Basketball-EM in Deutschland:Botschafter Nowitzki hilft mit

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Basketball-EM in Deutschland: Wie immer mit gutem Überblick: Dirk Nowitzki hat 153 Mal für Deutschland gespielt - aber bei der bevorstehenden EM möchte er keine Funktion nahe an der Nationalmannschaft übernehmen.

Wie immer mit gutem Überblick: Dirk Nowitzki hat 153 Mal für Deutschland gespielt - aber bei der bevorstehenden EM möchte er keine Funktion nahe an der Nationalmannschaft übernehmen.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Drei Jahre nach seinem Karriereende wirbt Dirk Nowitzki für die Eurobasket in Deutschland im September, verspricht eine "topbesetzte" deutsche Auswahl - und plaudert über seine eigene berufliche Zukunft.

Von Ulrich Hartmann, Köln

Für einen souveränen Blick auf die Dinge ist es von Vorteil, wenn man es ganz nach oben geschafft hat. So wie Dirk Nowitzki. Am Dienstag ist der 43 Jahre alte ehemalige Basketballer in Köln in den Aufzug eines Hochhauses am Rhein gestiegen, ist in den 28. Stock hinaufgefahren und hat dort droben Fragen zu Gott, der Welt und dem Basketball beantwortet.

Nowitzki ist Botschafter jener Europameisterschaft, die im September unter anderem in Köln ausgetragen wird und dort die Gruppen-Spiele der deutschen Mannschaft vorsieht. 103 Meter hoch ist der Köln-Sky, in den er hinaufgefahren ist. Nowitzki selbst ist auch noch einmal 2,13 Meter groß. Aus solcher Höhe überblickt man schon ein paar Dinge.

Er hat hinunterschauen können auf die Arena, in der er der deutschen Mannschaft in einem halben Jahr die Daumen drücken wird; hinüber zum Dom, in dem er noch nie war; und auf jenes Köln, in dem ihm immer die Erinnerung an ein tosendes Olympia-Vorbereitungsspiel 2004 kommt, das er mit der deutschen Mannschaft in letzter Sekunde gegen das Dreamteam aus den USA verloren hat. Nowitzki hat 153 Mal für Deutschland gespielt, aber bei der bevorstehenden EM eine Funktion nahe an der deutschen Mannschaft zu übernehmen, als Motivator und Idol zum Anfassen sozusagen - das wollte er nicht.

Nowitzki ist zurzeit Familienvater, Berater bei seinem Ex-Klub Dallas Mavericks und Vorsitzender der Spielerkommission im Weltverband Fiba. "Dort werden wir Sachen gefragt", sagt er über seine Tätigkeit. "Es ist ganz nett, etwas zu lernen über Entscheidungsprozesse hinter den Kulissen."

Das klingt, als sammle er erste Erfahrungen für eine Laufbahn als Funktionär, aber da ist sich Nowitzki gar nicht so sicher. "Ich bin im Moment in so einer Zwischenphase", sagt er drei Jahre nach seinem Karriere-Ende, "ich schaue, was mir Spaß machen könnte, bin aber noch nicht bereit mich zu entscheiden." Es läuft wohl am ehesten auf ein größeres Engagement in Dallas hinaus. Eine Rolle im deutschen Basketball erwähnt er mit keinem Wort.

Franz Wagner spiele "eine Riesensaison, ist ein unglaublich guter Allrounder und wird uns in den nächsten Jahren noch viel Spaß machen."

Und nicht nur das. Der deutschen Mannschaft hat er für die EM unlängst auch noch eine ganz schön "schwere Gruppe" zugelost, das weiß er selbst. Gegen Frankreich, Bosnien-Herzegowina, Litauen, Slowenien und Ungarn werde es aber hoffentlich trotzdem zu einem Platz unter den ersten Vieren reichen, dann ginge die EM nämlich mit dem Achtelfinale in Berlin weiter, "und ab da ist dann alles möglich", prophezeit Nowitzki.

"Potenzial hat die Mannschaft, die Chemie muss stimmen, alle müssen topfit sein, man braucht Glück, Selbstvertrauen und einen guten Start." Mit "vier, fünf Wochen Vorbereitung" für die sieben deutschen NBA-Spieler und einige weitere aus internationalen Ligen sollte dann vielleicht sogar etwas möglich sein.

Am meisten überrascht ihn von den Deutschen in der NBA momentan Franz Wagner in Orlando: "Er spielt eine Riesensaison, ist ein unglaublich guter Allrounder und wird uns in den nächsten Jahren noch viel Spaß machen." Wenn außer ihm auch noch Dennis Schröder (Houston), Isaiah Hartenstein (LA Clippers), Maxi Kleber (Dallas), Moritz Wagner (Orlando), Daniel Theis (Boston) und Isaac Bonga (Toronto) fit seien, dann sei die deutsche Mannschaft wirklich "topbesetzt".

Wenn die EM am 1. September losgeht - kurz bevor Deutschland zum Auftakt gegen Frankreich spielt -, wird in der Kölner Arena zu Ehren Nowitzkis sein Nationaltrikot mit der Nummer 14 symbolisch unter das Hallendach gezogen. Es ist dies ein übliches Ritual in Mannschaftssportarten. Wenn Klubs das Trikot eines verdienten Ehemaligen unters Hallendach hängen, dann bedeutet das zugleich, dass diese Rückennummer zu Ehren des Spielers nie wieder vergeben wird.

In Nowitzkis Fall ist das aber etwas Besonderes, denn so etwas hat der Deutsche Basketball-Bund noch nie gemacht. "Das ist eine Riesenehre für mich", sagt Nowitzki. "In Dallas habe ich das schon erleben dürfen, es war sehr emotional, und ich werde auch nach Köln meine ganze Familie dazu mitbringen."

Und während Nowitzki in Deutschland ist, weilt der Bundestrainer Gordon Herbert gerade in den USA. Er spricht mit den deutschen Nationalspielern und ihren Klubs um auszuloten, wer bei der EM mitspielen will und kann. Alle sieben haben signalisiert, dass sie dabei sein wollen. Gefragt, ob er die Welt nicht vielleicht mit seinem Comeback überraschen wolle, konnte Nowitzki nur lachen. "Ich bin nicht mehr so fit. Das könnte ich nicht mehr."

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