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SZ-Serie "Die besten Sportfilme", Platz 16:Vom Reihenhaus ins Weiße Haus

(Foto: NFP; Bearbeitung SZ)

Der Dokumentarfilm "Nowitzki. Der perfekte Wurf" zeichnet Dirk Nowitzkis wundersamen Aufstieg zu einem der besten Basketballspieler des Planeten nach. Selbst Viel-Wisser bekommen unerwartete Einblicke.

Von Joachim Mölter

Sportfilme haben es von Natur aus schwer: Der geneigte Sportfan erkennt sofort, dass selbst begnadete Schauspieler nicht zwingend Topathleten sind und Topathleten noch seltener begnadete Darsteller. Doch in den vergangenen Jahren ist die Auswahl gelungener Filme immer größer geworden: Die SZ-Sportredaktion stellt 22 von ihnen vor und kürt damit die - höchst subjektiven - 22 besten. Diesmal Platz 16: "Nowitzki. Der perfekte Wurf".

Der Film beginnt mit einer Fahrt im Auto, er endet mit einer Fahrt im Auto, und dazwischen nimmt der Regisseur Sebastian Dehnhardt die Zuschauer mit auf eine Reise durch Arztpraxen, schmucklose Krafträume und kahle Katakomben, schummrige Gänge und leere Hallen. Es ist ein Weg, den ein Mann gehen muss, wenn er es zu etwas bringen will, wofür ihn vielleicht irgendwann einmal Abertausende von Menschen im Rampenlicht bejubeln. Es ist der Weg, der Dirk Nowitzki von einem weißen Reihenhaus in Würzburg ins Weiße Haus von Washington geführt hat, in den Amtssitz des amerikanischen Präsidenten, eines der mächtigsten Männer der Welt.

In seinem Dokumentarfilm zeichnet Dehnhardt Nowitzkis wundersamen Aufstieg nach, von einem zweitklassigen Klub in einem Dritte-Welt-Land des Basketballs zum Meister der NBA, der stärksten Liga der Welt. Von einem träumenden Talent zu einem der besten Basketballspieler des Planeten. Auch wenn man glaubt, alles schon zu wissen über Nowitzkis gut ausgeleuchtete Karriere bei den Dallas Mavericks, bekommt man noch unerwartete Einblicke hinter die Kulissen, auch dank einiger Aufnahmen aus Privatarchiven. Zu Dehnhardts größten Leistungen gehört es, Nowitzkis äußerst zurückhaltende Mutter zum Sprechen gebracht zu haben. Vor einer dampfenden Kaffeetasse erzählt sie über ihren Abschiedsschmerz, als sie ihr jüngstes Kind, ihr behütetes Baby, schweren Herzens in die USA ziehen ließ, in die dortige Profiliga: "Er konnte ja ned mal'n Wasserkessel heiß machen."

Eine bemerkenswerte Freundschaft

Der Regisseur hat auch Einlass erhalten in das "Institut für angewandten Unfug", das Arbeitszimmer von Nowitzkis Freund und Mentor Holger Geschwindner - den "verrückten Professor", wie sie ihn in Amerika nennen wegen seiner unorthodoxen Methoden. Der studierte Mathematiker und Physiker sowie frühere Nationalspieler klappt sogar seinen Laptop auf und lässt das Computerprogramm laufen, mit dem er den perfekten Wurf errechnen kann, für Jedermann und für jeden Ort. Ein simples Strichmännchen simuliert die Bewegungen, unter Einbeziehung aller relevanten Faktoren von Schuhgröße und Armlänge bis zum Krümmungsradius von Ellipsen und zur Erdanziehungskraft. Oder Marsanziehungskraft. Denn Geschwindners Berechnungen lassen sich auf jedes Gestirn übertragen.

Viele Wegbegleiter kommen zu Wort, dies- und jenseits des Atlantiks - Eltern, Ehefrau, Lehrer, Freunde, Mit- und Gegenspieler, Trainer, Ärzte, Journalisten. Aus ihren Erzählungen ergibt sich nicht nur das Bild einer einzigartigen sportlichen Laufbahn. Sondern auch das einer bemerkenswerten Freundschaft zwischen Nowitzki und dem drei Jahrzehnte älteren Geschwindner. Die ist geprägt von einem bedingungslosen Vertrauen, "Dinge zu tun, ohne deren tieferen Sinn zu hinterfragen", wie es einer der Zeitzeugen zusammenfasst. Und dieses Vertrauen hält allen Krisen stand, die es durchaus auch gab.

Am Ende der langen Reise wird Dirk Nowitzki an einem Tisch gesessen haben mit dem US-Präsidenten Barack Obama und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, und bei der letzten Autofahrt wird er resümieren, wie weit er es gebracht hat mit seiner Fähigkeit, "relativ gut ˈnen Ball in ein Körbchen reinschmeißen" zu können. Selbst er staunt über seine Geschichte: "Es ist ein bisschen surreal manchmal."

"Nowitzki. Der perfekte Wurf", 2014, Regie Sebastian Dehnhardt

Bereits erschienene Rezensionen:

Platz 22: "Free Solo"

Platz 21: "Rush"

Platz 20: "Die nackte Kanone"

Platz 19: "Slap Shot"

Platz 18: "Foxcatcher"

Platz 17: "The Wrestler"

© SZ.de/chge

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