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Olympia:Die Plage der deutschen Schwimmer heißt NBC

Swimming - 16th FINA World Championships: Day Ten

Schwimmbecken, Schlaflabor, Schwimmbecken: Paul Biedermann und die deutschen Schwimmer müssen sich eingewöhnen.

(Foto: Matthias Hangst/Getty)

Wachbleiben bei künstlichem Licht, schwimmen um Mitternacht: Weil ein US-Fernsehsender die Rechte hält, sind die Athleten zu einer ungewöhnlichen Olympia-Vorbereitung gezwungen.

Die deutschen Schwimmer sind unterwegs. Gemeldet wird, dass 21 Beckenathleten am Zielort Palhoca, ihrem letzten Trainingslager, eingetroffen sind. Das Umsteigen am Flughafen verlief offenbar "problemlos". Drei Wochen lang werden die Sportler ab sofort tagsüber mit dem Körper im Wasser liegen, sich vorwärts stoßen und paddeln und kraulen, und nachts werden sie im Bett liegen und vielleicht von einer Medaille träumen. Wobei das nicht so einfach wird mit dem Kraulen, Liegen, Schlafen und Träumen.

Diese Sommerspiele begleiten diverse Plagen. Wasserverschmutzung, Zika-Virus, unpünktlicher Transport, usw. Aber neben den örtlichen Erschwernissen haben es speziell die Schwimmer mit einer wiederkehrenden Plage zu tun, die immer mal mit einem anderen Kürzel firmiert, diesmal: NBC.

Dieser amerikanische Fernsehsender hält die Übertragungsrechte, und weil bei Olympia alle schon immer live zur Prime Time in den USA schwimmen mussten, wird in Rio nun around midnight angetreten, dann, wenn der menschliche Körper sonst eher nicht schwimmt. Es gibt nur eine Lösung: Damit sie um Mitternacht fit sind, müssen die Athleten so tun, als wäre es da erst 20 Uhr. Dafür schlafen sie vormittags länger und machen es sich abends künstlich schön hell.

Al Pacino hat einmal in einem sehr spannenden Thriller einen Verbrecher in Alaska gejagt - zur Mittsommerzeit. Unter anderem hat er dabei gegen Schlafmangel gekämpft - mit einem viel zu lichtdurchlässigen Vorhang. Das wird den deutschen Schwimmern nicht passieren. Sie kleben ihre Fenster nun vormittags mit Folie und Tape ab; sie stellen in den Abendstunden eine Kunstsonne ins Zimmer, eine Speziallampe aus dem Berliner Schlaflabor. Selbstredend haben sie in ihrer Vormittags-Kunstnacht Ohropax in den Ohren, und sie werden ihren stärkenden Schlaf schlafen.

Oder? Schwirrt nicht doch eine Mücke im Raum? Und wann hören die lästigen Gedanken an einen Fehlstart in der Qualifikation damit auf, im Kopf herumzuschwirren? Und wie viel Schlaf ist schon wieder flöten gegangen? Und: Wann! Wirkt! Endlich! Das! Blöde! Baldrian! Ach. Das Einzige, was tröstet, ist die Gewissheit, dass es allen Schwimmern so geht. Und dass sogar der müde Al Pacino am Ende den Mörder gefasst hat.

© SZ vom 20.07.2016/fued
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