Olympia-Eröffnungsfeier Gut eingeölter Halb-Nackedei

Mit Stolz geschwellter und gut eingeölter Brust: Nikolas Aufatofua, Fahnenträger für Tonga.

(Foto: AFP)

Der heimliche Star der Eröffnungsfeier kommt aus Tonga: Pita Taufatofua glänzt auffallend - und bringt das ganze Stadion zum Lachen.

Von Saskia Aleythe, Rio de Janeiro

Weit nach 22 Uhr ging in Rio de Janeiro die Sonne auf. 192 Nationen waren bereits eingelaufen bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele, da trat ein Mann in die Arena, der das Licht der Scheinwerfer mindestens bis zum Mond reflektierte. Ein Athlet namens Pita Nikolas Taufatofua betrat die Unterhaltungsschneise, mit freiem Oberkörper, als Einziger unter all den Fahnenträgern. Und er hatte es mit dem Körperöl so gut gemeint, dass er aufpassen musste, der olympischen Fackel nicht zu nahe zu kommen.

Der Fahnenträger kam und glänzte, das Stadion lachte und feierte ihn wie kaum einen anderen an diesem Abend. Taufatofua ist Taekwondo-Athlet und präsentierte sich selbstbewusst mit einem Sixpack, das zum Einschüchtern taugte. Der Inselstaat Tonga, für den Taufatofua die ehrenvolle Aufgabe übernahm, ist nun wohl so berühmt wie nie zuvor.

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Der glitschige Halb-Nackedei fiel auch deshalb so sehr auf, weil sich viele der 209 Nationen erstaunlich bieder präsentierten. Nicht nur die Outfits ähnelten sich stark (Anzug, Krawatte, eventuell mit Hut), auch die Fahnenträger wagten kaum eine freche Bewegung. Deutschlands Timo Boll grinste sich stolz durch den Abend und schwenkte so eifrig, wie es lange kein Deutscher mehr getan hatte. Andy Murray trug die kiloschwere Metallstange samt Flagge auch mal nur mit einer Hand durchs Stadion.

Dann dieser Gewichtheber, Typ Kühlschrank

Den auffälligsten Stil unter den Fahnenträgern zeigte Taufatofua, die beste Perfomance aber ein Sportler aus Kiribati: David Katoatau. Der Mann ist als Gewichtheber in Rio am Start, Typ Kühlschrank. Und der konnte auf einmal richtig gut tanzen: Statt andächtig einzulaufen, zeigte er ein paar Piroutten und Samba-Schritte, natürlich mit Fahne in der Hand.

In der Welt des Sports haben Tonga und Kiribati wenig zu melden, insofern sind die Olympischen Spiele jetzt schon ein voller Erfolg für sie. Sie haben ihre Chance für ein wenig Aufmerksamkeit genutzt. Wobei das im Fall von Taufatofua auch bedeutet: Wie die Flagge von Tonga aussieht, weiß nach seinem Muskelprotz-Auftritt vermutlich niemand.

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