Am 6. Februar wurden im Mailänder San-Siro-Stadion die Olympischen Winterspiele 2026 eröffnet. In zehn Wettbewerben kämpften die Ski-Alpin-Fahrerinnen und -Fahrer dieses Jahr um olympisches Edelmetall. Damit gab es zu den beiden vergangenen Spielen einen Wettkampf weniger, das IOC strich den Mixed-Teamwettbewerb aus dem Programm. Die Wettkämpfe im Überblick:
Ergebnisse zu allen Ski-Alpin-Rennen bei Olympia 2026
- 7.2.: Abfahrt (M) - Gold: Franjo von Allmen (Schweiz)
- 8.2.: Abfahrt (F) - Gold: Breezy Johnson (USA)
- 9.2.: Team-Kombination, Slalom (M) - Gold: Schweiz
- 10.2.: Team-Kombination, Slalom (F) - Gold: Österreich
- 11.2.: Super-G (M) - Gold: Franjo von Allmen (Schweiz)
- 12.2.: Super-G (F) - Gold: Federica Brignone (Italien)
- 14.2.: Riesenslalom (M) - Gold: Lucas Pinheiro Braathen (Brasilien)
- 15.2.: Riesenslalom, 2. Lauf (F) - Gold: Federica Brignone (Italien)
- 16.2.: Slalom, 2. Lauf (M) - Gold: Loic Meillard (Schweiz)
- 18.2.: Slalom, 2. Lauf (F) - Gold: Mikaela Shiffrin (USA)

Emma Aicher mit erster Medaille fürs deutsche Team:Die „coole Henne“ behauptet ihren Platz unter den Besten
Emma Aicher, eigentlich Slalomfahrerin, wird Zweite in der Olympiaabfahrt – und gewinnt als erste deutsche Alpinfahrerin seit Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg eine Einzelmedaille.
Die olympischen Ski-Rennen im Überblick
Abfahrt: Keine Medaille für Odermatt, Vonn stürzt schwer
Das erste Gold der Winterspiele ging an Franjo von Allmen. Der Schweizer gewann in der Abfahrt mit 0,2 Sekunden Vorsprung vor dem Italiener Giovanni Franzoni. Bronze holte dessen Landsmann Dominik Paris.
Bei der Abfahrt der Frauen gab es einen dramatischen Sturz der am Kreuzband verletzten Lindsey Vonn. Der Sieg ihrer Landsfrau aus den USA Breezy Johnson geriet ein wenig in den Hintergrund. Silber holte die deutsche Allrounderin Emma Aicher. Bronze ging an Lokalmatadorin Sofia Goggia (Italien).

Schwerer Sturz bei Olympia:Lindsey Vonn erlebt ihr Drama am Schicksalsberg
Sie wollte noch einmal die Welt verblüffen – und es ging schief: Lindsey Vonn erlebt bei ihrem verheerenden Unfall in Cortina, dass ihr Körper nach einer Knieverletzung zu schwach ist und bricht sich das linke Bein.
Team-Kombination: Schweiz und Österreich räumen ab
Bei der Premiere in der Team-Kombination räumte Franjo von Allmen seine zweite Goldmedaille ab. Dank eines Traumlaufs seines Teamkollegen Tanguy Nef im Slalom holte das Schweizer Duo den Sieg. Silber ging an die zeitgleichen Duos Vincent Kriechmayr und Manuel Feller aus Österreich sowie an Superstar Marco Odermatt und Loic Meillard aus der Schweiz.
Bei den Frauen überraschte das österreichische Team von Ariane Rädler und Katharina Huber. Huber als Slalom-Spezialistin rettete 0,05 Sekunden Vorsprung ins Ziel vor Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann (Deutschland). Bronze ging nicht an das US-Duo Johnson/Shiffrin, sondern an die Team-Kolleginnen Jacqueline Wiles und Paula Moltzan.

Teamwettbewerb der Männer:Der vielleicht leichteste Slalom der Geschichte
Simon Jocher und Linus Straßer belegen gemeinsam Rang zehn im Teamwettbewerb – und erfahren, dass die berühmte Stelvio zwei höchst unterschiedliche Gesichter haben kann.
Super-G: Goldene von-Allmen-Festspiele, Märchen für Brignone
Es sind die Franjo von Allmen-Spiele: Im Super-G hat der Schweizer seine dritte Goldmedaille geholt. Er war 0,12 Sekunden schneller als der US-Amerikaner Ryan Cochran-Siegle. Marco Odermatt holte nach Silber in der Team-Kombi seine erste Medaille in einem Einzel-Wettbewerb und wurde Dritter.
Im Super-G der Frauen schrieb Federica Brignone ein italienisches Märchen. Im April 2025 brach sie sich Waden- und Schienbein, zitterte ganz lange, ob sie überhaupt bei ihren Heim-Spielen teilnehmen kann - und holte dann Gold. Silber ging an die Französin Romane Miradoli, Bronze sicherte sich die Österreicherin Cornelia Hütter. Doppel-Silbergewinnerin Emma Aicher schied ebenso aus wie ihre Team-Kollegin Kira Weidle-Winkelmann.

