Olympia Das zweite Schweizer "Nein"

Bei der Abstimmung um eine Bewerbung des Wallis für Olympia 2026 in Sion setzte sich das "Nein" der Gegner durch. Hier ein Plakat in Sion.

(Foto: Christiane Oelrich/dpa)

Der Kanton Wallis stimmt wie im Vorjahr auch schon Graubünden gegen eine Olympiabewerbung für das Jahr 2026. Die Walliser fürchten vor allem hohe Kosten - und den arg angeschlagenen Ruf des IOC.

Von Charlotte Theile, Zürich

Der Schweizer Kanton Wallis erteilt der Olympiabewerbung für 2026 eine Absage. 54 Prozent der Walliser stimmten am Sonntag gegen "Sion 2026", eine Kampagne, die von fast allen Parteien und Wirtschaftsverbänden mitgetragen wurde - und daher lange wie ein Selbstläufer aussah. Denn das schneesichere Wallis rechnete sich gute Chancen aus, die Winterspiele auch tatsächlich ausrichten zu dürfen. Zuvor war der Kanton zweimal mit seiner Bewerbung gescheitert, dieses Mal sollte es klappen. Bis Anfang 2019 hätten die Walliser ihre Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einreichen müssen.

Doch je näher die Abstimmung rückte, desto klarer wurde: Selbst im Wintersportkanton misstraut man dem olympischen Versprechen gewaltig. "Kurzes Fest, langer Kater" - das war der Slogan der Gegenkampagne. Auch wenn viele ihre kritische Haltung gegenüber den Spielen lieber nicht öffentlich machten, aus Angst, rückwärtsgewandt zu wirken. Doch die einst strahlenden Olympischen Spiele haben überall auf der Welt ihren Glanz verloren. Immer häufiger wehrt sich die Bevölkerung dagegen, öffentliche Gelder für das Großevent auszugeben. 100 Millionen Franken, die der Kanton nun investieren wollte, waren den Steuerzahlern zu viel. Langfristige positive Impulse auf Tourismus, Infrastruktur und Innovationen, wie sie die Befürworter der Bewerbung versprochen hatten, erwartete nur eine Minderheit. Auch das "Schaufenster Olympia" - mehr als zwei Milliarden Zuschauer auf der Welt hätten die Übertragungen aus Sion und Umgebung im Fernsehen verfolgen können - überzeugte nicht.

Stattdessen fürchteten die Walliser hohe Kosten - und den angeschlagenen Ruf des IOC. Dieser könne ein negatives Licht auf den Kanton und die Schweiz werfen, befanden Sozialdemokraten, Grüne und Umweltorganisationen, die das Ansinnen bekämpften. Es ist bereits das zweite Schweizer "Nein" für 2026: Vor einem Jahr hatte der Kanton Graubünden gegen eine Bewerbung gestimmt.