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Olympia:Kanute Tasiadis schlingert ins Ziel

Canoe Slalom - Olympics: Day 4

Zu viele Sekunden verschenkt: Sideris Tasiadis im Kanu-Slalom.

(Foto: Getty Images)

Die Medaillenhoffnungen des deutschen Kanufahrers zerplatzen. Tennisspielerin Laura Siegemund schafft Erstaunliches. Die deutschen Handballer feiern gegen Polen den zweiten Sieg. Im Gewichtheben gibt es Weltrekorde.

Kanu: Slalom-Kanute Sideris Tasiadis hat bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro eine Medaille verpasst. Der Augsburger Wildwasserpaddler musste sich am Dienstag im Canadier-Einer mit dem fünften Platz begnügen. Gold gewann der Franzose Denis Gargaud Chanut vor dem Slowaken Matej Benus und dem Japaner Takuya Haneda. Der 26-Jährige hatte noch im Halbfinale eine überlegene Bestzeit aufgestellt und war als Titelanwärter Nummer eins in die Entscheidung gegangen. Tasiadis, der vor knapp elf Monaten den Krebstod seiner Freundin verkraften musste, verpasste damit die zweite olympische Medaille seiner Karriere. Vor vier Jahren hatte er bei den Spielen von London die Silbermedaille in der selben Disziplin gewonnen.

Gewichtheben: Die chinesische Gewichtheberin Deng Wei hat bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Gold in der Klasse bis 63 kg gewonnen und dabei zwei Weltrekorde aufgestellt. Die 23-Jährige siegte mit 262 kg im Zweikampf und erzielte auch im Reißen mit 147 kg eine Weltbestmarke. Silber holte die Nordkoreanerin Choe Hyo-Sim (248), Bronze die Kasachin Karina Goritschewa (243). Deutsche Heberinnen waren für diese Gewichtsklasse nicht qualifiziert.

Das Wichtigste zu Olympia 2016 in Rio

Tennis: Laura Siegemund steht bei ihrem Olympia-Debüt überraschend im Viertelfinale. Die Weltranglisten-32. aus Metzingen setzte sich in Rio nach einer starken Vorstellung 6:4, 6:3 gegen Kirsten Flipkens (WTA-Nr. 61) durch. Die Belgierin hatte in der ersten Runde Sydney-Olympiasiegerin Venus Williams (USA) ausgeschaltet. Nach 1:32 Stunden verwandelte Stuttgart-Finalistin Siegemund auf Außencourt 4 ihren ersten Matchball und zeigte die Siegerfaust. In einem unterhaltsamen Spiel suchte die 28-Jährige immer wieder den Weg ans Netz - und wurde für ihren Mut belohnt.

Siegemund trifft am Mittwoch in der Partie um den Sprung ins Halbfinale entweder auf French-Open-Gewinnerin Garbine Muguruza (Spanien/Nr. 3) oder Monica Puig (Puerto Rico). "Wenn mir vor einiger Zeit jemand gesagt hätte, dass ich hier in Rio dabei bin, hätte ich es ihm nicht abgenommen. Ich hatte das nicht auf dem Schirm", gesteht Siegemund. Aber sie weiß, dass sie hierher gehört, in den olympischen Kreis der Besten: "Das ist schon ein Traum. Ich genieße jede Minute."

Schwimmen: Europameisterin Franziska Hentke hat kontrolliert das olympische Halbfinale über 200 Meter Schmetterling erreicht. Die Magdeburgerin schwamm in 2:07,59 Minuten die neuntbeste Zeit. Als Schnellste zog die Olympia-Zweite Mireia Belmonte (2:06,64) aus Spanien in das Halbfinale in der Nacht zum Mittwoch ein. Über 100 Meter Freistil zeigte der Essener Damian Wierling eine starke Leistung. In 48,35 Sekunden steigerte der 20-Jährige seine persönliche Bestzeit um fast zwei Zehntel und verpasste den deutschen Rekord nur knapp. Als Vorlauf-Siebter kann Wierling sogar mit dem Finale der besten acht liebäugeln. Hingegen war der Vorlauf für Björn Hornikel (Sindelfingen) nach schwachen 49,62 Endstation.

Brasilien Aus der Favela zu Gold

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Aus der Favela zu Gold

Rafaela Silva wuchs in einer Armensiedlung von Rio auf. Judo war ihre Rettung. Nun gewann sie nach vielen Rückschlägen die erste Goldmedaille für Brasilien.

Nach den Enttäuschungen der ersten Tage hat auch Marco Koch die Hoffnungen auf die erste Medaille für die deutschen Schwimmer gewahrt. Der 26-Jährige aus Darmstadt schlug im Vorlauf über 200 m Brust nach 2:08,98 Minuten als Fünfter an und qualifizierte sich locker für das Halbfinale am späten Dienstagabend.

Handball: Das DHB-Team bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro einen großen Schritt in Richtung Viertelfinale gemacht. Die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson besiegte den WM-Dritten Polen mit 32:29 (16:14). Für den Europameister war es zwei Tage nach dem 32:29 gegen Schweden bereits der zweite Sieg bei Olympia. Beste Werfer im deutschen Team waren mit jeweils fünf Toren Kapitän Uwe Gensheimer, Fabian Wiede und Julius Kühn. Den nächsten Auftritt hat der Europameister am Donnerstag gegen Gastgeber Brasilien.

