Olympia Abfahrt der Knatschgesichter

Lindsey Vonn war nicht happy diesmal - bei ihr gab's Tränen.

(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)
  • Das Abfahrtsrennen der Frauen wird bei Olympia zur großen Show von Sofia Goggia.
  • Die Italienerin gewinnt vor einer Norwegerin und Lindsey Vonn.
  • Die Deutsche Vicky Rebensburg verabschiedet sich mit einer unglücklichen Vorstellung von den Olympischen Spielen.
Von Jonas Beckenkamp

Als sie im Ziel war und dieses komplizierte Rennen einordnen sollte, machte Viktoria Rebensburg dieses für sie typische Gesicht: Sie sah ein wenig knatschig aus, unzufrieden, irgendwie war es nicht so gelaufen, wie sie wollte. Dass es vermutlich ihre letzten Olympischen Spiele waren, dass sie also keine weitere Chance bekommen wird auf eine erneute Medaille, das spielte sicher eine große Rolle. In diesem Moment kann eine so ehrgeizige Sportlerin wie sie nicht fröhlich sein. Platz neun und das mit 1,42 Sekunden Rückstand auf die Siegerin, das hätte sich Rebensburg anders gewünscht.

Und so musste sie zuschauen, wie Sofia Goggia, die unschlagbare Italienerin, ihren Olympiasieg feierte. Und wie Lindsey Vonn ihre Enttäuschung ebenfalls nur schwer kaschieren konnte. Die Amerikanerin war mit noch größeren Hoffnungen nach Pyeongchang gereist, Gold sollte es sein, die Bestätigung ihrer Dominanz der vergangenen Jahre. Doch es wurde nur Bronze. Vonn schwankte zwischen Tränen und dem Gefühl des "immerhin Platz drei" - Rebensburg war schlicht enttäuscht. Fast eine ganze Sekunde fehlte ihr auf Vonn, die ihrerseits beinahe eine halbe Sekunde hinter Goggia landete. Damit verpasste die Amerikanerin ihr zweites Abfahrtsgold nach 2010 und damit ihren großen Auftritt bei diesen Spielen.

Speed-Queen mit Hang zur Diva

mehr...

Sofia Goggia also, die 25 Jahre alte Taktikkönigin aus Bergamo, sie freute sich im Zielbereich, herzte alles und jeden. Kein Wunder nach diesem schlau umgesetzten Lauf auf der Olympiastrecke in Jeongseon, der mit seinen lang geschwungenen Kurven einer Gleiterin wie ihr entgegen kam. Goggia setzte sich letztlich knapp vor der Überraschungszweiten Ragnhild Mowinckel aus Norwegen durch und bejubelte hinterher ein Novum. "Ich bin natürlich stolz, dass ich die erste italienische Abfahrts-Olympiasiegerin bin", sagte die erste Italienerin mit Olympiagold seit Daniela Ceccarellis Sensationsfahrt 2002 im Super-G. Wie knapp es letztlich war, sei ihr durchaus bewusst gewesen: "Als Mowinckel gefahren ist, habe ich mir nur gedacht: Bitte, Jesus, lass mir die Goldmedaille." Die blieb ihr - so wie den Deutschen die hinteren Plätze blieben.

Immerhin Kira Weidle zeigte eine ordentliche Leistung, sie fuhr ruhig und sicher, das große Risiko wollte sie nicht gehen, dafür konnte sie als Elfte zufrieden sein. Doch am Ende zählt eben auch das Gesamtergebnis, und das liest sich nun sehr mäßig: Das deutsche Alpin-Team hat in Südkorea weiter kein Edelmetall im Reisegepäck. Rebensburg hatte in ihrer Lieblingsdisziplin Riesenslalom als Vierte und im Super-G auf Rang zehn schon keine besonderen Glücksgefühle erlebt - und nun reifte bei ihr das Gefühl, dass es das schon gewesen sein könnte mit olympischen Erfolgen.

In Südkorea hatte die 28-jährige Riesenslalom-Olympiasiegerin von 2010 angekündigt, dass sie bei den Winterspielen in Peking 2022 nicht mehr an den Start gehen will. "Das hat sich nicht verändert", sagte Rebensburg nach dem Rennen im ZDF. "Man soll niemals nie sagen. Aber so, wie jetzt aktuell mein Gefühl ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich in vier Jahren noch aktiv Ski fahre." Ihr Gesicht verriet dabei: Die ganze Quälerei, das Training, die Konzentration - all das will sie nicht noch einmal aufbringen müssen, um dann mit möglicherweise 32 erneut hinterher zu fahren.