Olympia-Nachrichten in Kürze:Schrecken für Springreiter

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Christian Ahlmanns Pferd Codex One verweigert vor einem Hindernis, das Paar scheidet früh aus. US-Basketballer tun sich überraschend schwer, deutsche Leichtathleten in den Vorkämpfen stark, Proteste gegen einen syrischen Springreiter.

in Kürze

Olympia 2012: Springen

Hier klappte es noch, später verweigerte Christian Ahlmanns Pferd Codex One vor einem Hindernis.

(Foto: dapd)

Springreiten: Für die deutschen Springreiter haben die Olympischen Spiele mit einem Schreck begonnen. Christian Ahlmann sammelte mit Codex One am Samstag in der ersten Runde völlig überraschend 15 Strafpunkte und schied damit im Einzel aus. Der Reiter aus Marl darf mit seinem Hengst allerdings weiter am Teamwettbewerb teilnehmen. Die Eröffnungsrunde im Greenwich Park war die erste Qualifikation für die Einzelwertung, bei der 15 Paare ausschieden. Die zwei Runden des Nationenpreises werden am Sonntag und Montag geritten. "Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass alles glattgeht", sagte Bundestrainer Otto Becker: "Das darf man aber nicht überbewerten." Den anderen drei Teamreitern gelang ein Auftakt ohne Springfehler. Marcus Ehning aus Borken hatte mit Plot Blue lediglich einen Zeitfehler.

Für Christian Ahlmann wurde der erste Umlauf bei den Olympischen Spielen in London im Sattel von Codex One zum Debakel. Das Pferd riss zwei Stangen, verweigerte nach den Fehlern ein weiteres Hindernis auf einem Parcours, der zuvor als fast lächerlich einfach bezeichnet worden war und von 32 Reitern ohne Fehler absolviert wurde. Mit schließlich 15 Fehlerpunkten belegte Ahlmann unter 75 Reitern den 69. Platz und schied aus dem Einzelwettbewerb aus.

"Da hat am Ende nichts gepasst. Zuerst hatte ich ein Supergefühl, aber dann hat er Schiss bekommen", sagte Ahlmann. Enttäuscht kam der 37-Jährige aus Marl aus der Arena, sprang vom Pferd und musste diese Pleite verarbeiten, die nicht nur ihn, sondern das gesamte deutsche Springteam schockte. Alles hatte Ahlmann getan, um London in besserer Erinnerung zu behalten als Olympia 2008 in China. Bei seiner Freundin Judy-Ann Melchior wurde die Geburt des gemeinsamen Sohnes Leon per Kaiserschnitt extra zehn Tage früher eingeleitet, damit sich Ahlmann voll und ganz auf die Wettbewerbe in Greenwich konzentrieren sollte. Vor vier Jahren in Hongkong war bei Ahlmanns Pferd Cöster die verbotene Substanz Capsaicin gefunden worden, was eine Sperre von acht Monaten nach sich zog. Noch kürzlich war Ahlmanns Olympia-Nominierung vom Deutschen Tierschutzbund hart kritisiert worden.

Protest gegen Syrien: Ein Dutzend Demonstranten hat am Samstag gegen den Start des syrischen Springreiters Ahmad Saber Hamscho bei den Olympischen Spielen protestiert. Der Reiter hatte zuvor in britischen Medien mit dem Regime von Machthaber Baschar Assad sympathisiert. Während der 19 Jahre alte Hamscho die Qualifikation souverän ohne Fehler mit Pferd Wonderboy abschloss, verteilten Demonstranten vor dem Greenwich Park Flugblätter mit der Aufschrift "Freiheit für Syrien". Hamscho bezeichnet die Aktion im Anschluss als "dumm". "Sie sollten stolz sein, dass wir Syrien repräsentieren", sagte er.

In einem Interview der britischen Zeitung Times hatte er zuvor gesagt, dass Assad die Syrer "lediglich vor Typen mit Waffen" beschütze. Unternehmer Muhamed Hamscho, der Vater des 19-Jährigen, war aufgrund seiner Nähe zu Assad bereits vor einem Jahr von den USA mit Sanktionen belegt worden, zudem verbot ihm die Europäische Union die Einreise. In Syrien tobt ein schwerer Bürgerkrieg.

Basketball, USA: Die Basketballer der USA bleiben auf Goldkurs. Die Mannschaft um Kobe Bryant und LeBron James wurde beim 99:94 (55:51) gegen Litauen allerdings stärker gefordert als erwartet und musste bis kurz vor Schluss um den Sieg zittern. LeBron James, Carmelo Anthony (je 20 Punkte) und Kevin Durant (16) ragten beim vierten Sieg im vierten Spiel der Gruppe A als beste Werfer des "Dream Teams 2012" heraus. Litauen hatte seine besten Korbschützen in Linas Kleiza (25) und Martynas Pocius (14). Über die Stationen 33:25 (10. Minute) und 55:51 (20.) stand das Spiel beim Stand von 55:56 aus Sicht des US-Teams (21.) auf der Kippe. Erst beim 97:88 (38.) war die Partie entschieden.

12.000 Zuschauer in der ausverkauften Londoner Basketball-Arena, die nach den Olympischen Spielen abgerissen wird, hatten erst spät ihren Spaß an der Vorstellung der Stars aus der nordamerikanischen Liga NBA. Vor dem Spiel hatte der Basketball-Weltverband FIBA die litauische Delegation aufgefordert, rassistisches Verhalten ihrer Anhänger nicht zu tolerieren. Ein Litauen-Fan hatte zuvor zugegeben, am Dienstag beim Spiel gegen Nigeria Nazi-Gesten gezeigt und beleidigende Laute von sich gegeben zu haben. Er wurde von einem Londoner Schnellgericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.500 Pfund (3.156 Euro) verurteilt.

Weltrekord beim Bahnradfahren: Großbritannien hat bei den Bahnrad-Wettbewerben den eigenen Weltrekord in der 3.000-Meter-Mannschaftsverfolgung erneut verbessert und souverän das Finale erreicht. Dana King, Laura Trott und Joanna Rowsell fuhren eine Zeit von 3:14,682 Minuten und waren damit fast eine Sekunde schneller als bei ihrer Fabelzeit in der Qualifikation am Freitag. Es war bereits der neunte Weltrekord während der Bahn-Veranstaltungen im Velodrome von London. Im Finale treffen die Britinnen auf die US-Mannschaft (3:16,853). Im "kleine Finale" kämpfen Australien (3:16,935) und Kanada (3:17,454) um Bronze. Judith Arndt (Leipzig), Charlotte Becker (Waltrop) und Lisa Brennauer (Durach) fuhren dagegen in 3:21,086 Minuten nur die siebtbeste Zeit und müssen sich damit am Abend mit dem Lauf um die Plätze sieben und acht gegen Weißrussland (3:21,942) begnügen.

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