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Olympia in Schweden:Brüchiges Fundament

Die Weltmeisterschaft in Are soll auch Schwedens Olympia-Kandidatur für 2026 bestärken - doch der Bewerbung fehlen weiter wichtige Zusagen.

Linda Helleland, die norwegische Politikerin und Vizepräsidentin der Welt-Anti-Doping-Agentur, hat vor Kurzem eine ganz nette Anekdote aus der olympischen Familie erzählt. Sie berichtete der Zeitung Verdens Gang von einem Treffen bei den Jugendspielen 2016 in Lillehammer, in den Katakomben der Eishockeyhalle. Im Raum waren: Erna Solberg, Norwegens Premierministerin, Thomas Bach, der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, und Helleland. Ein bisschen Smalltalk, dann habe Bach beklagt, dass Oslo bei einer Volksbefragung gegen die Olympia-Bewerbung für 2022 votiert hatte. Die Replik der Ministerin fiel barsch aus. Das Referendum sei kein Urteil über die Winterspiele gewesen, habe Solberg gesagt: "Aber in unserer Gesellschaft gibt es zentrale Werte, und das IOC repräsentiert diese Werte nicht." Dann, erinnerte sich Helleland, wurde es sehr still im Raum.

Es sind schwere Zeiten für die Damen und Herren im Olymp, daran hat sich seit dem Katakomben-Plausch von Lillehammer nicht viel geändert. Spiele-Vergaben sind von Korruptionsverdacht umweht, ehemalige Topfunktionäre stehen im Fokus von Ermittlern, Olympische Spiele leiden unter ausufernden Kosten. Für die Winterspiele 2026, die im kommenden Juni in Lausanne vergeben werden sollen, sind nur noch zwei Bewerber übrig geblieben: Mailand/Cortina und Stockholm/Are. Die WM der Alpinen, die gerade in Are stattfindet, ist da auch als emotionale Anschubfinanzierung für die 2026er-Bewerbung gedacht. Allerdings stehen beide Kandidaturen auf brüchigem Fundament, am Mittwoch wurde das in Are noch mal deutlich.

Zunächst wurde ein Werbefilm gezeigt, Stockholm bei Nacht, Hundeschlittenfahrten, sonnengeflutete Hänge in Are - was schon deshalb ulkig war, als dass Wind und Schnee bei der WM bislang fast jedes Rennen beeinträchtigt haben. Richard Brisius, Chef der schwedischen Bewerbung, stellte dann noch mal das Konzept vor: Die Alpinen und Freestyler sollen in Are auftreten, die Nordischen in Falun, die Eissportarten in Stockholm, die Schlittenfahrern bei den Nachbarn in Sigulda, Lettland. "Wir glauben, dass unser Konzept maßgeschneidert für die neue Agenda 2020 des IOC ist", sagte Brisius. Weniger Gigantismus und mehr Nachhaltigkeit also, das verspricht zumindest das IOC. "Wir müssen nichts bauen", sagte Brisius, "wir haben alles, was gebraucht ist."

Was sie freilich nach wie vor nicht haben, sind finanzielle Garantien der Regierung. Die hätten sie eigentlich bis Januar beim IOC nachweisen müssen. Das IOC gewährte Aufschub, es hatte auch gar keine andere Wahl, wollte es nicht sofort ohne Kandidaten dastehen: Auch Mailand/Cortina verfügten zunächst über keine Zusicherungen (was sich laut den Italienern mittlerweile geändert hat). Die Schweden hatten derweil das Problem, dass ihre Regierung damit beschäftigt war, überhaupt erst mal eine neue Regierungskoalition zusammenzubekommen. Aber dies sei nun geschehen, sagte Brisius, die ersten Rückmeldungen bezüglich der Garantien waren "positiv". Bis wann man mit einer Entscheidung rechnen könne? "Da müssen sie die Regierung fragen", sagte der OK-Chef. Dabei drängt die Zeit massiv, für Anfang März hat sich die Evaluierungskommission des IOC angekündigt. Ob er sich nicht Sorgen mache? Nein, nein, beteuerte Brisius, man bewege sich in die richtige Richtung.

Linda Helleland hat vor Kurzem übrigens auch noch das gesagt: Wenn sie sehe, wie das IOC über Veränderungen rede, und wie sie erlebe, wie hinter geschlossenen Türen entschieden werde - dann sei die Agenda 2020 "eine schöne Powerpoint-Präsentation, mehr nicht."

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