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Olympia in Sotschi:Pussy-Riot-Aktivistinnen wieder frei

Pussy Riot

Nadeschda Tolokonnikowa (li.) und Maria Aljochina vergangene Woche in Berlin

(Foto: AFP)

Erst Ende vergangenen Jahres wurden sie aus russischer Lagerhaft entlassen. Nun sind Tolokonnikowa und Aljochina, die als Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot bekannt wurden, erneut festgenommen worden - nun wurden sie freigelassen.

Die mit Polizeigewalt in Sotschi am Rande der Olympischen Winterspiele festgenommenen Aktivistinnen der kremlkritischen Punkband Pussy Riot sind wieder in Freiheit. Das teilte Nadeschda Tolokonnikowa im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auch der Bürgerrechtler Semjon Simonow von der Menschenrechtsorganisation Memorial sagte, dass er und alle anderen Festgenommenen nach ihren Verhören im Stadtteil Adler wieder auf freiem Fuß seien. Tolokonnikowa warf den Uniformierten brutale Gewalt vor. Sie sei mit dem Gesicht über das Parkett gezerrt und geschlagen worden. Die Aktivistin kündigte eine Klage an.

Die beiden Aktivistinnen waren erst Ende vergangenen Jahres aus russischer Lagerhaft entlassen worden.

Tolokonnikowa hatte über Twitter mitgeteilt, sie sei zusammen mit Maria Aljochina im Zentrum der Schwarzmeerstadt inhaftiert und "des Raubes beschuldigt" worden. Aljochina bestätigte ihrerseits, festgenommen worden zu sein. Offenbar geht es um einen Diebstahl in dem Hotel, in dem die Aktivistinnen übernachtet haben.

Korrespondenten von ARD und ZDF bestätigten die Festnahme. Die Russland-Reporterin der ARD, Ina Ruck, retweete ein Foto, bei dem es sich um eine der festgenommenen Aktivistinnen handeln soll:

Der Ehemann Tolokonnikowas sagte CNN, die beiden Frauen hätten in der Nähe des Hafens Journalisten getroffen, als die Polizei sie festgenommen habe.

Aljochina sagte, Tolokonnikowa und sie seien in den vergangenen Tagen in Sotschi bereits mehrfach festgenommen worden. "Am 16. wurden wir für sieben Stunden festgehalten, und am 17. waren wir zehn Stunden beim (Inlandsgeheimdienst) FSB", sagte sie. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Innenministeriums sagte Moskauer Medien zufolge, die Frauen hätten "gegen Meldeauflagen verstoßen".

Aljochina und Tolokonnikowa waren im Zuge einer Amnestie nach fast zwei Jahren Haft am 23. Dezember 2013 frei gekommen. Beide waren nach einem Anti-Putin-Auftritt in einer Moskauer Kirche 2012 festgenommen und wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" verurteilt worden.

Ebenfalls am Rande der Olympischen Winterspiele festgenommen wurde der prominente Menschenrechtler Semjon Simonow von der Organisation Memorial. Das teilte der Bürgerrechtler nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er werde mit den Pussy-Riot-Aktivistinnen in das Polizeiquartier im Stadtteil Adler gebracht. Die Polizei gab auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa zunächst keinen Kommentar. Simonow teilte mit, dass insgesamt zehn Aktivisten Diebstahl vorgeworfen werde.

Der Menschenrechtler von der Organisation Memorial hatte vor allem die Ausbeutung von Gastarbeitern beim Bau der Olympiaanlagen kritisiert - sehr zum Ärger der russischen Organisatoren der Winterspiele.

Die beiden Musikerinnen Tolokonnikowa und Aljochina waren vor einer Woche zu Besuch in Berlin. Dabei sagten die beiden Frauen, sie würden den Gang in die Politik erwägen. Außerdem wollen sie sich in ihrer - bislang nicht zugelassenen - Nichtregierungsorganisation Zona Priva für die Verbesserung der Haftbedingungen in russischen Gefängnissen einsetzen. CNN zufolge planen die beiden Frauen zudem, einen Song mit dem Titel "Putin wird dich lehren, dein Heimatland zu lieben" (frei auf Deutsch übersetzt) aufzunehmen.

Amnesty-Sprecher John Dalhuisen warf den russischen Behörden Menschenrechtsverletzungen vor, indem sie massiven Druck auf Aktivisten ausüben würden. "Es geht um Menschen, die nur ihre Meinung sagen. Das ist empörend. Fast täglich gibt es Berichte über Festnahmen. Das Internationale Olympische Komitee muss handeln", betonte er.

© SZ.de/AFP/AP/gal/resi/mane

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