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Olympia:"In Indien ist das eine große Sache"

GANGNEUNG 07 02 2018 training in de Gangneung Oval Anice Das Training schaatsers PUBLICATIONxN; Anice Das

Startet über 500 Meter: die 32-Jährige Anice Das.

(Foto: imago/Pro Shots)

Anice Das ist die erste in Indien geborene Eisschnellläuferin, die an Winterspielen teilnimmt. Im SZ-Interview erzählt die 32-Jährige, warum sie für die Niederlande startet und seit ihrer Geburt nicht mehr in Indien war.

Anice Das ist nach der alpinen Skirennläuferin Shailaja Kumar erst die zweite in Indien geborene Sportlerin, die an Olympischen Winterspielen teilnimmt. Die Eisschnellläuferin wird über die 500 Meter an diesem Sonntag aber nicht für ihr Geburtsland, sondern für die Niederlande an den Start gehen. Für das Land, in dem sie gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester aufgewachsen ist, nachdem die beiden im Alter von acht Monaten von einem niederländischen Ehepaar adoptiert worden sind. Im Gespräch mit der SZ erklärt die 32-Jährige, warum es erst im fortgeschrittenen Alter mit der Olympia-Teilnahme geklappt hat, warum sie seit ihrer Geburt nicht mehr in Indien war - und warum ihr gerade durch den Kontakt mit indischen Journalisten klar geworden ist, wo sie eigentlich herkommt.

SZ: Frau Das, es ist vor den Spielen viel darüber geschrieben und gesprochen worden, dass Sie die erste in Indien geborene Eisschnellläuferin bei Winterspielen sind. Vor allem in Indien ist das ein großes Thema.

Anice Das: Ich habe das natürlich mitbekommen. Ich finde das auch sehr speziell, und es ist ja wirklich eine einzigartige Geschichte, dass ich mich jetzt für die Spiele qualifizieren konnte. In Indien ist das eine große Sache, sie sind fasziniert von meiner Lebensgeschichte. Ich habe von dort viele Interviewanfragen erhalten.

Sie und Ihre Schwester sind in Mumbai geboren und mit acht Monaten von einem niederländischen Ehepaar adoptiert worden. Haben Sie noch Verbindungen nach Indien?

Ich fühle mich mit dem Land emotional stark verbunden, Holland ist meine Heimat, ich bin Holländerin und hier aufgewachsen. Aber wir wollen endlich auch mal sehen, wo wir geboren worden sind, wo wir einige Monate gelebt haben und wer unsere biologischen Eltern sind. Aus diesem Grund planen meine Schwester und ich, nach den Spielen nach Indien zu reisen.

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Sie waren seit Ihrer Geburt nicht mehr dort?

Nein, nie mehr. Ich hatte einfach keine Zeit. In den Sommermonaten, wenn ich schulfrei hatte, habe ich immer intensiv trainiert. Es war schon immer mein Traum, eines Tages bei den Spielen dabei sein zu können. Aber jetzt ist es an der Zeit, uns auf Spurensuche in Indien zu begeben. Meine Schwester hat kleine Kinder, sie sind jetzt alt genug, um mitfliegen zu können.

Hat sich der Drang, Ihre Herkunft zu erforschen, durch die vielen Anfragen aus Indien verstärkt?

Ja, es ist wirklich komisch, erst durch den Kontakt mit den indischen Journalisten ist mir so richtig bewusst geworden, wo ich eigentlich herkomme. Wir hatten schon vorher mal probiert, mithilfe einer Sendung im niederländischen Fernsehen unsere biologischen Eltern ausfindig zu machen. Das war schon immer ein großes Thema in unserem Leben. Doch jetzt hat sich das Bedürfnis noch mal verstärkt, uns mit unserer Herkunft intensiver auseinanderzusetzen. Aber erst nach den Winterspielen, ich will mich jetzt erst mal gut in Pyeongchang verkaufen.

Sie starten über die 500 Meter, Ihrer besten Strecke. Hat Sie Ihre Qualifikation selbst überrascht? Sie sind nicht mehr die Jüngste.

Ich bin habe nicht mehr damit gerechnet, dass es noch klappen könnte mit den Winterspielen. Für mich ist es tatsächlich das Ende einer langen Reise, ich habe mich selbst überrascht, weil ich nicht wirklich damit gerechnet habe, dass ich die niederländische Qualifikation gewinnen könnte. Viele hatten mich schon abgeschrieben, aber ich habe mich nie als Verliererin gefühlt und immer weitergekämpft. Jetzt bin ich sehr glücklich, dass ich mich gegen die vielen guten Mädels habe durchsetzen können und sich meine harte Arbeit in den vergangenen Jahren nun bezahlt gemacht hat.