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Olympia-Rückschau:Sotschi, Sonne, 20 Grad

Latvia's Dukurs is reflected in the sunglasses of a volunteer during a men's skeleton training at the Sanki Sliding Center

Bei meist frühlingshaften Temperaturen genossen die nicht immer zahlreich vorhandenen Zuschauer die Olympischen Winterspiele von Sotschi

(Foto: REUTERS)

Baden im Meer bei Winterspielen, Langlaufen in kurzen Hosen, eine wedelnde Violinistin, ein deutscher Dopingfall und ein strahlender Wladimir Putin: Was in Erinnerung bleibt von den ersten Winterspielen in Russland.

Von Carsten Eberts, Sotschi

Felix, der Bruchpilot

Eine ernste Nachricht aus deutscher Sicht ereilte Sotschi am Morgen des 14. Februar: Felix Neureuther, der beste Slalomfahrer des Landes, war mit seinem Auto auf seinem Weg zum Flughafen München in eine Leitplanke gekracht. Er trug ein Schleudertrauma davon, musste untersucht werden, konnte erst tags darauf nachreisen. Niemand wusste, ob er noch ein Medaillenkandidat war.

Neureuther kam, den Hals dick verpackt, und hatte lustige Sprüche auf den Lippen. "Es tut mir Leid - Planke", schrieb er bei Facebook und versuchte, den Unfall möglichst locker zu verkaufen. Hätte Neureuther in dieser Konstitution eine Medaille geholt - sein Heldenstatus wäre kaum mehr zu ermessen gewesen. Doch es reichte nur zu Platz acht im Riesenslalom. Im Slalom fädelte er ein, schied aus. "Die enttäuschendste Woche meines Lebens", sagte Neureuther. Diesmal ganz ernst.

Die wedelnde Violinistin

Als viertletzte Starterin durfte die Nummer 87 auf die Piste. Sie fuhr etwas zu aufrecht, verließ bisweilen die Ideallinie, agierte auch nicht mit allerletztem Risiko (die Stangen touchierte sie jedenfalls nicht). Sie fuhr den Riesenslalom wie es viele tun würden, die gerne in den Alpen die Pisten hinunterbrettern, doch die Leistung an sich war nicht so wichtig: Vanessa-Mae, die weltbekannte Geigerin, war bei einem Olympiarennen gestartet.

Die Reportermeute wartete gierig auf Vanessa Vanakorn, stolz präsentierte sie ihren bunten Mundschutz, wollte zeigen: Sie war wirklich eine Skifahrerin. Für die traditionslose Wintersportnation Thailand war sie an den Start gegangen und wurde im Riesenslalom Letzte, mit 11,35 Sekunden Rückstand auf die Vorletzte. Das Rennen gewann die Slowenin Tina Maze. Sie war 50,10 Sekunden schneller als Vanessa-Mae.

Sotschi, Sonne, 20 Grad

T-Shirt-Wetter unten in Sotschi, Pulloverwetter in den Bergen: Dass Sotschi klimatisch kein normaler Wintersportort sein würde, war klar. Dass es in den Tagen der Spiele so warm werden würde, jedoch nicht. Nur ganz kurz einmal fiel während der zweieinhalb Wochen Schnee, der dann sofort in Regen überging. Meistens strahlte die Sonne vom Himmel herab, Sotschi meldete bis zu 20 Grad. Manche Menschen bekamen Sonnenbrand, andere klagten über Heuschnupfen.

Sportlich stellte das warme Wetter die Pistenpräperateure vor große Aufgaben. Der Schnee ging bisweilen in Matsch über, wurde stumpf und sulzig. Rennen wurden verschoben, um die Morgenstunden zu nutzen, wenn sich die Luft zwischen den Bergen noch nicht so aufgeheizt hatte. Die Sportler halfen sich auf ihre Weise: Die Norweger absolvierten ihr Langlauftraining in kurzen Hosen. Unten in Sotschi sprangen einige Touristen in Badeklamotten ins Meer. Wäre sonst kaum auszuhalten gewesen, diese Hitze.

Das Verbotene tritt ein

An die Möglichkeit, dass es schiefgehen könnte, wurde kein Gedanke verschwendet. Russland sollte im eigenen Land die Eishockey-Goldmedaille gewinnen, so war es ausgemacht, quasi per Staatsauftrag verfügt. Die wichtigste Entscheidung dieser Spiele wurde entsprechend auf den Schlusstag terminiert: das Finale, als letzter Höhepunkt. Gold für Russland im Bolschoj-Eispalast, so sollte es kommen. Doch Russland schied aus. Im Viertelfinale, gegen die kleine, aber stolze Eishockeynation Finnland.

Die Russen hatten nicht wirklich gut gespielt, schon die Vorrunde über nicht. Und die Finnen hatten kein Glück - sie waren einfach besser. Über das Team von Trainer Sinetula Biljaletdinow entlud sich das wohl größte Pfeifkonzert der russischen Geschichte, Biljaletdinow stammelte: "Ich kann das nicht erklären, ich finde keine Worte." Er hat nun Zeit zu überlegen. Biljaletdinow dürfte die längste Zeit Trainer der Sbornaja gewesen sein.

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