OlympiaFingerkuppe weg, ab zu Olympia!

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Skurril oder treu dem Team? Der australische Hockeyspieler Matthew Dawson.
Skurril oder treu dem Team? Der australische Hockeyspieler Matthew Dawson. Richard Wainwright/AAP/Imago

Matthew Dawson, australischer Hockeyspieler, hat sich kurz vor den Sommerspielen verletzt – und eine Amputation gewagt. Über die Opfer, die Sportler für die Spiele bringen.

Glosse von Volker Kreisl

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Was ist einem Sportler die Teilnahme an Olympia wert? Vor dieser Frage stand unlängst auch der Australier Matthew Dawson. Auch er wollte dabei sein, die Hymnen genießen, neue Freunde finden, was vielleicht gar nicht nötig ist, denn Dawson ist bereits Teamsportler, er spielt Hockey. Das ist eine spezielle Disziplin, anders als jene, bei denen man ohne Körperkontakt zum Gegner auskommt, wie Schwimmen, Turnen, Volleyball und Beachvolleyball.

In der Sommervariante von Hockey geht’s ähnlich zu wie im Winter. Die Spieler stülpen sich einen Schutz über die Schneidezähne, bei Olympia geht es schließlich um etwas. Andererseits trägt nur der Torwart Helm und Augengitter, weshalb schon mal eine Holzkelle beim Ausschwingen am gegnerischen Kiefer landen kann.

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Trotzdem ist Sommer-Hockey keine gefährlichere Freizeitbeschäftigung als jede andere Körperertüchtigung auf höchstem Niveau. Schrammen, Narben, Schnitte, Beulen, Prellungen, Brüche, blaue Augen kann man sich jederzeit holen, auch Hautschäden bei schlecht gewässertem Kunstrasen – zumal in den zwei Sommerwochen, bei großem Publikum, bei Olympia. Dass sich die Athleten also einmal verletzen, vielleicht unters Messer müssen, um wieder zu gesunden, ja sogar schlimmstenfalls amputiert werden, ist nicht ausgeschlossen.

Der Orthopäde sagte Dawson, Olympia ginge nicht – wobei, eine Lösung gebe es schon

Allerdings – umgekehrt, also sich erst zu amputieren und dann bei den Spielen anzutreten, das hat wohl noch niemand versucht. Nun ist es so weit. Matthew Dawson hat sich neulich den Ringfinger der rechten Hand gebrochen, was ja, wie erwähnt, schon mal vorkommt.

Klar, Dawson spielt Hockey, und er hat das Herz offenbar am rechten Fleck, ist einer derer, die für Sport, Teamgefährten und Olympia brennen. Zweimal schon war er dabei, und er hat sich geschworen, auch im Jahr 2024 mitzuspielen. Selbst dann, als der Orthopäde sagte, „No“, Olympia ginge nicht, die Zeit bis zum Start des Turniers in Paris reiche nicht für die Heilung. Eine Lösung gebe es jedoch schon: Falls er auf den vorderen Ringfinger verzichte, und zwar für immer. Bitte sehr, ein kurzer Eingriff, eine stabile Bandage – und ab auf den olympischen Hockeyplatz.

Dawson stand also da und vermutlich überlegte er: 30 Jahre alt ist er jetzt immerhin, da stehen womöglich die letzten Sommerspiele bevor, ein letztes Mal dieses Flair, diese Mannschaft, seine Mannschaft. Und so ist Dawson wohl kein Held, vielleicht etwas durchgedreht, in jedem Fall ein ganz normaler Olympiasportler, der für das, was er über alles liebt, tatsächlich ein kleines, wenige Zentimeter langes Opfer erbracht hat.

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