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Olympia:Putin poltert, das IOC schweigt und gibt Briefmarken raus

Das alte System ist halt nicht totzukriegen. Samaranch drehte auch bei späteren Städte-Vergaben mit, für Sotschi 2014 etwa: Am Tag vor der Entscheidung im Juli 2007 nach Guatemala eingeflogen, soll er Putins Bewerbern einige Voten bei alten IOC-Kostgängern besorgt haben - so beklagten es später Mitbewerber. Am Ende lagen sich Samaranch und Smirnow in den Armen. Wie 27 Jahre zuvor in Moskau.

Noch ein Beispiel gefällig? Als sich Moskau, damals Kandidatenstadt für 2012, vor elf Jahren in Berlin präsentierte, gab Bürgermeister Juri Luschkow Auskünfte. Befragt nach Smirnow drehte er dem Interviewer den Rücken zu. Immerhin versprach er, eingedenk der schon damals bekannten Dopingmentalität im russischen Sport: "Wir werden ein supermodernes Dopinglabor in Moskau einrichten." Wie supermodern diese sind, weiß man nun dank des Ex-Laborchefs Grigori Rodschenkow: Ausgestattet mit einem Kühlschrank, in dem der russische Geheimdienst Urin aufbewahrt, um positive Proben in negative zu verwandeln, wie 2014 in Sotschi.

Alles Lug und Trug, "eine zielgerichtete Kampagne gegen unsere Sportler", polterte Putin, als er Russlands Sportler jüngst im Kreml verabschiedete. Jelena Issinbajewa, wie alle russischen Leichtathleten kollektiv aus Rio verbannt, gab dort die Haltung für die Rio-Wochen vor: "Sollen all die pseudo-sauberen ausländischen Sportler sehen, dass sie sich mit den Falschen angelegt haben!" Issinbajewa will sich in Rio übrigens um einen Sitz in der Athletenkommission des Ringe-Clans bewerben. Müsste das alles einen IOC-Patron, der unbefangen von Russland sein will und "härteste Sanktionen" versprochen hat, nicht zur Gegenrede animieren? Bislang drang dazu aus dem IOC: nichts.

Man ist vermutlich mit Wichtigerem beschäftigt. Am Mittwoch tat das IOC kund, gemeinsam mit den Vereinten Nationen eine neue Briefmarkenserie aufzulegen. Motto: Die Rolle des Sports für den Frieden.

© SZ vom 29.07.2016/schm
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