Oliver Kahn als Klubchef? Bayerns Plan aus Titan

Ex-Bayern-Torwart Oliver Kahn.

(Foto: Andreas Gebert/picture alliance / dpa)
  • Der FC Bayern prüft wohl Szenarien mit Oliver Kahn als künftigem Klubchef.
  • Der Ex-Torwart ist im Besitz eines gültigen Arbeitsvertrages, dem ZDF hat er sich bis zum Ende der EM 2020 versprochen. Er könnte aber aus dem Vertrag aussteigen.
  • Auch der Name des Gladbacher Sportchefs Max Eberl könnte in München wieder auf die Tagesordnung rücken.
Von Christof Kneer

Die Europameisterschaft 2020 ist wie gemacht für den Fernsehexperten Oliver Kahn. Die Qualifikation vorausgesetzt, würde die deutsche Nationalelf zwei ihrer drei Vorrundenspiele in München bestreiten, das steht bei diesem Mehrländer-Turnier nach diversen Vorabsprachen bereits fest. Kahn könnte also in der eigenen Stadt zur Arbeit gehen, aber ob er dieses Turnier noch als Fernsehexperte erreicht, erscheint zunehmend fraglich. Aktuell deutet zwar einiges darauf hin, dass Kahn diese EM als Heimschläfer verfolgen wird, aber nicht mehr im Dienst des ZDF.

Kahn könnte zu diesem Zeitpunkt schon wieder doppelt zu Hause sein: in seiner Stadt und bei seinem Verein, beim FC Bayern. Dort fällt sein Name auf den Fluren seit Jahren immer wieder mal, wenn es um die Zukunft des Klubs geht - nach SZ-Informationen sind solche lockeren Gedankenspielchen inzwischen aber von einem konkreten Szenario mit Kahn als Vereinschef abgelöst worden, über das am Mittwoch als erstes die SportBild berichtete.

Dass Deutschlands berühmtester Fußballverein mitten in einem gewaltigen Umbruch steckt, zählt inzwischen zum Allgemeinwissen der Branche, allerdings wird diese These meist nur mit Fakten unterlegt, die sich aus der Tabelle und aus der Aufstellung dieser Fußballmannschaft herleiten. Der FC Bayern ist Fünfter hinter Eintracht Frankfurt, und Menschen, die ein Herz besitzen, macht es nicht so viel Spaß, Spielern wie Ribéry, Robben, Boateng, Hummels, Müller oder Martinez beim Altern zuzuschauen. Diese markanten Gesichter verdecken aber oft das große Bild: Das große Bild zeigt einen Verein, bei dem sich auf allen Organisations- und Hierarchie-Ebenen ein Umbruch andeutet, nicht nur drunten auf dem Trainingsrasen, wo die Münchner am Mittwoch stolz den 18-jährigen kanadischen Flügelstürmer Alphonso Davies präsentierten, der ab Januar für den FC Bayern spielberechtigt ist.

Beim ZDF kennen sie Kahns Präferenz

Einen Umbruch müssen die Bayern zurzeit auch auf der Trainerbank moderieren, auf die nach menschlichem und vielleicht sogar nach Hoeneß'schem Ermessen kein Jupp Heynckes mehr zurückkehren wird. Und ob es sich beim aktuellen Trainer Niko Kovac bereits um die Zukunftslösung handelt, wird mit jedem weiteren Tag auf Tabellenplatz fünf unwahrscheinlicher.

Das lenkt den Blick nun wieder zurück zu Kahn, der - wenn es nach dem aktuellen Szenario geht - spätestens in zwei Jahren über die Besetzung der Trainerbank entscheiden oder mit entscheiden wird. Denn das ist die spektakulärste Dimension dieses sich anbahnenden Umbruchs: dass Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, die den Verein irgendwann nach oder gar vor der Vereinsgründung übernommen haben müssen, sich inzwischen ernsthaft mit der eigenen Nachfolgeregelung befassen. Hoeneß, 66, ist bis November 2019 als Präsident gewählt, Rummenigge, 63, besitzt als Vorstandsvorsitzender einen Vertrag bis zum 31. Dezember 2019.

Auch Kahn, 49, ist im Besitz eines gültigen Arbeitsvertrages, dem ZDF hat er sich bis zum Ende der EM 2020 versprochen. Allerdings hat der Sender schon im Falle des BVB-Funktionärs Sebastian Kehl gezeigt, dass er seine Experten nicht aufhält, wenn ihre Heimatvereine rufen. Beim ZDF haben sie auch schon von ernsthaften Gesprächen zwischen Kahn und Bayern gehört, und sie kennen auch die Präferenz ihres Mitarbeiters. "Seit Jahren" warte Kahn "sehnsüchtig" auf so einen Anruf, sagt einer, der ihn gut kennt. Tatsächlich hat sich Kahn auch seriös vorbereitet, nicht nur als Dauerbesichtiger hochwertiger Fußballspiele, sondern auch als Unternehmer.