Olympia-Bewerber:Hamburg hat dazugelernt

Stadtansicht Hamburg

Stadtansicht Hamburg: Sowas wie mit der Elbphilharmonie soll der Stadt nicht mehr passieren.

(Foto: dpa)
  • Hamburg will bei seiner Olympiabewerbung für 2024 vieles anders machen. Die Stadt verspricht mehr Bürgernähe.
  • Doch wie lässt sich ein Event planen, das noch gar nicht sicher ist?

Von Thomas Hahn, Hamburg

Am Abend des Erfolgs kam sehr schnell die Frage auf, wie es jetzt weitergehe mit der Hamburger Olympiabewerbung, und Sportsenator Michael Neumann musste gleich wieder um Geduld bitten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte schließlich gerade erst bekannt gemacht, welche Stadt er seinen Mitgliedern als Bewerber um die Olympischen und Paralympischen Spiele empfehlen wird.

Das Votum, Hamburg und nicht Berlin als Kandidaten aufzustellen, wird also erst am Samstag offiziell, wenn die Delegierten bei der Mitgliederversammlung in der Frankfurter Paulskirche darüber abgestimmt haben. Bis dahin mag Neumann nicht zu viel verraten, und selbst danach wird er das nicht tun. Erstens, weil er den folgenden Beratungen mit dem DOSB über die zu besetzende Bewerbergesellschaft nicht vorgreifen will. Zweitens, weil er es noch gar nicht kann. Die Hamburger müssen erst herausfinden, ob das alles überhaupt geht, was sie an Olympia-Perspektiven in den Wahlkampf mit der Hauptstadt eingebracht haben.

Im Grunde ist das kein schlechtes Zeichen, dass die Hamburger sich nicht weit vorwagen mit Daten und Fakten. Das zeigt, dass sie die Planungen dieses mächtigen Ereignisses nicht nach Bauchgefühl und trügerischen Sparvorgaben vornehmen, sondern seriösen Ingenieuren und Architekten überlassen wollen.

"Die kosten eben auch Geld", sagt Neumann, "deswegen haben wir immer gesagt, wir geben dieses Geld nicht aus, wenn wir noch gar nicht Bewerberstadt sind." Folglich weiß keiner, wie teuer Olympia in Hamburg wirklich wird und wie es ganz genau aussehen wird. Ob zum Beispiel Leichtathletik-Stadion, Olympiahalle, Schwimmhalle, Athletendorf und Internationales Sendezentrum wirklich so auf den östlichen Teil der Elbinsel Kleiner Grasbrook passen, wie es die Grafik im ersten Programmbuch zeigt.

Ein paar Ungefähr-Angaben hat es zwar schon gegeben. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) selbst hat kürzlich im Bürgerschaftswahlkampf versprochen, dass Hamburg für Olympia keine Schulden machen werde. Von knapp zwei Milliarden Euro für den Ausbau des Kleinen Grasbrooks sowie eine Kanuslalom-Anlage in Wilhelmsburg ist die Rede und von sechs bis sieben Milliarden für Infrastruktur-Projekte. Aber richtig belastbare Zahlen sollen erst im Frühherbst vorliegen, kurz bevor Hamburgs Bürger im Oktober in einem Referendum darüber abstimmen, ob sie die Spiele wirklich in ihrer Stadt haben wollen.

So zumindest sagt es Reinhard Wolf, Olympia-Beauftragter der Handelskammer, die der entscheidende Motor der Spiele-Kampagne ist. Michael Neumann klingt etwas defensiver. Wie viel was in zehn Jahren kostet, könne man ohnehin nie genau sagen, sagte Neumann am Montagabend bei der kleinen Wahlparty in der O2-World in Stellingen: "Wir werden jedenfalls immer so vernünftig und transparent wie möglich über den jeweiligen Stand der Kostenentwicklung berichten."

Anders wäre die Bewerbung wohl auch nicht zu halten. Die Hamburger nehmen gerne Anteil an dem, was in ihrer Stadt passiert. Was sie nicht kennen, mögen sie nicht. Angekündigt ist für die kommenden Monate ein breit angelegter Dialog mit Bürgern und Unternehmen, um zu informieren, aber auch um Ideen und Bedenken einzusammeln.

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