IOC Mit Bachs Königsmacher wankt das olympische Kartenhaus

Schätzte stets die Nähe zum einflussreichen Scheich Al-Sabah (r.): IOC-Präsident Thomas Bach (l.).

(Foto: Kamaryt / Imago)

IOC-Strippenzieher al-Sabah wird wegen Fälschung angeklagt. Wenn einer wie er ins Rutschen gerät, kann er Spitzenleute mit sich reißen - für die Sportwelt sieht es betrüblich aus.

Kommentar von Thomas Kistner

Ahmad al-Sabah wird wegen Fälschung in der Schweiz angeklagt. Das ist delikat. Al-Sabah war einer der einflussreichsten Funktionäre in der olympischen wie in der Fußball-Welt; seine Tentakel reichen wohl auch heute noch weit im Weltsport. Denn der Spross aus dem Königshause Kuwaits gilt als Prototyp des modernen Spitzenfunktionärs.

Al-Sabah, 55, einst Energieminister seines Landes, ist seit Dekaden der mächtigste Sportrepräsentant Asiens, er präsidiert dem Olympic Council of Asia (OCA). Auch sitzt der reiche Scheich seit 1992 im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Dort ist der Mann, der zudem alle Olympiakomitees der Welt anführt und Olympias globale Fördertöpfe verwaltet, zum mächtigsten Strippenzieher avanciert - auch bei der Wahl von Thomas Bach auf den IOC-Thron. Wobei sogar die IOC-Ethiker nervös wurden, als al-Sabah damals offen für den deutschen Freund trommelte und erklärte, für Bach werde er "alles machen, was helfen kann".

Was sich so alles verstehen lässt unter der Floskel "alles tun, was helfen kann" in einer Sportwelt, die sowohl bezüglich IOC als auch des Fußballs seit Jahren internationale Strafbehörden beschäftigt, darf jeder für sich beantworten. Tatsache ist, dass es al-Sabah immerzu schaffte, große, wahlentscheidende Stimmpakete für Leute seiner Wahl zu schnüren. Für Bach 2013 ebenso wie 2016 für Gianni Infantino, den neuen Boss des Fußball-Weltverbands Fifa. Diese Pakete schnürte al-Sabah stets dort, wo der hilfsbedürftige Teil der Sportklientel sitzt, in den Drittwelt-Ländern Afrikas und Asiens.

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Puppenspieler vom Golf

Ein konkreteres Bild davon, wie der Puppenspieler vom Golf seine Strippen zieht, hat die Welt seit 2017. Im April legten die Justizbehörden der USA ihre Anklageschrift gegen den Fifa-Funkionär Richard Lai vor. Der Verbandschef von Guam gab zu, bestochen worden zu sein - und er belastete al-Sabah in den Vernehmungen so schwer, dass der Kuwaiter in den Justizpapieren als "Mitverschwörer" firmiert, aus dessen Umfeld eine Million Dollar Schmiergeld geflossen sei. Erwähnt wurde er nicht namentlich - aber er war eindeutig identifizierbar über die Zuschreibung, dass es sich um einen Kuwaiter handele, der Spitzenämter im IOC, im OCA sowie im Fifa-Vorstand innehabe. Das passt nur auf einen: Ahmad al-Sabah, der sich nach Publikation der Klageschrift sofort aus allen Fußballämtern zurückzog. Die Vorwürfe wies er zurück.

Seine olympischen Ämter behielt al-Sabah, erst einmal. Offenkundig wollte IOC-Boss Bach nie so genau wissen, wie das funktionieren kann: Raus aus der Fifa - aber nicht aus dem IOC. Erst jetzt lässt al-Sabah auch diese Ämter ruhen, man darf gespannt sein, wie sich die Strafaffäre um den Königsmacher entwickelt.

Gerät einer wie al-Sabah ins Rutschen, kann er ja viele Spitzenleute mit sich reißen. Das sind betrübliche Nachrichten für eine Sportwelt, die von vielen zwielichtigen Figuren gelenkt wird und auf immer schlüpfrigere Avancen aus Golfstaaten stößt. Wer das noch bezweifelt, braucht nur auf die just enthüllten Ausverkaufspläne von Fifa-Boss Infantino schauen. Auch da geht es erkennbar um Anleger aus der Golfregion, die die Güter des Fußballs an sich reißen wollen.

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