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Olympia:"Keine drastischen Entscheidungen"

Der Glaube in der Bevölkerung schwindet, ein hochrangiger Sportfunktionär ist angeblich auch schon infiziert. Trotz allem halten das IOC und Japans Regierung an der Austragung der Sommerspiele in Tokio fest.

Die Sportwelt steht still, die Corona-Pandemie steht wohl erst am Anfang - aber die Olympischen Sommerspiele sollen planmäßig vom 24. Juli bis 9. August in Tokio ausgetragen werden? Zumindest ist das weiter die offizielle Sprachregelung. "Das IOC bleibt den Olympischen Spielen Tokio 2020 uneingeschränkt verpflichtet", teilte das Internationale Olympische Komitee am Dienstag nach einer Telefonkonferenz des Vorstands mit Athletenvertretern, nationalen Komitees und Fachverbänden mit. "Da bis zu den Spielen noch mehr als vier Monate verbleiben, sind zum jetzigen Zeitpunkt keine drastischen Entscheidungen erforderlich", hieß es: "Jegliche Spekulation" wäre derzeit "kontraproduktiv". Auch die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7) hätten keine Verschiebung vorgeschlagen, versicherte am Dienstag der japanische Regierungssprecher Yoshihide Suga. Bei einer Videokonferenz der Staatenlenker sei dies kein Thema gewesen. Die Regierung in Tokio werde ihre Vorbereitungen wie geplant fortsetzen. Rund 11 000 Teilnehmer und ein Vielfaches an Trainern und Betreuern, Fans und Medienvertretern sollen nach jetzigem Stand im Sommer nach Japan kommen, die Paralympics sollen anschließend starten.

In Japan selbst schwindet aber der Glaube an die Durchführung in diesem Sommer: Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge glauben 69,9 Prozent der Befragten nicht mehr daran. Dazu passte am Dienstag die Meldung, dass auch der Vizepräsident des Japanischen Olympischen Komitees (JOC), Kozo Tashima, mit dem Coronavirus infiziert sein soll. Tashima sei positiv getestet worden, berichteten japanische Medien unter Berufung auf ungenannte Kreise.

Zugleich zwingt das Zögern der Veranstalter Olympiasportler vorerst dazu, trotz der Einschränkungen des öffentlichen Lebens und trotz der Ansteckungsrisiken weiterzutrainieren. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) prüft derzeit die Möglichkeit, dass sich Top-Athleten am Stützpunkt in Kienbaum bei Berlin unter professionellen Bedingungen auf Olympia vorbereiten können, wenn ihr Training andernorts nicht mehr möglich ist. Das bestätigte DOSB-Sprecherin Ulrike Spitz. Eine finale Entscheidung sei angesichts offener Fragen noch nicht gefallen, scharfe Kritik an so einem Plan wurde aber bereits geäußert. "Sollte dort ein Corona-Fall auftreten, wäre das komplette deutsche Olympiateam lahmgelegt", warnte etwa der Schwimmtrainer Frank Embacher (Leipzig): "Wir sollten uns lieber in kleinen Gruppen vorbereiten."

Ob das alles noch ein verantwortungsvolles Vorgehen ist? Das Olympia-Qualifikationsturnier der europäischen Boxer in London ist jedenfalls soeben gestoppt worden, nach drei Wettkampftagen. Das teilte das IOC mit. Die Kritik an der Veranstaltung war groß gewesen.

© SZ vom 18.03.2020 / SZ, dpa, sid
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