Deutsche Eishockey-FrauenEin 1:4, das sich ganz anders anfühlt

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Deutsche Zange: Jule Schiefer (links) und Franziska Feldmeier versuchen gemeinsam, die Schwedin Mira Jungaker zu stoppen.
Deutsche Zange: Jule Schiefer (links) und Franziska Feldmeier versuchen gemeinsam, die Schwedin Mira Jungaker zu stoppen. Jamie Squire/Getty Images

Das deutsche Frauenteam ist zum Auftakt des Eishockey-Turniers gegen die starken Schwedinnen lange ebenbürtig. Der Trainer sieht trotz der Enttäuschung einen Gewinn.

Von Johannes Schnitzler, Mailand

Am Donnerstag zeigte sich zum ersten Mal in dieser Woche die Sonne über Mailand. Glühend orangerot erhob sie sich aus dem Dunst der vergangenen nassgrauen Tage. Was für ein Fanal für die deutschen Eishockey-Frauen, für die an diesem Donnerstag, einen Tag vor der Entzündung des olympischen Feuers, diese Winterspiele begannen. In den Tagen zuvor hatten sie kaum gewusst, wohin mit ihrem Tatendrang. Kein Statement ohne den Hinweis, wie viel Energie im Team stecke, wie groß die Vorfreude sei.

Am trainingsfreien Montag bummelten die Spielerinnen durch die Stadt und besuchten den Dom, am Dienstag führten sie Journalisten durchs olympische Dorf und öffneten ihre Zimmertüren, Kapitänin Daria Gleißner traf zufällig IOC-Präsidentin Kirsty Coventry und trank mit ihr einen Kaffee. Jede Ablenkung war recht. Für Gleißner dauerte die Nervenprobe besonders lang, sie stand 2014 schon im Olympia-Kader, ehe sie sich vor dem ersten Spiel verletzte. „Das waren zwölf Jahre harte Arbeit“, sagte die 32-Jährige. „Wir können es kaum erwarten, dass es endlich losgeht“, sagte Torhüterin Sandra Abstreiter. „Schweden ist direkt ein echter Härtetest.“

Keine wüsste das besser als Stürmerin Franziska Feldmeier, die eine Saison für den HC Linköping in der Svenska damhockeyligan (SDHL) gespielt hat. Für Feldmeier war dieser 5. Februar 2026 ein doppelter Feiertag. Gleich morgens erhielt die gebürtige Münchnerin, die für die Eisbären Juniors Berlin spielt, Glückwünsche zu ihrem 27. Geburtstag. Und nun also, endlich, das erste Spiel bei Olympia, wie für alle ihre Teamkolleginnen.

Draußen in Rho, im gigantischen Messezentrum eine Stunde außerhalb von Mailand, hatte die Sonne den Nebel noch nicht vertreiben können. Also knipsten die Deutschen das Licht an. Mit dem ersten Schuss aufs Tor ging die Auswahl von Bundestrainer Jeff MacLeod in Führung. Verteidigerin Nina Jobst-Smith von den Vancouver Goldeneyes, eine von drei deutschen Spielerinnen aus der nordamerikanischen Profiliga PWHL, traf im Powerplay zum 1:0 (9. Spielminute). Die Schwedinnen brauchten allerdings nicht lange, um durch Lina Ljungblom auszugleichen (12.).

Franziska Feldmeier hat sich vom Playboy-Magazin fotografieren lassen

Das Spiel entwickelte sich zum angekündigten Härtetest, was durchaus wörtlich zu verstehen war. Längst vorbei sind die Zeiten, als Frauen-Eishockey nahezu körperlos gespielt wurde. Eine Strafzeit gegen Celina Haider ebnete Schweden den Weg zur Führung, wieder war Lina Ljungblom als Letzte an der Scheibe (28.), eine weitere Strafe gegen Emily Nix führte zum 1:3 durch Mira Jungaker (40.). Den Härtetest hatte das deutsche Team bestanden, aber am Ende 1:4 (1:1, 0:2, 0:1) verloren.

„Das war kein 1:4-Spiel in meinen Augen“, sagte Daria Gleißner. „Durch die Strafen haben wir ein bisschen den Flow verloren, und das ist auf diesem Niveau entscheidend.“ Auch der Bundestrainer hatte ein „sehr physisches Spiel“ gesehen, vor allem sei es „für alle das erste Spiel bei Olympia“ gewesen, sagte Jeff MacLeod: „Da ist niemand, der dir sagen kann, mach dies oder lass das. Aber es ist für alle eine gute Lernerfahrung.“

Die weiteren Gegner in der Gruppe B sind Japan (Samstag), Frankreich (Montag) und Gastgeber Italien (Dienstag). Das deutsche Team muss mindestens Gruppendritter werden, um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. „Wir werden jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagte Daria Gleißner.

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Franziska Feldmeier hatte die Zeit vor den Spielen außer mit Training und Sightseeing noch für eine spezielle persönliche Erfahrung genutzt und sich vom Playboy fotografieren lassen. Eishockeyspieler und -spielerinnen tragen sonst ja ziemlich viel Ausrüstung am Körper. Diesmal konnte Feldmeier sich frei bewegen. „Ein sportlicher, muskulöser Körper kann genauso feminin und schön sein“, wird sie in dem Magazin zitiert. „Genau das wollte ich zeigen.“

Sich zeigen, um gesehen zu werden, darum geht es Feldmeier und dem Team bei diesen Spielen. Frauen-Eishockey muss im Alltag, abseits von Olympia, WM und Deutschland Cup, um jedes bisschen Öffentlichkeit kämpfen. Die Olympischen Spiele, sagt Feldmeier, seien ein Weg dazu und die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. An Feldmeiers Zimmertür im olympischen Dorf steht ihr Wahlspruch: „To be alive is the strange und wondrous miracle we forget.“ Sollte man tatsächlich öfter dran denken, wie unerklärlich und wundersam dieses Leben ist. Und manchmal wirft es einem unverhofft Chancen hin.

Am Tag vor dem Spiel gegen Schweden war Daria Gleißner gefragt worden, was sie vom Playboy-Auftritt ihrer Kollegin halte. Sie sagte: „Das ist ihre Entscheidung. Jede Frau darf sich so zeigen, wie sie möchte. Und mehr möchte ich dazu gar nicht sagen.“ Dann sagte sie mit einem Lächeln doch noch etwas: „Wir sind für jede Aufmerksamkeit dankbar.“ Mindestens drei Gelegenheiten hat das Team bei Olympia noch, sich zu zeigen. Es sollte sie nutzen.

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