Olympia:"Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet"

Biathlon - Winter Olympics Day 2

Auf die Schultern: Arnd Peiffer gewinnt Gold.

(Foto: Quinn Rooney/Getty Images)
  • Arnd Peiffer gewinnt überraschend Gold im Biathlon-Sprint, weil er im richtigen Moment fehlerfrei bleibt.
  • Dabei kämpfte er am Tag mit allerlei Schwierigkeiten - unter anderem mit einem gebrochenen Schlagbolzen im Gewehr.
  • Die Favoriten Martin Fourcade und Johannes Thingnes Bö patzen am Schießstand.

Von Saskia Aleythe, Pyeongchang

Die Mütze war eigentlich nicht mehr von seinem Gesicht zu unterscheiden. Kräftiges Rot trug die Haube von Arnd Peiffer und nach zehn Kilometern fügten sich Nase, Wangen und Stirn nahtlos ins Gesamtbild ein. Minus elf Grad zeigte das offizielle Veranstaltungsthermometer an diesem Abend in Pyeongchang, gefühlt minus 19 und es musste am Ende gesagt werden: Er kam damit ganz gut zurecht. Im Ziel schüttelte noch den Kopf und es legte sich über sein Gesicht, was erstmal da bleiben sollte: Ungläubigkeit.

Arnd Peiffer, Olympiasieger, das gilt nun tatsächlich seit diesem Sonntagabend in Südkorea, er entschied den Sprint für sich, vor Michael Krcmar aus Tschechien und Dominik Windisch aus Italien. In der Gewinnerbox, in der er noch warten musste, bis der letzte Fahrer über die Ziellinie rutschte, hing er perplex im schwarzen Ledersessel, mit Tränen in den Augen. "Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet", sagte Peiffer und zählte auf, was schon alles schief gelaufen war vorm Start: "Mir ist der Schlagbolzen ungefähr eine halbe Stunde vorm Anschießen gebrochen, dann bin ich in der Wachskabine halb runtergefallen von der Treppe und habe mich dermaßen am Ellenbogen angestoßen. Es war heute nicht so unbedingt mein Tag." Auf der Strecke lief es dann umso besser.

Natürlich hatten andere vor diesem Abend die höheren Wettquoten, diese Spiele in Südkorea sollten ja hinauslaufen auf das Duell, das schon die ganze Saison über stattgefunden hatte: Der Franzose Martin Fourcade, der sich mit dem Norweger Johannes Thingnes Bö fast um jeden Sieg gestritten hatte. Sechs erste Plätze bei Fourcade, acht bei Bö, doch unter olympischer Flamme verglimmten schon früh die Chancen: Beide begannen liegend mit drei Fehlern - im Sprint ein Desaster.

Anders Peiffer, der als bester Deutscher nach Pyeongchang gereist war, dieser Olympiasieg kam zwar überraschend, aber war nur die Konsequenz einer starken Saison. Im Gesamtweltcup lag er vor dem Rennen auf Rang fünf, hatte zuletzt einen dritten und vierten Platz in Antholz errungen. Wenn es hakte, dann meistens beim Schießen. Anders nun in Pyeongchang, wo er schließlich im perfekten Moment die Sache mit dem Gewehr in den Griff bekam. "Ich habe mutig gedreht mit vier rechts liegend, das hat gepasst", sagte Peiffer, er musste ja auf den Wind reagieren und nachjustieren beim ersten Schießen. Dann ging er wieder auf die Strecke, beim Stehendschießen sei er dann ziemlich aufgeregt gewesen, sagte Peiffer noch. Doch auch das ist ihm an diesem Abend fehlerfrei gelungen und der 30-Jährige dachte sich: "Okay, da könnte heute sogar mal was gehen."

Auch Männer-Bundestrainer Mark Kirchner, der sonst nur zu wenig Gefühlsregungen neigt, taute ausgerechnet im eisigen Pyeongchang auf. Sein orangenes Halstuch mit weißen Schäfchen hatte er übers Kinn gezogen, schon beim letzten Schießen zuckte er zusammen, als wäre das Glück kurz durch die Adern geschossen. Auch die anderen deutschen Starter überzeugten. Benedikt Doll und Simon Schempp landeten nach je einem Fehler beim zweiten Schießen auf den Plätzen sechs und sieben, Erik Lesser wurde ebenfalls nach einem Fehler Elfter.

Zwölf WM-Medaillen hat Peiffer in seiner Karriere schon gewonnen, fast ein bisschen unentdeckt, weil elf davon Staffelmedaillen waren. Die einzige Einzelmedaille liegt nun schon sieben Jahre zurück, 2011 wurde er Weltmeister in Chanty-Mansijsk. Es war, na klar: Der Sprint.

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