Wir, die wir schon ein paar Olympische Spiele auf der Uhr haben, erinnern uns an viele schöne Namen. Wenn die ganze Welt zusammenkommt, steht Spektakuläres in den Starterlisten. Und bisweilen geht ein Athlet buchstäblich eine Liaison mit seiner Sportart ein, er wird eins mit ihr – und man hört das kennzeichnende Geräusch der Disziplin schon, wenn der Sportler nur aufgerufen wird. Dong Dong hieß einst der Olympiasieger auf dem Trampolin. Genauso unvergessen: Bo Peng. Natürlich Wasserspringer.
Auch bei diesen Winterspielen sind Athleten dabei, die des Winters würdig sind: Winter Vinecki, Freestylerin aus Michigan. Vor vier Jahren war auch die diesmal absente neuseeländische Snowboarderin Cool Wakushima am Start. Wie im Sommer (Saeid Mohammadpourkarkaragh) schickt Iran seine klangvollen Anzeigetafelsprenger (Mohammad Kiyadarbandsari) auch im Winter. Und was die dong-dong-artige Einheit Sportler/Disziplin angeht, sozusagen die wortgewordene Armbewegung beim Eisschnelllauf: Bart Swings, der routinierte Belgier, in Mailand bisher ohne Medaille. Aber: Sein Name ist ein ganzer Satz.

Meinung Olympia-Kolumne „La Glosse“:Dong Dongs Erben: Eine Würdigung der schönsten Athletennamen in Paris
Es sind allerdings harte Zeiten, weshalb ein Kandidat wie Bart Swings, bei dem sich alles zauberisch rundet, zu den Ruppigkeiten und Beschwernissen der Gegenwart nicht passt. Viel eher dieser hier: Hugo Hinckfuss, australischer Skilangläufer, bei diesen Spielen zwar auch ohne Medaille geblieben, aber hier im inoffiziellen Namensranking auf Platz drei. Und damit nur knapp hinter einem decent man, einem anständigen Gegenentwurf zu all den ungehobelten und kulturlosen Brüllaffen, die weltweit aus den Kulissen treten. Und aus der Mozartstadt Salzburg kommt er auch noch, der Mann mit Anstand und Manieren: Christoph Danksagmüller, Skicrosser in Rot-Weiß-Rot.
Womit Platz eins zu vergeben wäre, diesmal an ein Mitglied des DOSB-Teams. Die Deutschen sind oft genug selbstquälerisch und verzagt unterwegs, die Biathletin Simone Greiner-Petter-Memm lieferte einst mit jedem Bestandteil ihres beeindruckenden Koppelnamens die Hintergrundmusik zu dieser gedrückten Stimmung. Dieses Mal aber trat im Paarlauf an der Seite Nikita Volodins die Berlinerin Minerva Hase an, „Minerrrva“, wie die Kommentatorin bei Rai 2 genussvoll schnurrte. Minerva Hase: Vollendete Melange aus römischer Göttin und Wald- und Wildtier, das an Ostern die Eier heranschleppt. Erhabenheit und Nutzwert. Hier verdichtet sich das Gegensätzliche der Spiele, das Nebeneinander von Schnee am Berg und Regen in der Stadt. Die ganze Ambivalenz Olympias. Sie hat mit ihrem Partner Bronze geholt, Minerrrva Hase. Aber der Name hätte Gold verdient.
„Schnella Italia“ ist die Olympia-Kolumne der SZ-Sportredaktion. An dieser Stelle schreiben die Reporterinnen und Reporter der SZ über Kuriositäten und Beobachtungen am Rande der Winterspiele.

