Süddeutsche Zeitung

Olympia:Rettungsschwimmer für Phelps

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Es gibt Dinge, die bei den Sommerspielen vorbildlich geregelt sind: Selbst die besten Schwimmer der Welt werden beaufsichtigt - das hat bisweilen etwas Tröstliches.

Glosse von René Hofmann, Rio de Janeiro

Es wird Zeit, über die Sicherheit bei diesen Spielen zu sprechen. Ernstes Thema, eher kein Glossenstoff. Täglich gibt es neue beunruhigende Meldungen. Im Reitstadion werden immer wieder Projektile gefunden. Eines flog angeblich aus einer Favela in Richtung einer Überwachungsdrohne und landete nur zufällig in der Nähe der Journalisten, ein anderes verirrte sich - angeblich auch unabsichtlich - in die Nähe der Pferde. Alles nicht beunruhigend, versichert das Militär. Seine Schießübungen in der Gegend hat es trotzdem erst einmal eingestellt.

In der Nacht zum Mittwoch wurde auch ein Bus getroffen, der in der Region unterwegs war. Von was? Da gehen die Meinungen auseinander. Die Polizei spricht von Steinen, Ohrenzeugen wollen Schüsse gehört haben. In jedem Fall war das, was eine Scheibe zerschlug, klein und schnell und nichts, was irgendjemand gegen den Kopf bekommen mag. Die Sicherheit bei diesen Spielen: Sie ist ein großes Thema. Wobei gesagt werden muss: Nicht alles ist schlecht.

Es gibt einen Bereich, in dem sind diese Spiele sogar äußerst vorbildlich. Dieser Bereich liegt ganz im Süden des Olympiaparks und er ist umhegt von einer beeindruckenden Stahlstruktur: Es ist der olympische Swimmingpool, das Becken, in dem Michael Phelps jeden Abend zu neuen Rekorden schwimmt.

Wie an jedem Schwimmbad gibt es auch an diesem Becken einen Bademeister. Eine ausgebildete Aufsicht beim Plantschen - das ist in Brasilien Gesetz. Und das gilt auch, wo die besten Schwimmer der Welt baden gehen. Bademeister ist aber nicht gleich Bademeister: Dieses Gesetz gilt ganz offensichtlich überall auf der Welt. Die Aufsichten verrichten ihren Dienst sehr unterschiedlich.

Der Bademeister, der am Dienstag eingeteilt war, als Michael Phelps seine Goldmedaillen Nummer 20 und 21 erschwamm, interpretierte seine Aufgabe sehr gelassen: Er lümmelte auf seinem Stuhl wie eine satte Robbe beim Sonnenbad. Ganz anders sein Kollege am Mittwoch. Im makellosen Bademeister-Chic - rote Shorts, enges gelbes T-Shirt, Havaianas - stand er da, mit geradem Rücken und gerecktem Kinn, stetig wachsam und allzeit sprungbereit, am Gürtel links und rechts - wo Sheriffs Colts tragen - jeweils eine Schwimmflosse. Ein einsamer Wächter gegen drohendes Unheil. Der Anblick hatte etwas Tröstliches. Zumindest an diesem Ort waren für einen Moment alle sehr sicher.

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SZ vom 12.08.2016/fued
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