Gewichtheben: Der Pole Tomasz Zielinski ist wegen einer positiven Dopingprobe von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen worden. Das teilte das Nationale Olympische Komitee am Dienstag mit. Der Europameister der Klasse bis 94 Kilogramm hätte am Samstag in den Wettbewerb eingreifen sollen.

Rudern: Marcel Hacker wird seine Laufbahn wohl ohne zweite Olympia-Medaille beenden. 16 Jahre nach Bronze im Einer verpasste er im Doppelzweier mit seinem Schlagmann Stephan Krüger am Dienstag die Teilnahme am Finale der olympischen Regatta in Rio de Janeiro. Rang vier im Halbfinale auf der Lagoa Rodrigo de Freitas war zu wenig. Am Donnerstag geht es für das Duo im B-Finale nur noch um Rang sieben. Bei seiner fünften Olympia-Teilnahme startet der 39-Jährige in Rio erstmals im Doppelzweier. Bronze hatte er in Sydney bei seinen ersten Spielen geholt. Einen Start in Tokio hatte er schon vor der Abreise nach Brasilien nahezu ausgeschlossen.

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Das Rekord-Wasser von Rio

Im Olympia-Schwimmstadion purzeln die Weltrekorde. Manche Athleten deklassieren die Konkurrenz auf besondere Weise.

Leichtathletik: Sprinter Usain Bolt möchte nach seiner Sportlerkarriere Schauspieler in Actionfilmen werden. "Ich denke ernsthaft darüber nach", sagte der 29 Jahre alte Jamaikaner dem Playboy. Sein Vorbild sei der britische Schauspieler Jason Statham, der durch Filme wie "The Transporter" und "Crank" bekannt wurde und zuvor Wasserspringer für das britische Nationalteam war. Im kommenden Jahr werde der Olympiasieger von 2008 und 2012 noch bei der Weltmeisterschaft in London starten. Danach sei Schluss. Bei den Olympischen Spielen in Rio der Janeiro zählt Bolt in den Sprintdisziplinen zu den Top-Favoriten. Der Fan des englischen Erstligisten Manchester United kann sich zudem vorstellen, es als Fußballer zu probieren. Ein Angebot habe er jedoch nicht. "Ich bin mir aber sicher, dass ich eines bekommen könnte, wenn ich es versuche", sagte Bolt.

Tennis: Für den Tennis-Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic sind die Olympischen Spiele vorbei. Nach seinem Aus im Einzel verlor der Schützling von Boris Becker auch das Zweitrunden-Doppel an der Seite seines serbischen Teamkollegen Nenad Zimonjic mit 4:6, 4:6 gegen die an Nummer drei gesetzten Brasilianer Marcelo Melo und Bruno Soares. Der zwölfmalige Grand-Slam-Gewinner Djokovic teilte danach mit, dass er in Rio nicht im Mixed für Serbien antreten werde. Djokovic hofft nun, 2020 in Tokio als dann 33-Jähriger erneut um Gold kämpfen zu können. "Ich hoffe, ich habe dann eine neue Chance." Seine einzige Olympia-Medaille gewann er 2008 mit Bronze in Peking.

Turnen: Japans Kunstturner haben erstmals seit Athen 2004 wieder olympisches Mannschafts-Gold gewonnen. Die Weltmeister-Riege um Superstar Kohei Uchimura setzte sich nach sechs Geräten mit insgesamt 274,094 Punkten vor Russland (271,453) und China (271,122) durch. Die Riege des Deutschen Turner-Bundes um den früheren Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen landete mit 261,275 Punkten auf Platz sieben. Deutschland trat nur mit vier Athleten an, da der deutsche Mehrkampf-Meister Andreas Toba nach seinem Kreuzbandriss nur zuschauen konnte. Mit seiner viel beachteten Leistung am Pauschenpferd hatte der 25-Jährige sein Team in das Finale geführt.

Turnen: Seit dem olympischen Team-Finale darf sich Marcel Nguyen Erfinder nennen. Der Unterhachinger kreierte in der Olympic Arena ein neues Element am Barren, das künftig im Code d'Pointage, dem Regelwerk der Turner, seinen Namen tragen wird. "Dass das neue Element nun meinen Namen trägt, war zu Beginn nebensächlich. Mir ging es darum, meinen Schwierigkeitswert auf 7,0 Punkte zu bringen. Dass es nun funktioniert hat, ist cool und ein schönes Gefühl. Damit habe ich mich im Turnsport verewigt", sagte Nguyen, nachdem er mit dem Team den siebten Platz von den Spielen in London trotz der misslichen Umstände wegen der Verletzung von Mehrkampf-Meister Andreas Toba wiederholt hatte.

Die Felge aus dem Seitverhalten mit einer Dreiviertel-Drehung war vom Deutschen Turner-Bund vor den Spielen als neues Element beim Weltturnverband FIG eingereicht worden. Dieser hatte es als Element der Kategorie E eingestuft. Mit der perfekten Ausführung im Team-Finale darf es künftig als "Nguyen" benannt werden und bringt dem Turner künftig 0,6 Punkte im Ausgangswert seiner Übung.