dritten Sanne van Dijke aus den Niederlanden und wurde bei ihren ersten Spielen Olympia-Fünfte. Die Entscheidung fiel erst nach 7:44 Minuten in der Verlängerung durch Ippon. Zuvor hatte sich Scoccimarro in der Klasse bis 70 Kilogramm nach einer Niederlage im Viertelfinale über die Hoffnungsrunde in den Bronze-Kampf gearbeitet.

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Fußball: Die deutschen Fußballer verabschieden sich aus dem Fußballturnier bei Olympia. Trotz guter Chancen und des ersten Auftritts vor Zuschauern kam die Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz am Mittwoch in Rifu gegen die Elfenbeinküste nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus und belegte damit nur den dritten Platz in Gruppe D. Vor fünf Jahren hatte Deutschland bei den Sommerspielen in Rio noch Silber geholt, nun geht es schon nach der Vorrunde zurück nach Hause.

Damit endete die Olympia-Mission 52 Tage nach dem Triumph bei der U21-EM mit einer großen Enttäuschung. Vor rund 6000 Zuschauer brachte ein Eigentor von Benjamin Henrichs (67.) die DFB-Auswahl ins Hintertreffen, der Ausgleich von Eduard Löwen (73.) war zu wenig. Die deutsche Mannschaft zeigte sich zwar etwas verbessert, konnte ihre Chancen aber nicht nutzen. Zuvor hatte es ein 2:4 gegen Brasilien und ein 3:2 gegen Saudi-Arabien gegeben.

Der am Ende entscheidende Gegentreffer fiel in der 67. Minute. Nach einem langen Einwurf grätschte Henrichs vor dem einschussbereiten Youssouf Dao den Ball ins eigene Tor. Wieder einmal herrschte in der Hintermannschaft Unordnung. Ein Makel, der sich durch das ganze Turnier zog. Danach warf der Europameister alles nach vorne, kam durch den sehenswerten Freistoß von Löwen aus 20 Metern aber nur noch zum Ausgleich.

Wasserspringen: Patrick Hausding und Lars Rüdiger haben die Bronzemedaille gewonnen. Die Europameister mussten sich im Synchron-Wettbewerb vom Drei-Meter-Brett mit 404,73 Punkten lediglich den Chinesen Wang Zongyuan/Xie Siyi (467,82) und Andrew Capobianco/Michael Hixon (444,36) aus den USA geschlagen geben.

Mit einem starken Finaldurchgang holten Hausding/Rüdiger noch knapp 20 Punkte auf die vor ihnen platzierten Mexikaner Yahel Castillo/Juan Celaya auf. Für Fahnenträger Hausding war es bereits das dritte Edelmetall bei Sommerspielen. Bei seiner Premiere 2008 in Peking hatte der Rekord-Europameister Silber im Turm-Synchronspringen gewonnen, acht Jahre später folgte in Rio Einzel-Bronze vom Brett. Zum Auftakt der Wassersprung-Wettbewerbe im Tokyo Aquatics Centre hatten bereits die Synchronspringerinnen Tina Punzel und Lena Hentschel die Bronzemedaille gewonnen.

Radfahren: Der Slowene Primoz Roglic hat seine missratene Saison mit dem Olympiasieg im Einzelzeitfahren gerettet. Der 31-Jährige war am Mittwoch über 44,2 Kilometer mehr als eine Minute schneller als der zweitplatzierte Niederländer Tom Dumoulin. Bronze gewann der australische Ex-Weltmeister Rohan Dennis. Die deutschen Fahrer waren wie erwartet ohne Chance auf eine Medaille. Maximilian Schachmann (Berlin) belegte Platz 15, Nikias Arndt (Köln) wurde als 19. gestoppt. Roglic musste bei der Tour de France als Mitfavorit nach einem Sturz vorzeitig aussteigen. Auch im olympischen Straßenrennen spielte er keine Rolle. Nun triumphierte Roglic ausgerechnet im Zeitfahren. Jener Disziplin, in der er im vergangenen Jahr den Tour-Sieg am vorletzten Tag aus der Hand gegeben hatte. Die Deutschen waren dagegen weit weg vom Podium. "Das war ein Horrortag. Ich habe mich zwar ausgepowert, bin aber überhaupt nicht an meine Leistungswerte rangenkommen. Das war ein schlechter Tag zum falschen Zeitpunkt", sagte Schachmann der dpa. Arndt war hingegen zufrieden: "Bei Olympia kämpft man um jede Sekunde. Der Kurs hat Spaß gemacht und ich bin zufrieden mit meiner Leistung."

