Dirk Nowitzki Ein Riese

Mit Dirk Nowitzki verabschiedet sich der bedeutendste und berühmteste deutsche Athlet vom aktiven Sport. Er gehört zu den besten Basketballern der Geschichte - aber was ihn wahrlich groß macht, ist seine Treue zu sich selbst.

Kommentar von Jonas Beckenkamp

Vielleicht musste es so kommen, vielleicht sind große Karrieren auch deshalb groß, weil sie eben irgendwann zu Ende gehen. Wenn einer wie Dirk Nowitzki aufhört, ist die Zäsur doch ein wenig gewaltiger, als wenn andere Sportler die Treter an den Nagel hängen. Nowitzki, der ewige Basketballer, der große Blonde aus Würzburg, der Mann von den Dallas Mavericks, den die ganze Welt seit mehr als zwei Jahrzehnten kennt - diese Story ist im Grunde so unglaublich, dass ihr ein kleiner Text wie dieser ohnehin kaum gerecht wird.

Vieles ist ja schon erzählt worden über diesen außergewöhnlichen Typen, dieses Vorbild in allen Belangen. Und trotzdem bleibt in Deutschland immer wieder Eindruck, dass die Mehrheit des Publikums gar nicht so recht weiß, was für einen Stellenwert seine Leistungen in den USA, ja auf dem ganzen Planeten haben. Um es jetzt zum Karriereende noch einmal deutlich zu machen: Mit Nowitzki verabschiedet sich der größte, bedeutendste, berühmteste deutsche Athlet vom aktiven Sport. Ein echter Weltmann, einer wie Beckenbauer, nur zwei Köpfe größer.

Basketball

Dircules' größte Momente

Nowitzki kennen selbst in den entlegenen Orten der Erde mehr Menschen als Boris Becker, Toni Kroos oder Laura Dahlmeier. Er ist eine Figur, die vor allem im Ausland nahezu alles in den Schatten stellt, was es so gibt an deutschen Fußballern, Wintersportlern oder Rennfahrern, vielleicht auch an Politikern. Warum, das lässt sich erahnen: Nowitzki hat seinen Sport geprägt, er hat den Basketball mit seiner Wurfkunst, seiner Akribie weiterentwickelt, verändert. Das Spiel ist heute ein anderes als es vor seiner Zeit war, weil Nowitzki als langer Kerl das Werfen, die Beweglichkeit auf ein neues Level gehoben hat.

Er ließ sich nie beirren, er war immer loyal

In Amerika steht er in der ewigen Scorerliste der NBA unter den besten sechs. Um die Dimension dieser Leistung zu verstehen, muss man sich die anderen fünf dieser Liste anschauen. Es sind die allerallergrößten das Basketballs, vielleicht sogar des ganzen US-Sports: Kareem Abdul-Jabbar, Karl Malone, Kobe Bryant, LeBron James, Michael Jordan. Namen, die auch Leuten geläufig sind, die Basketball allenfalls als "Korbball" aus der Schule kennen. Nowitzki, der einzige Europäer, der einzige Weiße unter den Top 15 der riesigsten Riesen der Geschichte - auch das wird noch lange so bleiben.

Und natürlich: Nowitzki, der Botschafter aus Germany, der überwältigte Champion von 2011, die Ikone in Dallas. Meisterschaften sind vor allem in den USA die entscheidende Komponente für die Unterscheidung zwischen einer großen und einer sehr großen Laufbahn. Sie öffnen die Tür in die Hall of Fame, sie bleiben in Erinnerung. Dass ein Deutscher einen NBA-Titel gewinnt, und das auch noch als zweifelsfrei bester Spieler seines Klubs und der Finalrunde, das gibt es eigentlich gar nicht. Nowitzki machte es möglich, er realisierte sich einen nie für möglich gehaltenen Traum. Kein Wunder, dass er damals schluchzend in die Kabine taumelte, während in Deutschland um vier Uhr nachts Public Viewing zum Basketball stattfand.

Das führt zur treffendsten Charakteristik, die den Menschen Nowitzki ausmacht: Er ließ sich nie beirren, er war immer loyal: 21 Spielzeiten im selben Klub - ein Klub, den er fast alleine aus der Versenkung hievte. Er kämpfte so lange, bis er seinen Meisterring am Finger hatte. Er verzichtete auf Gehalt, damit andere, talentierte Spieler kommen konnten. Wer auf seinen Werdegang blickt, dem fällt ein Satz seines Vaters ein, den dieser in der Doku "Der perfekte Wurf" (2014) spricht: Am stolzesten sei er darauf, dass sein Sohn bei allen Erfolgen immer noch derselbe sei wie früher, sagt Jörg Nowitzki da. So einen Unverbogenen gibt es wohl nicht noch einmal. Mit Dirk Nowitzki, dieses Fazit sei gestattet, geht ein Sportler, der alles richtig gemacht hat in seiner Karriere. Wenn das nicht groß ist, was dann?

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