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Olympia:Harting entschuldigt sich für Auftritt bei Siegerehrung

Rio 2016 - Leichtathletik

Olympiasieger Christoph Harting hat sich für seinen ungewöhnlichen Auftritt bei der Siegerehrung im Diskuswerfen entschuldigt.

(Foto: dpa)

Er sei auf den Erfolg nicht vorbereitet gewesen, sagt der Olympiasieger. Beim Marathon-Sieg der Kenianerin Sumgong gibt es einen Zwischenfall. Martina Hingis verliert das Doppel-Finale im Tennis.

Leichtathletik: Diskus-Olympiasieger Christoph Harting hat sich für sein Verhalten bei der Siegerehrung entschuldigt. "Ich war noch voller Energie. Ich hätte mit den Dingen vielleicht anders umgehen können", sagte Harting bei einem Gespräch im Deutschen Haus: "Ich wollte es genießen, auf meine Weise. Ich möchte mich bei allen, die sich auf den Schlips getreten fühlen, entschuldigen." Hartings unorthodoxes Verhalten während der Siegerehrung hatte zum Teil heftige Kritik in Sozialen Medien hervorgerufen.

Harting machte dafür den emotionalen Wettbewerb verantwortlich. "Ich war noch nicht aus dem Tunnel raus. Es war das erste Mal, dass ein großer Diskus-Wettkampf am Vormittag stattfand und die Siegerehrung zwei Stunden später. Wir hatten keine Zeit, uns darauf einzustellen", sagte Harting: "Es sind meine ersten Olympischen Spiele. Ich stehe das erste Mal ganz oben. Man ist darauf nicht vorbereitet. Viele Sportler weinen, andere sind ganz starr. Ich wäre gerne gedanklich früher aus dem Wettkampf rausgekommen. Es war nicht toll, es ist falsch angekommen."

Das Wichtigste zu Olympia 2016 in Rio

Marathon: Die kenianische Läuferin Jemima Sumgong hat Gold im Marathon gewonnen. Die 31-Jährige setzte sich in 2:24:04 Stunden vor Eunice Jepkirui Kirwa aus Bahrain durch. Es war der erste Marathon-Olympiasieg einer kenianischen Frau. Bei für Marathonläufern sehr schwierigen Bedingungen mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit fiel Weltmeisterin Mare Dibaba aus Äthiopien wenige Kilometer vor Schluss aus dem Spitzentrio zurück und musste sich mit Bronze begnügen. In London 2012 hatte Tiki Gelana aus Äthiopien Gold gewonnen.

Kurz vor dem Ziel waren mehrere Personen auf die Strecke gelaufen. Die Siegerin Sumgong bestätigte bei der Pressekonferenz nach dem Rennen einen Vorfall, sie habe aber keine Angst gehabt. Die Kenianerin musste kurz vor dem Ziel im Sambódromo auch jemandem ausweichen. Nach Medienberichten liefen mehrere Personen auf die Strecke und auf die Führende zu. Polizisten auf Motorrädern drängten eine Person ab. Kurz vor der Ziellinie war zudem eine Frau auf der Strecke, die in der Hand einen Zettel hielt - möglicherweise eine politische Aktivistin. Sie konnte jedoch von Polizisten von Sumgong ferngehalten werden. Bereits beim London-Marathon im April hatte ein Mann versucht, Sumgong beim Rennen zu stören.

Tennis: Die frühere Weltranglisten-Erste Martina Hingis hat die erhoffte Krönung ihrer Karriere mit der ersten olympischen Goldmedaille verpasst. Die Schweizerin verlor mit ihrer Partnerin Timea Bacsinszky das Doppel-Finale gegen Jekaterina Makarowa/Jelena Wesnina aus Russland 4:6, 4:6. Nach 98 Minuten machte das russische Duo den Olympiasieg perfekt. 20 Jahre nach ihrer zuvor einzigen Teilnahme stand die frühere Rivalin von Steffi Graf erstmals in einem olympischen Finale. Ihr Weg ins Endspiel hatte allerdings für Aufsehen gesorgt. Im Halbfinale gegen die London-Finalistinnen Andrea Hlavackova und Lucie Hradecka aus Tschechien wehrte das Duo zwei Machbälle ab und siegte noch.

Schießen: Die Gewehrspezialisten Daniel Brodmeier und André Link sind in einem spannenden Finale im Dreistellungskampf mit dem Sportgewehr als Vierter (Brodmeier) und Fünfter (Link) knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt und konnten die erfolgreichste Bilanz des Deutschen Schützen-Bundes in der Olympia-Geschichte nicht mehr ausbauen. Gold ging mit 458,8 Ringen an den Italiener Niccolo Campriani, der damit seinen London-Triumph wiederholte. Zweiter wurde Sergej Kamenski aus Russland, Bronze holte der Franzose Alexis Raynaud. Die beiden Deutschen zeigten in der entscheidenden Phase dagegen Nerven.

