Nürnbergs Niederlage Und doch wieder Letzter

Der 1. FC Nürnberg verteidigt mit Haltung - verliert nach zwischenzeitlicher Führung aber mit 1:2 in Düsseldorf. Die Fortuna tritt so dominant auf wie ein Spitzenteam.

Von Philipp Selldorf, Düsseldorf

Der Held des Abends wehrte sich, so gut er konnte, aber es gab kein Entkommen. Kaan Ayhan musste singen. Ganz allein mit Mikrofon vor der Fankurve. Er tat das laut und leidenschaftlich, aber es hat schon seine Gründe, warum Ayhan Fußballer geworden ist und nicht Künstler. Weshalb der Düsseldorfer Abwehrspieler nach diesem Abend im Rheinstadion als Schütze des Siegtores zum 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg in Erinnerung bleibt und nicht als Sänger.

Die Spieler des 1. FC Nürnberg bekamen von der Zugabe nach dem Spielschluss nichts mehr mit, sie hatten den Rasen bereits verlassen, auf dem sich ein weiteres Unglück dieser an Unglücken reichen Saison ereignet hatte. Im Duell der Aufsteiger hatten die Clubberer eine ehrenwerte Leistung geboten und alle Energie geopfert, die sie besaßen, trotzdem waren sie die hoffnungslos unterlegene Mannschaft gewesen. In der Blitztabelle waren sie vorübergehend an den ärgsten Konkurrenten vorbeigezogen, bis hinauf auf den ersehnten Relegationsplatz, aber nach dem Abpfiff bildeten sie doch wieder das Schlusslicht der Liga.

Haben sich wacker geschlagen: Die Nürnberger Enrico Valentini, Lukas Muehl and Christian Mathenia applaudieren sichtlich enttäuscht ihren Fans.

(Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Keine vier Minuten waren gespielt, da geriet der Club bereits in Rückstand. Mittelfeldspieler Mateus Pereira hatte sich beim Düsseldorfer Linksverteidiger Niko Gießelmann auf unfeine Art für ein hartes Foul revanchiert - indem er ihm einen Hieb unter die Gürtellinie versetzte. Schiedsrichter Stegemann ließ sich den Vorfall durch das Videogericht bestätigen, dann zog er die rote Karte, und die Nürnberger mussten das nahezu noch komplette Spiel in Unterzahl bestreiten. Ein Akt der Selbstverstümmelung.

Doch Pereiras verbliebene Kollegen wussten mit dem Nachteil gut umzugehen. Sie zogen sich tief zurück, beließen aber Kubo und Zrelak auf vorgezogenen Posten, so dass ihnen zumindest gelegentlich Entlastungsvorstöße gelangen. Die Fortuna, von Friedhelm Funkel betont offensiv formiert, nahm derweil die Favoritenrolle an. Dominant und selbstbewusst wie ein Spitzenteam traten die Düsseldorfer auf, auch den Ball ließen sie gut laufen, die letzte Konsequenz allerdings ließen sie vermissen, immer wieder blieben die finalen Zuspiele beim Gegner hängen. Ein Kopfball von Abwehrchef Kaan Ayhan nach einem Freistoß brachte sie dem 1:0 am nächsten. Doch Christian Mathenia war rechtzeitig zur Stelle.

Der Club verteidigt, Düsseldorf kreiselt um den Strafraum

Mitunter richteten sich die belagerten Nürnberger mehrheitlich am Fünf-Meter-Raum ein, um ihr Tor zu schützen, es sah fast aus, als ob ihnen dieser Festungsfußball Erfüllung bieten würde. Der nötige Spaß kam dann auch noch dazu, als Eduard Löwen einen von Mathenia eingeleiteten Zufallsangriff mit einem wunderbaren Treffer krönte. Seinem 20-Meter-Schuss konnte Jaroslav Drobny nur hinterher schauen (41.).

Aus nach vier Minuten: Nürnbergs Matheus Pereira muss nach einer Roten Karte den Platz verlassen.

(Foto: Marius Becker/dpa)

In der zweiten Hälfte setzte sich die Inszenierung auf die gleiche Weise fort. Der Club verteidigte, die Fortuna kreiselte um den Strafraum und suchte eine Lücke. Einzige Änderung: Der für Kubo eingewechselte Misidjan startete immer wieder zu schnellen Sololäufen, die mangels Unterstützung aber zum Scheitern verurteilt blieben. Chancen hatten nur die Gastgeber: David Kownacki kam frei zum Schuss, doch Mathenia wehrte erneut stark ab (48.). Mit seiner Zuverlässigkeit war der Torwart die zentrale Figur im Nürnberger Bollwerk, das durchaus stabil stand. Es musste erst ein Nürnberger kommen, um es zu knacken. Innenverteidiger Ewerton hieß der Unglückliche, der einen Kopfball mit faszinierender Genauigkeit über Mathenia hinweg in die Ecke verlängerte (61.).

Auch von diesem Schicksalsschlag ließen sich die Clubberer nicht umwerfen. Sie wahrten Haltung und verteidigten mit der gleichen Intensität wie zuvor. Umso ärgerlicher, dass das 1:2 aus einem Standard hervorging. Eine Flanke von links nahm Ayhan am ersten Pfosten entgegen, im nächsten Moment schlug der Ball im Toreck ein, dagegen wusste auch Mathenia keine Mittel (84.). Ein letzter Schussversuch von Linksverteidiger Valentini aus 30 Metern zischte noch über die Latte - und die nächste Niederlage der unglücklichen Nürnberger war perfekt.