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Olympia:Christoph Harting: Erst Gold, dann Schweigen, dann Ärger

Rio 2016 - Olympic Games 2016 Athletics, Track and Field

Christoph Harting bei der Siegerehrung mit Piotr Malachowski (links, Silber) und Daniel Jasinski.

(Foto: dpa)

Es ist der Höhepunkt einer Karriere, die lange im Schatten des Bruders verlief. Nachdem Christoph Harting mit dem Diskus Gold gewinnt, sorgt er aber für Irritationen.

Von Johannes Knuth, Rio de Janeiro

Piotr Malachowski griff ein letztes Mal zu seinem Diskus, einmal durfte er noch in den Ring steigen. Aber man spürte, dass der Glaube gerade aus ihm entwich, wie bei einem Luftballon, in den jemand ein Loch gepikst hat.

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Malachowski schüttelte den Kopf. Immer diese Hartings.

Dieses olympische Diskusfinale von Rio de Janeiro brauchte ein wenig, ehe es Fahrt aufnahm. Aber dann. Dann krachte es, wie wenn sich Bläser, Trommeln und Streicher beim Schlussakkord einer Sinfonie vereinen. Piotr Malachowski, der Favorit aus Polen, führte vor dem letzten Durchgang, vor den Deutschen Christoph Harting und Daniel Jasinski. Der Este Martin Kupper eröffnete das Finale, 66,58 Meter, er klemmte sich damit vor Harting und Jasinski auf Platz zwei. Jasinski konterte prompt, 67,05 Meter, jetzt war er wieder Zweiter. Harting, den es auf den vierten Rang zurückgeweht hatte, warf noch mal alles in seinen letzten Versuch. 68,37 Meter, Platz eins mit persönlicher Bestleistung. Ein Wirkungstreffer, von dem Malachowski sich nicht mehr erholte.

Der Pole hatte in den vergangenen Jahren viele Duelle mit Robert Harting ausgefochten, er hatte oft verloren, und jetzt, nachdem der alte Harting im Vorkampf gestrandet war, schnappte ihm der jüngere den Sieg weg.

Lauter kalte und heiße Momente

Christoph Harting streckte derweil die Arme aus, wie die Christusstatue auf dem Corcovado. Er verbeugte sich in alle Richtungen, dann tauchte er auf die Ehrenrunde ein, nach einem Finale voller Wendungen. Es sollten nicht die letzten bleiben an diesem Samstagmittag.

Die deutschen Leichtathleten sind an diesen ersten beiden Olympiatagen durch diverse Gemütszustände gewatet, kalte wie heiße. Christina Schwanitz, diensthabende Weltmeisterin, beendete das Kugelstoßen als Sechste. Julian Reus, der deutsche Rekordhalter, blieb über 100 Meter im Vorlauf hängen, mit 10,34 Sekunden. Diskus-Olympiasieger Robert Harting war ebenfalls in der Qualifikation ausgeschieden, er hatte zuvor einen Lichtschalter mit dem Fuß bedient und sich einen Hexenschuss zugezogen.

Anstatt an seinen Olympiasieg von London einen zweiten zu reihen, nach einer langen Kreuzband-Verletzung, fiel ihm ein Platz in der Galerie der skurrilsten Sportlerverletzungen zu. Dass dann der jüngere Bruder sowie Daniel Jasinski im Finale auf den Plätzen auf eins und drei eintreffen würden, das war im Vorfeld kein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Aber ernsthaft gerechnet hatten damit auch nicht viele.

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