Doping: Russlands Sportminister Witali Mutko hat den kurzfristigen Olympia -Ausschluss der Weitspringerin Darja Klischina durch den Leichtathletik-Weltverband IAAF heftig kritisiert. "Das sind bewusste Provokationen, die mit voller Absicht getätigt werden. Ihr Ziel ist der russische Sport", sagte der Politiker der Nachrichtenagentur Tass. Die 25 Jahre alte Klischina hatte ursprünglich die Starterlaubnis für die Wettkämpfe erhalten, da sie seit 2013 in Florida lebt und trainiert und sich somit außerhalb des russischen Systems befand. Bei seiner Rolle rückwärts verwies ein IAAF-Sprecher am Samstag auf "neue Erkenntnisse", ohne ins Detail zu gehen. Klischina legte umgehend Einspruch bei der Ad-hoc-Kammer des internationalen Sportgerichtshofes CAS in Rio ein. Eine Entscheidung wird am Montag erwartet.

Schwimmen I: Nach den zweiten Olympischen Spielen nacheinander ohne Medaille kündigt Schwimm-Cheftrainer Henning Lambertz als Konsequenz kleinere Mannschaften und härtere Normen an. "Wir kriegen nicht mehr Geld, aber wir müssen besser fördern. Das kann dann nur sein, dass wir mit dem Geld, was wir haben, weniger Leute fördern", sagte Lambertz. "Allerdings jetzt schon mit der Gewissheit, dass uns der Nachwuchs sicher nicht die Türen einrennen wird." An der bisherigen Qualifikationspraxis mit Zeiten, die bei zwei Wettkämpfen sowohl im Vorlauf als auch im Finale unterboten werden müssen, will Lambertz zwar festhalten. "Aber die Normen müssen schwerer werden. 27 Leute kann ich nicht mit vier Trainern betreuen."

Schwimmen II: Das grüne Wasser im Mario Lenk Aquatics Center schlägt weiter hohe Wellen. "Das ist olympiaunwürdig", schimpfte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV). Während die Wasserspringer vorerst weiter in den "Tümpel" springen müssen, wie es Rekord-Europameister Patrick Hausding ausdrückte, wurde das Wasser im Becken nebenan für die Synchronschwimmerinnen komplett gewechselt. In einer zehnstündigen Hauruck-Aktion wurden insgesamt 3 725 000 Liter aus dem Warm-up-Pool gepumpt, transportiert und in den Wettkampfpool gelassen, in dem zuvor die Wasserballer ihre ersten Spiele ausgetragen hatten. Im Synchronschwimmen ist klares Wasser für die Punktrichter zwingend nötig. Beim Wasserspringen dagegen nicht, auch deswegen wird hier noch versucht, das Problem mit einer verbesserten Filteranlage zu lösen. Dabei war das Wasser hier deutlich grüner als das im Synchronschwimmbecken.

Schwimmen III: Starker Wellengang hat die Startrampe für die Freiwasser-Schwimmwettbewerbe der Olympischen Spiele an der Copacabana weggespült. Die aus vier Elementen zusammengesetzte Stahlplattform zerbrach, zwei Teile strandeten unweit der ursprünglichen Stelle, zwei weitere wurden von der Strömung hunderte Meter weit mitgerissen. Während deshalb das Training am Samstag abgesagt wurde, seien die Wettkämpfe am Montag und Dienstag nicht gefährdet, hieß es. "Das sind Handlungen Gottes und der Natur. Aber darauf sind wir vorbereitet. Wir haben eine zweite Plattform. Und wenn sich das Problem wiederholt, gibt es einen Plan C", sagte Mario Andrada, Kommunikationsdirektor von Rio2016. Der Start der Freiwasserschwimmer erfolgt wenige Meter vom Strand entfernt von einer festgezurrten Plattform auf offenem Meer.

Reiten: Im Team der deutschen Springreiter hat es kurz vor Beginn der Wettbewerbe in Rio einen Wechsel gegeben. Anstelle von Marcus Ehning rückte Ersatzreiterin Meredith-Michaels Beerbaum in die Equipe von Bundestrainer Otto Becker. Ehnings Schimmel Cornado NRW hatte sich nach dem Trainingsspringen am Samstag vertreten und musste deshalb zurückgezogen werden. "Nach Rücksprache mit unserem Mannschaftstierarzt Jan-Hein Swagemakers haben wir entschieden, dass das Risiko für einen Einsatz von Cornado NRW zu groß ist", sagte Otto Becker. Damit starten nun Michaels-Beerbaum und ihr Schimmel Fibonacci am Sonntag in die erste Qualifikation. Zudem sind für Deutschland der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum mit Casello, Daniel Deußer mit First Class und der Weltranglistenerste Christian Ahlmann mit Taloubet dabei.