Tennis: Als erster Deutscher seit 21 Jahren ist Alexander Zverev beim olympischen Tennisturnier ins Viertelfinale der Einzel-Konkurrenz eingezogen. Mit einer imposanten Aufschlag-Quote wurde der Weltranglisten-Fünfte am Mittwoch in Tokio beim 6:4, 7:6 (7:5) gegen den Georgier Nikolos Bassilaschwili seiner Favoritenrolle gerecht. Zverev beeindruckte insbesondere bei seinem Aufschlag, im ersten Satz gab er keinen Punkt bei eigenem Service ab. In der Runde der besten acht wartet am Donnerstag gegen Jérémy Chardy aus Frankreich oder den Briten Liam Broady erneut eine lösbare Aufgabe. Letzter deutscher Viertelfinalist im olympischen Herren-Einzel-Wettbewerb war Tommy Haas 2000 in Sydney, der am Ende Silber gewann. Bei den Damen holte zuletzt Angelique Kerber vor fünf Jahren in Rio de Janeiro die Silbermedaille.

Bogenschießen: Lisa Unruh ist schon zum Auftakt des Einzelwettbewerbs gescheitert. Die 33 Jahre alte Berlinerin verlor am Mittwoch ihr Erstrundenduell gegen Hanna Marusava aus Belarus mit 4:6 und büßte damit alle Medaillenchancen ein. Die Olympia-Zweite von Rio hatte im Teamwettbewerb gemeinsam mit Michelle Kroppen und Charline Schwarz Bronze gewonnen und galt auch im Einzel als heiße Anwärterin auf Edelmetall.

Fechten: Die deutschen Fechter kämpfen weiter um ihre ersehnte erste Medaille. Die Säbel-Herren verloren im Halbfinale des Mannschaftswettbewerbs am Mittwoch knapp mit 42:45 gegen die in der Weltrangliste führenden Südkoreaner und treten damit nun im kleinen Finale um Bronze gegen Ungarn an. Zuvor hatte sich das Dormagener Trio Max Hartung, Matyas Szabo und Benedikt Wagner souverän mit 45:28 gegen das Team des Russischen Olympischen Komitees (ROC) durchgesetzt. Szabo holte die Deutschen gegen Südkorea nach 21:25-Rückstand im sechsten Duell zwar zurück ins Gefecht. Athletensprecher Hartung, der sein Karriereende nur allzu gerne mit der ersten olympischen Medaille krönen würde, blieb in seinen drei Duellen mit den Asiaten aber sieglos.

In der abschließenden Paarung verletzte sich Szabo dann und musste an Ersatzfechter Richard Hübers übergeben. Der konnte die Niederlage gegen Südkoreas Topmann San-guk Oh nicht mehr verhindern. Nachdem sie bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro erstmals seit 36 Jahren ohne Medaille geblieben waren, wollen die deutschen Fechter eine erneute Nullnummer in Japan unbedingt verhindern. In den Einzeln in der Makuhari Messe-Halle B kamen sie allerdings nicht über das Achtelfinale hinaus. Im abschließenden Teamwettbewerb der Florett-Herren am kommenden Sonntag gelten sie als Außenseiter.

Basketball: Die deutschen Basketballer haben im zweiten Gruppenspiel den ersten Sieg gefeiert. Das Team von Bundestrainer Henrik Rödl bezwang am Mittwoch in der Saitama Super Arena Nigeria mit 99:92 (50:50) und wahrte nach der Auftaktniederlage gegen Italien die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale. Bester deutscher Werfer war Johannes Voigtmann mit 19 Punkten. Im letzten Spiel der Vorrunde trifft die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds am Samstag auf Medaillenkandidat Australien. Der zweite Platz in der Gruppe reicht sicher für die Runde der besten acht Teams, auch zwei von drei Tabellendritten kommen weiter.

