„Schnella Italia“Die Olympia-Schmelze offenbart Kurioses

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Arrivederci, Olympia! Die Winterspiele enden, aber manche Eindrücke bleiben.
Arrivederci, Olympia! Die Winterspiele enden, aber manche Eindrücke bleiben. Vegard Grott/Bildbyran/Imago

Die Winterspiele gehen zu Ende, in Mailand verschwindet Olympia nach und nach – doch ein Laden für Künstlerbedarf hält eine überraschende Entdeckung bereit.

Kolumne von Johannes Schnitzler

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Wenn die Sonne scheint über Mailand und die Luft nicht zu dunstig ist, hat man einen ausgezeichneten Fernblick auf die Südseite der Alpen. Zum Beispiel von der dritten Etage der Santagiulia Arena oder einer ihrer Terrassen aus (wenn man über die Matschpfützen und Baggergruben hinwegsieht, es ist alles noch immer eine große Baustelle). Man sieht also die schneebedeckten Gipfel, fast so klar wie an einem föhnigen Tag in München, und ertappt sich bei dem Gedanken, dass diese Winterspiele nun zu Ende gehen und man bald wieder auf die andere Seite der Alpen schauen wird. In der Stadt hat ohnehin längst die Olympia-Schmelze eingesetzt.

An der Piazza del Carmine, wo in den vergangenen Wochen das Maskottchen Tina von einer Häuserfassade winkte, wirbt nun ein berühmtes Modelabel für seine Produkte. In der Bäckerei und Konditorei Égalité an der Piazza San Simpliciano sind die Olympic Peaks (4,50 Euro) ausgegangen, krapfenartige Kegel mit einem Schneegipfel aus Zuckerguss; zu haben wären noch Olympic Rolls, kreisrunde Croissants, ebenfalls mit Schnee überzuckert oder eher: mit Zucker überschneit, für 6,50 Euro aber zu teuer und zu süß. Wer will, kann ersatzweise „The Peak“ im Parco Sempione erklimmen, eine knallrote Gebirgsinstallation eines großen Getränkekonzerns, der eine „vibrierende immersive Erfahrung“ verspricht.

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Auch wenn das IOC so tut, als stünden Olympioniken außerhalb der heruntergerockten Welt, die sie umgibt: Tatsächlich stehen sie mittendrin. Was also bleibt von diesen Spielen? Strahlende und strauchelnde Athleten. Und die Resilienz eines Ukrainers.

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Die Simulation von Gondelfahrt und Pistenvergnügen, wahlweise mit personalisierter Getränkedose abzurunden, dauert etwa fünf Minuten; das Warten, bis man Einlass findet, deutlich länger, wenn man sich die Schlangen vor dem Eingang anschaut. Immerhin: Dieser Gipfel steht noch bis 14. März, fast bis zum Ende der Paralympics. Bis dahin sollten es Interessierte reingeschafft haben.

Mitten in Mailands Künstlerviertel: ein Mannschaftsfoto der Schwenninger Wild Wings

Wer nach bleibenden Wintersporteindrücken sucht, wird etwas überraschend in der Cartoleria Crespi fündig. Dort in der Via Brera gibt es Farben, Leinwände, Pinsel, Stifte, Zeichenpuppen. So weit, so naheliegend, Brera gilt als Mailands Künstlerviertel. Neben all den Tuben und Tiegeln, den Blättern und Rahmen, sticht dem Flaneur dann aber ein Bild im Schaufenster in die Augen, das sozusagen aus dem Rahmen fällt: ein Mannschaftsfoto der Schwenninger Wild Wings, Saison 2024/2025. Äääh ...

Die Spur der Schwäne führt nach Deutschland, ins niedersächsische Dassel. Dassel ist eine Kleinstadt mit 10 000 Einwohnern im Landkreis Northeim. Dort hat die Hahnemühle Fine Art GmbH ihren Sitz, die seit 1584 unter anderem „Künstlerpapiere für traditionelle Maltechniken“ herstellt. Mit Papier aus der Hahnemühle haben schon Pablo Picasso und Salvador Dalí gearbeitet, wie die Website stolz verzeichnet. Im selben Jahr starb in Mailand der heilige Karl Borromäus, Kardinal und Erzbischof, nachdem er die leicht verlotterte Erzdiözese Mailand zu einem Vorzeigebistum umgemodelt hatte. Ob Karl seine bischöflichen Erlässe bereits auf Papier aus Dassel verfasste? Unwahrscheinlich. Als er am 3. November 1584 seinen letzten Zug Mailänder Luft ausatmete, wurde er zum Dank für seine Verdienste an Ort und Stelle im Dom bestattet.

Wie das Foto der Schwenninger Wild Wings nun aber in die Cartoleria Crespi nach Mailand kommt? Nun, Crespi handelt seit Jahren mit Hahnemühle-Papier. Das Unternehmen aus Dassel wiederum zählt zu den Sponsoren des Eishockeyklubs aus dem Schwarzwald. Und Papier ist bekanntlich geduldig.

„Schnella Italia“ ist die Olympia-Kolumne der SZ-Sportredaktion. An dieser Stelle schreiben die Reporterinnen und Reporter der SZ über Kuriositäten und Beobachtungen am Rande der Winterspiele.

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