Fußball:Polizei ermittelt nach Drohplakaten gegen Nürnberg-Profis

1. FC Nürnberg - Darmstadt 98

Der Nürnberger Kapitän Hanno Behrens war unter den Spielern, die bedroht wurden.

(Foto: dpa)

Die 0:3-Niederlage der Nürnberger gegen Hannover rückt in den Hintergrund, weil einigen Spielern vor der Partie öffentlich gedroht wurde.

Die Drohplakate gegen Fußball-Profis des 1. FC Nürnberg haben bei dem Zweitligisten große Bestürzung ausgelöst. "Es ist schon Wahnsinn, in welcher Welt wir mittlerweile leben, was man alles mitmachen muss, wenn man in der Öffentlichkeit steht", sagte Trainer Jens Keller nach der 0:3-Heimniederlage am Freitagabend gegen Hannover 96. "Es ist bedauerlich, dass wir so weit gekommen sind."

Der "Club" machte nach der Partie bekannt, dass es am Morgen im Umfeld des Max-Morlock-Stadions und des Trainingsgeländes Aufkleber in DIN-A-4-Größe mit deutlichen Drohungen gegen zwei auch namentlich genannte FCN-Spieler gab. Der Verein schaltete umgehend die Polizei ein, die Ermittlungen aufnahm.

Im Internet tauchte später eines der Plakate auf, mehrere Medien berichteten auch über den Inhalt. Wann trenne sich der Verein endlich "von solchen Anti-Fußballern" wie Lukas Mühl, Hanno Behrens und so weiter, hieß es dort. Die Anfeindungen gipfeln in dem Schlusssatz: "Muss es denn einen zweiten Fall Escobar geben?" Damit wurde auf die Ermordung des kolumbianischen Nationalspielers Andres Escobar nach einem Eigentor bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA angespielt.

Nürnberg verurteilt die Plakate

Die betroffenen Akteure seien vor dem Spiel informiert gewesen, berichtete der "Club". Kapitän Behrens lief gegen Hannover dennoch auf, Abwehrspieler Mühl fehlte wegen einer Verletzung. "Das ist ein Fall, der überschreitet Grenzen", sagte Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca. Er sprach von "sehr eindeutigen Drohungen" und bezeichnete die Aktion des oder der Verursacher als "widerlich und geschmacklos". Palikuca nannte sie "Vollidioten".

Die Polizei einzuschalten, sei "alternativlos" gewesen. Der Verein hatte über den Wortlaut auf den Plakaten aus "ermittlungstaktischen Gründen" keine Angaben gemacht.

© SZ.de/dpa/tbr
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