Nürnberg verliert 1:2 Der Club darf noch hoffen - zumindest ein bisschen

Besorgt blickt er dem Ball hinterher: Nürnbergs Adam Zrelak trifft das Tor. Aber der Treffer zählt wegen einer knappen Abseitsstellung nicht.

(Foto: Alex Grimm/Getty)
  • Der 1. FC Nürnberg verliert bei Mainz 05 und steht zunehmend hoffnungsloser am Tabellenende.
  • Trainer Köllner beklagt sich bitterlich über eine Entscheidung des Videoschiedsrichters.
  • Nur die Schwäche der Konkurrenz lässt den Club noch irgendwie vom Klassenverbleib träumen.
Von Tobias Schächter, Mainz

Als dann auch dieses Spiel verloren war, und Trainer Michael Köllner seinen Spielern in einem Kreis auf dem Platz schon Mut zugesprochen hatte, sendeten auch die Fans des 1. FC Nürnberg ein Signal der Aufmunterung: Sie versuchten die enttäuschten Profis mit Applaus aufzubauen. So ein Zusammenhalt war in Nürnberg in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen nicht immer da und ist auch beileibe nicht selbstverständlich nach der sechsten Niederlage in Serie. Nach dem 1:2 beim FSV Mainz 05 warten die Franken nun schon seit 13 Spielen auf einen Sieg. Mit elf Punkten nach 19 Spieltagen befindet sich der Aufsteiger allem Anschein nach weiter auf dem Weg zurück in die zweite Liga. Und dennoch bleiben die Fans ruhig, eine Entlassung von Trainer Köllner steht nicht zur Debatte - auch wenn es auf dem Platz nicht wirklich Anzeichen gibt, dass diese Mannschaft noch die Wende schaffen könnte.

Nürnberg hat einen Punkt weniger als der letztjährige Absteiger 1. FC Köln zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison, das letzte Mal, dass Mannschaften mit einer vergleichbar kläglichen Punkteausbeute noch den Klassenerhalt schafften, war in den 1980-Jahren. Die Glücklichen damals: Waldhof Mannheim und Eintracht Frankfurt. Und dennoch besteht Hoffnung. Der VfB Stuttgart auf Relegationsrang 16 hat nur drei Punkte mehr, der FC Augsburg auf dem ersten Nichtabstiegsplatz nur vier mehr als die "Clubberer". Und ein wenig Mut macht den Nürnbergern die verbesserte Leistung in Mainz, Torhüter Christian Mathenia meinte: "Wenn wir das Woche für Woche auf den Platz bringen, dann werden wir uns auch belohnen. Wenn ich den Teamgeist sehe, dann sehe ich nicht, dass wir auseinanderbrechen, sondern eine Jetzt-erst-recht-Reaktion."

Die wird die Mannschaft aber auch im nächsten Heimspiel gegen den SV Werder Bremen brauchen. Die Pleite in Mainz war zwar verdient, sie kam aber auch unglücklich zustande. In der 62. Minute schien Nürnberg mit 2:1 in Führung gegangen zu sein, aber nach einem Eingreifen des Video-Assistenten wurde der Treffer nach zwei Minuten dann doch zurückgenommen. Als Beweis diente die so genannte kalibrierte Abseitslinie.

Nürnbergs Tor wird aberkannt, aber Vorlagengeber Leibold fehlt auf dem Bild

Auf einem Bild war zu sehen, dass der vermeintliche Torschütze Adam Zrelak einen Fußbreit vor Abwehrspieler Alexander Hack im Abseits stand. Aber Vorlagengeber Tim Leibold war auf dem Bild nicht zu sehen, und damit auch nicht der Zeitpunkt der Ballabgabe, der für eine Abseitsentscheidung entscheidend ist. Genau das bemängelte Nürnbergs Trainer Köllner, der den Video-Beweis durch diese Handhabung "ad absurdum" geführt sieht. Niemand habe in dieser Situation reklamiert. "Das war mit normalen Menschenaugen nicht zu erkennen", sagte er: "Wir bewegen uns auf einem dünnen Eis, aber anscheinend wollen wir das." Man sehe zudem nur die Fußspitze auf dem Bild: Wer sich in die Nürnberger Gefühlslage hineinversetzen wolle, erkenne, dass man "sich beschissen fühle". Die Zurücknahme der vermeintlichen Führung sei für seine Mannschaft "ein schwerer Schlag gewesen", so Köllner. Es stimmte: Statt mit Rückenwind gingen die Nürnberger mit einem Rückschlag ins letzte Drittel des Spiels, in dem Robin Quaison nach einem einfachem Ballverlust von Leibold im Mittelfeld und einem darauf folgenden schnellen Konter der 2:1-Siegtreffer für die Mainzer gelang (73.).

Bei allem Beteuern der engagierten Leistung und der tatsächlich schwer verdaubaren Entscheidung beim vermeintlichen 2:1: Der Sieg der Mainzer, die nicht gut spielten, war dennoch verdient. Am Ende hätte er auch höher ausfallen können. Lediglich die schnelle Führung durch einen verwandelten Elfmeter von Daniel Brosinski (12.; Behrens hatte Aaron Caricol gefoult) nutzten die Mainzer nicht zu einer schnellen Entscheidung. Der Ausgleich für immer mutigere Nürnberger durch ein Kopfballtor von Georg Margreitter nach einer Ecke war die Bestrafung dafür (43.).

Viel mehr Torchancen spielten sich die Nürnberger aber auch nicht heraus und es ist offenkundig, dass diese in allen Bereichen limitierte Auswahl sich weiter schwer tun wird, Punkte zu holen. Nürnbergs Manager Andreas Bornemann sagte zum Thema Zugänge: "Wir sind mit ein paar Themen unterwegs. Den Unterschiedsspieler in der Bundesliga können wir nicht bezahlen, deshalb werden wir kreativ sein müssen." Eine Bestätigung, dass der ehemalige Bundesligaprofi Ivo Ilicevic, 32, zuletzt in Kasachstan aktiv, bereits fest verpflichtet sei, gab Bornemann am Samstagabend aber nicht. Und so bleibt den Nürnbergern weiter nur die Hoffnung auf das nächste Spiel. "Wir haben schon so viele Genickschläge erlitten in dieser Saison, das wird uns nicht umwerfen", meinte Trainer Michael Köllner kämpferisch. Und dann sagte er noch: "Wenn ich die Widrigkeiten umschiffen kann und die Mannschaft in der Liga halte, dann ist das mit nichts zu vergleichen, was ich je in meinem Leben geschafft habe."

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