Radsport: Die deutsche Meisterin Lisa Brennauer hat bei den Olympischen Spielen in Tokio die erhoffte erste deutsche Radsport-Medaille klar verpasst. Die Ex-Zeitfahr-Weltmeisterin aus Durach belegte am Mittwoch im Einzelzeitfahren auf dem Fuji International Speedway Platz sechs. Neue Olympiasiegerin ist die Niederländerin Annemiek van Vleuten, die nach 22,1 Kilometern am Fuße des Mount Fuji 56,47 Sekunden schneller war als Marlen Reusser aus der Schweiz. Bronze gewann die Niederländerin Anna van der Breggen. Die zweite Deutsche, Lisa Klein aus Erfurt, belegte am Ende Platz 13.

Tennis: Für Dominik Koepfer ist die Olympia-Premiere im Achtelfinale zu Ende gegangen. Der 27 Jahre alte Davis-Cup-Profi verlor ein umkämpftes Duell mit dem an sechs gesetzten Spanier Pablo Carreno Busta 6:7 (7:9), 3:6. In einem seltsamen Tiebreak mit umstrittenen Linienrichter-Entscheidungen nutzte der 27-Jährige aus Donaueschingen seine Chancen nicht und vergab einen Satzball. Nach 1:55 Stunden musste sich der Schwarzwälder dann geschlagen geben. Mit zwei Siegen und dem Achtelfinaleinzug bei seinen ersten Sommerspielen darf der Weltranglisten-57. dennoch zufrieden sein. Gegen den Weltranglisten-Elften Carreno Busta war aber zumindest nach der Leistung im ersten Satz durchaus auch eine Überraschung möglich. Am Doppel-Wettbewerb nahm der US-Open-Achtelfinalist von 2019 nicht teil.

Hockey: Mit dem dritten Sieg im dritten Spiel haben die deutschen Hockey-Frauen vorzeitig das Viertelfinale erreicht. Die Mannschaft von Trainer Xavier Reckinger siegte am Mittwoch gegen Irland 4:2 (2:0) und weist damit wie Weltmeister Niederlande in Gruppe A neun Punkte auf. Am Freitag (2.30 Uhr/MESZ) trifft die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) noch auf Schlusslicht Südafrika, ehe es zum Top-Duell mit dem Oranje-Team am Samstag (11.30 Uhr/MESZ) kommt. Die Viertelfinal-Partien beginnen am Montag. Zweimal Lisa Altenburg (10. und 40./Siebenmeter) sowie Cecile Pieper (20.) und Francisca Hauke (55.) schossen im Oi Hockey Stadium den Sieg heraus. Für Irland trafen jeweils nach einer Strafecke Elena Tice (42.) und Hannah McLoughlin (51.).

Schwimmen: US-Schwimmerin Katie Ledecky hat ihre zweite bittere Niederlage einstecken müssen. Über 200 m Freistil schwamm die fünfmalige Olympiasiegerin als Fünfte deutlich am Podium vorbei. Gold ging in 1:53,50 Minuten an die australische Vize-Weltmeisterin Ariarne Titmus, die bereits über die doppelte Distanz überraschend triumphiert hatte. Ledecky lag fast zwei Sekunden hinter ihrer Konkurrentin zurück. Silber gewann Siobhan Haughey aus Hongkong vor der Kanadierin Penny Oleksiak. Weltrekordlerin und Weltmeisterin Federica Pellegrini aus Italien musste sich mit Rang sieben begnügen.

Über 200 m Schmetterling triumphierte der ungarische Weltrekordler Kristof Milak (1:51,25), der bei der WM 2019 die Bestmarke des Rekord-Olympiasiegers Michael Phelps geknackt hatte. Die Konkurrenz um den Japaner Tomoru Honda hatte mit zweieinhalb Sekunden Rückstand keine Chance. Milaks Landsfrau Katinka Hosszu musste auch über 200 m Lagen den Jüngeren den Vortritt lassen. Die dreimalige Rio-Olympiasiegerin landete beim Sieg der 25 Jahre alten Japanerin Yui Ohashi (2:08,52) auf dem siebten Platz. Schon über die doppelte Distanz hatte die 32-Jährige bei Ohashis erstem Erfolg lediglich den fünften Rang erreicht, über 200 m Schmetterling verzichtete sie kurzfristig auf einen Start.

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