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Olympia:Hambüchen gehört die Gegenwart, wem gehört die Zukunft?

Artistic Gymnastics - Men's Qualification - Subdivisions

Zeigte eine exzellente Übung am Reck: Fabian Hambüchen.

(Foto: REUTERS)

Die deutschen Turner zeigen im Mehrkampf-Finale eine ordentliche Leistung. Fraglich ist aber, wie schnell sich die Gruppe nach Olympia erneuern kann.

Am Montagabend war der Turner Andreas Toba dann doch wieder nur eine Randnotiz. Kurz vor sieben Uhr knüpfte er sich die Trainingsjacke zu, stützte sich auf seine Krücken und applaudierte den Siegern des Tages. Hinter ihm lagen 48 Stunden voller Frust, Tränen und Schmerzen und dem mitreißenden Erlebnis, plötzlich ein gefragter Turner und, ja, ein Held des Sports zu sein.

Aber jetzt schritt die Zeit bei Olympia weiter, und die Scheinwerfer richteten sich auf die Japaner, die wieder Mannschafts-Olympiasieger wurden. Den langjährigen Rivalen China hatten sie deklassiert, dessen Team landete auf Platz drei, sogar noch überholt von Russland.

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Geturnt hat Andreas Toba diesmal natürlich nicht, sonderlich gut hat seinem Körper der Abend trotzdem nicht getan. Diesmal hat er aber nur seine Stimmbänder lädiert, und, wie er später sagte, hat er sich auch Ärger mit dem Physiotherapeuten eingehandelt, weil er mit seinem frischen Kreuzbandriss die Mannschaft durch den kompletten Parcours über sechs Geräte begleitet - und sich dabei so gut wie nicht hingesetzt hatte.

Toba, der unverletzt wegen seiner Vielseitigkeit an allen Geräten gesetzt ist, applaudierte am Sprung und dann daneben am Barren. Er brüllte letzte Tipps am Reck, an dem Andreas Bretschneider wie in der Qualifikation bei seinem Spezialelement herunterfiel und Fabian Hambüchen mit einer exzellenten Übung sich fürs Finale in einer Woche als Favorit positionierte. Toba reichte Tapes und Getränkeflaschen am Boden, wo er sich am Samstag nach der ersten Akrobatik-Bahn das Knie so heftig verletzt hatte.

Und er rief Bretschneider, Lukas Dauser und Marcel Nguyen noch an den letzten Geräten zu, dass sie sich weiter zusammenreißen sollten, an den Ringen, und zuvor am Pauschenpferd, an dem er selbst vor 48 Stunden trotz des Kreuzbandrisses noch unter Schmerzen angetreten war, und damit überhaupt die Teilnahme der Deutschen am Teamfinale gewährleistet hatte. "Meine Stimme ist kaputt", hauchte er nun.