Die kleine Spitze gegen den Widersacher aus dem Süden wollte sich Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher nicht verkneifen. Olympia sei „mehr als Lederhose und Weißwurst“, sagte Tschentscher kurz vor dem Ende seiner fast 100-minütigen Bewerbungsshow am Dienstag (im Bild der Start der Kampagne Ende Februar): „Wir wollen einen anderen Spirit reinbringen in die olympische Idee.“ Hamburg ist bereit – so lautete die Botschaft bei der Vorstellung des aktualisierten Konzepts. Bereit für sein Referendum am 31. Mai. Und bereit für das selbst prognostizierte Nord-Süd-Duell gegen den Bewerbungsrivalen München.
„Es gibt in ganz Deutschland – das will ich in aller hanseatischer Bescheidenheit herausstellen – keinen besseren Ort, um die olympische Idee im 21. Jahrhundert aufleben zu lassen“, sagte Tschentscher voller Selbstvertrauen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wolle auf internationalem Terrain „nicht plötzlich ein Loser werden“, sondern die Spiele nach Deutschland holen. „Und dafür spüren wir, dass unser Konzept wirklich passend ist.“
Hamburg setzt in seinen Plänen auf ein „Olympia der kurzen Wege“ sowie auf das Thema Nachhaltigkeit, wie Tschentscher betonte. Bestehende Sportanlagen sollen genutzt, andere nur temporär gebaut werden. „Der DOSB erwartet, dass man möglichst keine neuen Sportanlagen baut“, sagte Tschentscher: „Wir haben nicht die Stadt den Olympischen Spielen anzupassen, sondern wir passen die Spiele so an, dass sie hervorragend in unsere Stadt passen.“
Hamburg lässt die Bürger am 31. Mai über die Pläne abstimmen
Zudem hofft die Stadt auf einen „nationalen Rückenwind für große Infrastrukturprojekte“, wenn der DOSB Hamburg den Zuschlag geben sollte: „Olympia gibt uns den Schub, den wir brauchen.“ Hamburg bewirbt sich neben München, Köln/Rhein-Ruhr und Berlin um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Von den vier deutschen Interessenten hat bislang nur München ein Referendum durchgeführt, das mit einer Zustimmung von 66,4 Prozent erfolgreich war.
Hamburg lässt seine Bürgerinnen und Bürger am 31. Mai über die Pläne abstimmen, die Region Rhein-Ruhr zählt am 19. April in den NRW-Kandidatenkommunen die Briefbefragung aus. Berlin plant derzeit kein Referendum. Das sei ein Nachteil für die Hauptstadt, glaubt Tschentscher, es bestehe das Risiko, dass ein Referendum im Nachhinein erzwungen werde. Auch vom „dezentralen Ansatz“ in NRW ist der SPD-Politiker nicht überzeugt. Der DOSB will am 26. September in Baden-Baden über eine deutsche Bewerbung entscheiden.