Super-G:Von Allmens Fahrt in die Ski-Historie
Nach Abfahrt und Team-Wettbewerb gewinnt der Schweizer auch die Goldmedaille im Super-G. So erfolgreich waren vor ihm überhaupt nur drei Personen in der Geschichte des Alpinsports.
Riesenslalom: Braathen historisch, Brignone unwiderstehlich
Ein historisches Ergebnis feierte Lucas Pinheiro Braathen im Riesenslalom der Männer. Der gebürtige Norweger startet nach einem Zwist mit dem Verband mittlerweile für Brasilien und holte für sein Land die allererste Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen. Er setzte sich vor Marco Odermatt durch. Der Schweizer, als großer Top-Favorit bei Olympia gestartet, bleibt damit bei den Spielen ohne Goldmedaille. Bronze holte Loic Meillard (Schweiz).
Federica Brignone holte ihre zweite Goldmedaille. Im Riesenslalom hatte die Italienerin großen Vorsprung vor den beiden Silbermedaillen-Gewinnerinnen Thea Louise Stjernesund (Norwegen) und Sara Hector (Schweden). Lena Dürr lag kurz vor Ende auf Silber-Kurs, machte dann aber einen Fehler und wurde Neunte - mit 0,19 Sekunden Rückstand auf die Medaillenränge.

Skirennfahrer Lucas Pinheiro Braathen:Dem Geschichtenerzähler aus Brasilien gelingt das Heldenstück
Lucas Pinheiro Braathen war nach seiner Lossagung vom norwegischen Verband zum Erfolg verdammt, um nicht als Kunstfigur zu gelten. Mit Gold im Riesenslalom erlöst sich der schillernde 25-Jährige selbst.
Slalom: Drama um McGrath - und Lena Dürr
Ein richtiges Drama erlebten die Zuschauer beim Slalom der Männer. Im ersten Durchgang schneite es, Nebel verschlechterte die Sicht. Zahlreiche Athleten schieden aus, andere hatten riesige Rückstände. Im zweiten Durchgang überzeugte Loic Meillard (Schweiz) mit einer fast fehlerlosen Leistung. Der Führende Atle Lie McGrath schied nach einem Einfädler aus und stampfte wütend und traurig in Richtung Wald. Silber ging an Fabio Gstrein (Österreich), Bronze an Henrik Kristoffersen (Norwegen).
Beim Slalom der Frauen krönte Mikaela Shiffrin ihre herausragende Karriere mit Olympia-Gold im Slalom. Die US-Amerikanerin fuhr 1,5 Sekunden schneller, Zweiter wurde Camille Rast aus der Schweiz. Bronze ging an Anna Swenn-Larsson (Schweden). Ein dramatisches Ende erlebte Lena Dürr, Zweitplatzierte nach dem 1. Durchgang. Sie fädelte im Entscheidungslauf gleich im ersten Tor ein und schied aus.
Strecken bei den Olympischen Spielen 2026
Eine Besonderheit bei den olympischen Ski-Alpin-Wettbewerben 2026 ist, dass Männer und Frauen an getrennten Austragungsorten antreten werden. Die Damen fahren in Cortina d’Ampezzo, die Männer in Bormio.
Strecke „Olympia delle Tofane“ in Cortina d’Ampezzo
Bereits einmal war Cortina d’Ampezzo Austragungsort olympischer Wettbewerbe: 1956 rauschten die Herren hier den Hang hinunter, die österreichische Ski-Legende Toni Sailer gewann dabei Gold in der Abfahrt. Seit 1993 ist die „Tofana“ fester Bestandteil des Frauen-Weltcups, 2021 fand hier die Ski-Weltmeisterschaft statt. Markante Stellen sind unter anderem der „Tofanaschuss“ mit einem Gefälle von bis zu 64 Prozent sowie die „Gran Curvone“, eine technisch anspruchsvolle, langgezogene Kurve im zentralen Teil der Strecke.
Strecke „Pista Stelvio“ in Bormio
Die „Pista Stelvio“ gilt im Herren-Weltcup als einer der anspruchsvollsten und temporeichsten Strecken in den Speed-Disziplinen. Bereits der Startschuss mit einer Neigung von 63 Prozent hat es in sich und ist der steilste Starthang im Weltcup. Im mittleren Abschnitt wartet der San-Pietro-Sprung auf die Fahrer, die an dieser Stelle um die 40 Meter weit fliegen. Im anschließenden San-Pietro-Schuss erreichen die Athleten Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h. Olympische Wettbewerbe fanden in Bormio noch nie statt, allerdings war die Pista Stelvio 1985 und 2005 Schauplatz der Ski-WM. Rekordsieger im Weltcup ist der Italiener Dominik Paris, der sechsmal die Abfahrt und einmal den Super-G hier gewinnen konnte.

