Olympia Bronze für Judoka Vargas Koch

Laura Vargas Koch: Erste Judo-Medaille in Rio

(Foto: dpa)

Die erste Medaille auf der Matte: Laura Vargas Koch kämpft sich unbekümmert durch den Wettbewerb - und bewahrt den Verband vor einer Blamage.

Die deutsche Judoka Laura Vargas Koch hat bei den Olympischen Spielen die Bronze-Medaille gewonnen. Wie ein Flummi hüpfte sie über die Matte und war kaum einzufangen: Die Berlinerin bescherte den zuvor chronisch erfolglosen deutschen Judoka mit Bronze die erste Medaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und verhinderte damit vorzeitig ein historisches Debakel. Noch nie waren die deutschen Mattenkämpfer bei Olympia zuvor ohne Edelmetall geblieben.

Die 26-Jährige setzte sich im entscheidenden Kampf gegen die Spanierin Maria Bernabeu nach 63 Sekunden in der Verlängerung durch. Zuvor hatte Vargas Koch im Halbfinale bis 70 Kilogramm gegen die Japanerin Haruka Tachimoto verloren und damit die Chance auf Silber oder Gold verpasst. Sie gewann damit die erste Medaille für die deutschen Judokas bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. "Mal sehen, was hier drin ist. Ich gehe einfach jeden Kampf nach dem anderen an", hatte Vargas Koch vor dem Wettbewerb gesagt.

Die EM-Zweite von 2014 und 2015 ist Mathematik-Doktorandin an der Universität in Aachen. 2015 war sie die Nummer eins der Welt, in das Olympia-Turnier war sie als Fünfte der Setzliste gegangen. Im Judo gibt es in jeder Gewichtsklasse zwei Bronze-Medaillen. Die zweite Bronze-Plakette gewann die Britin Sally Conway.

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2013 hatte Vargas Koch vor dem Wettkampf mit ihrer Teamkollegin Jasmin Külbs den Zuckerhut besucht. Dies wiederholte das Judo-Duo nun. "Hoffentlich bringt uns das Glück" - für Vargas Koch zumindest war Rio wieder ein gutes Pflaster. Nicht nur deshalb ist ihre Biographie eng mit Südamerika verbunden: Vargas Koch ist die Tochter eines Chilenen, dessen Vater in den finsteren Zeiten der Diktarur des unsäglichen Generals Pinochet aus seinem Heimatland floh.

Mit fünf Kindern gelangte der Großvater Vargas nach Hannover, von dort ins noch geteilte Berlin. Sportlich stand dem stets gutgelaunten Kreuzberg-Mädel lange sein sonniges Gemüt im Weg. "Sie ist noch lieber, als sie aussieht", sagte Bundestrainer Michael Bazynski einmal. Das hat sie sei ein paar Jahren abgelegt, mehr noch: Mitunter geht sie zu unbedarft, zu umgestüm in ihre Duelle.

"Einfach selbstsicher"

An den ersten vier Wettkampftagen waren alle acht Athleten des Deutschen Judo-Bundes (DJB) in der ersten oder zweiten Runde gescheitert. Die 1,73 Meter große Vargas Koch zeigte bei ihren ersten Olympischen Spielen von Anfang an eine starke Leistung. Gegen die Österreicherin Bernadette Graf gelang ihr im Viertelfinale nach gut einer Minute der entscheidende Wurf. Mit einem Soto-makikomi beförderte sie ihre Gegnerin auf die Matte.

"Sie hat Selbstvertrauen gehabt in den Kämpfen und beide Male gut angegriffen", lobte Peter Frese, der Präsident des Deutschen Judo-Bundes (DJB). In ihrem ersten Kampf in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm hatte Vargas Koch gegen Antónia Moreira aus Angola gewonnen. Die Olympia-Neunte von London 2012 war wegen Beinfassens disqualifiziert worden, Vargas Koch zeigte eine gute Leistung. "So hat sie 2013 auch gekämpft, als sie Vize-Weltmeisterin geworden ist, einfach selbstsicher. Das fehlte ihr vorher und jetzt kommt das wieder, das ist schön", urteilte Frese. Die Japanerin, gegen die Vargas Koch zuvor noch nie gewinnen konnte, erwies sich dann aber als zu starke Gegnerin. Für die Deutsche blieb nur noch Bronze.

Der zweite deutsche Judoka Marc Odenthal scheiterte dagegen am Mittwoch in seinem ersten Kampf an Favorit Mashu Baker. Gegen den an Nummer eins gesetzten Japaner hielt der 25-Jährige zunächst gut mit, war dann in der entscheidenden Situation aber chancenlos. "Ich habe einfach eine falsche Entscheidung getroffen, habe da an der falschen Ausfahrt gewartet und da hat er mich ziemlich eiskalt erwischt und auch ein bisschen verarscht", sagte der 25-Jährige.

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