„Schnella Italia“Speed-Queen? Crash-Queen? Drama-Queen?

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Königin der Pisten: die italienische Doppel-Olympiasiegerin Federica Brignone mit ihrem Tiger-Helm. Dabei ist doch der Löwe der König der Tiere ...
Königin der Pisten: die italienische Doppel-Olympiasiegerin Federica Brignone mit ihrem Tiger-Helm. Dabei ist doch der Löwe der König der Tiere ... Marco Trovati/AP

In der Welt da draußen haben die Königlichen gerade nicht den besten Ruf. Bei Olympia hingegen bricht den royalen Athletinnen kein Zacken aus der Krone.

Kolumne von Holger Gertz, Mailand

Koppelworte sind gerade schwer angesagt, knapp genug gehalten für die reduzierte Aufmerksamkeitsspanne im sogenannten Netz. „Top-Job“ ist ein Beispiel, früher sprach man vom Traumberuf, aber früher ist vorbei. „Speed-Queen“ ist auch so ein Modewort, zwei Einsilber, international verständlich. Die Speed-Queen Italiens sei die große Skifahrerin Federica Brignone, war zu lesen, „Speed-Queen oder Drama-Queen?“, fragte Sky, in Richtung des Superstars Lindsey Vonn. Überhaupt erweisen sich die Experten von Sky als besonders aufmerksame Beobachter, was den Aggregatzustand der jeweiligen Königlichkeit bestimmter Athletinnen angeht: „Der Grat zwischen Speed- und Crash-Queen ist bei der Italienerin Sofia Goggia äußerst schmal.“ Denn wenn einer Speed-Queen, erst mal zu Sturz gekommen, ein Zacken aus der Krone bricht, kann sie keine Speed-Queen mehr sein. Oder muss erst wieder eine werden. Francesca Lollobrigida dagegen: The queen of speed skating. Jutta Leerdam: die „Eis-Queen“ (Focus) beziehungsweise sogar „Ice-Queen“ (The Sun).

Während da draußen etliche Monarchien gerade schwer verschattet werden durch die Epstein-Enthüllungen und man besonders in Großbritannien froh ist, dass Königin Elisabeth („The Queen“) die Nachrichten über ihren verkommenen Sohn Andrew nicht mehr mitbekommen muss, lebt in der Innenwelt Olympias die Monarchie auf wie lange nicht. „The Queen is dead“, wie The Smiths einst verkündeten? Gilt nicht für Olympia. Da sind lauter Majestäten am Start. Vorbei die Zeit, als eine auch olympische Herrscherin wie Steffi Graf als Frollein Vorhand bezeichnet wurde, oder die Eiskunstläuferin Kati Witt als das schönste Gesicht des Sozialismus. Gold-Rosi, Gold-Moni? Alles zu kompliziert, zu piefig, zu wenig royal für die olympische Gegenwart von Milano und Cortina, jenem herrlichen Örtchen, das sich, mit allem Recht natürlich, Queen of the Dolomites nennen lässt. So königlich geht es zu, dass sogar das weiße Fell der Hermeline früher in Königsklamotten eingenäht wurde. Inzwischen dürfen diese Tierchen Olympia-Maskottchen sein. Was für eine Geschichte.

Bei der Betrachtung all der Speed-Queens und Eis-Queens und Ice-Queens fällt auf, wie weiblich diese Spiele in Italien sind. Die ewigen Eisprinzessinnen der Vergangenheit sind jetzt erwachsen. Bei den Männern regierte früher Tomba, la Bomba. Und der Hackl Schorsch, die rasende Weißwurst. Solche Majestäten gibt es gerade kaum noch. Zeitgemäßer gefragt: Wer ist eigentlich Speed-King?

„Schnella Italia“ ist die Olympia-Kolumne der SZ-Sportredaktion. An dieser Stelle schreiben die Reporterinnen und Reporter der SZ über Kuriositäten und Beobachtungen am Rande der Winterspiele.

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