Novak Djokovic:Kate und William applaudieren

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Novak Djokovic: Einmalige Körperbeherrschung: Einer der Favoriten auf den Titel in London - natürlich zusammen mit Rafael Nadal: Novak Djokovic.

Einmalige Körperbeherrschung: Einer der Favoriten auf den Titel in London - natürlich zusammen mit Rafael Nadal: Novak Djokovic.

(Foto: Alberto Pezzali/AP)

Seit 2017 hat Novak Djokovic auf dem Rasen von Wimbledon kein Spiel mehr verloren. Der Serbe spielt sich nach seiner Impf-Affäre in Titelform - auch, weil er an den US Open möglicherweise wieder nicht teilnehmen kann.

Von Gerald Kleffmann, Wimbledon

Es gibt Stille. Und es gibt die Stille auf dem Centre Court des Rasenturniers von Wimbledon. Sie hört sich anders an. Ehrfürchtiger, angespannter. Jedem der 14 979 Zuschauer, die theoretisch hineinpassen, aber nie alle vollzählig anwesend sind, weil irgendjemand immer beim Pimm's-Holen ist, ist klar: Die Stille kann jede Sekunde zerschnitten werden von ohrenbetäubendem Jubel.

Bei der Viertelfinal-Partie zwischen Novak Djokovic und Jannik Sinner wechselten sich diese zwei Extreme fünf Sätze lang ab. Im letzten Durchgang war der Kontrast einmal besonders stark. Djokovic returnierte, sprintete in die Rückhand-Ecke, grätschte mit einem Spagat zum Ball, der cross an dem ans Netz gerannten Italieners vorbeizischte. Djokovic lag auf dem Bauch, breitete die Arme aus, riss die Augen auf - und lauschte dem Lärm. Es könnte sein, dass die Schiedsrichter im All England Club deshalb die berühmte Aufforderung "Quiet, please!" äußern, damit solche Momente noch intensiver wirken.

Djokovic, das betonte er nach seinem 5:7, 2:6, 6:3, 6:2, 6:2-Erfolg, liebt den Centre Court. Es sei ein Ort der Geschichte. Und "dieser Tennisplatz ist definitiv der wichtigste in meiner Tenniskarriere", sagte der 35 Jahre alte Serbe, der im Halbfinale auf den Briten Cameron Norrie trifft, "dieser Platz hat mich inspiriert, den Tennisschläger das erste Mal in die Hand zu nehmen, als ich fünf war". Seine Antworten beim Interview auf dem Platz wurden immer wieder von Applaus begleitet.

Djokovic ist anzumerken, wie sehr er seine Auftritte genießt

Auch Herzogin Kate und Prinz William klatschten vornehm, nachdem Djokovic von Zweifeln berichtete. "Der innere Kampf ist immer der größte Kampf, den du auf dem Platz kämpfen musst", hatte er gesagt. Nach dem 0:2-Satzrückstand sei er kurz mal ausgetreten und hätte "ein aufmunterndes Gespräch vor dem Spiegel" gehalten. Vergangenes Jahr, im Finale der French Open in Paris, hatte er schon mal dieses Manöver praktiziert, auch da hatte es geholfen, die Partie gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas zu drehen.

Damals befand sich Djokovic inmitten einer komplett die Branche dominierenden Phase, an die er nun, im Frühsommer 2022, tatsächlich mächtig erinnert. Er spielt ein weitgehend exzellentes Turnier. Die Turbulenzen der ersten drei Monate der Saison, als er nicht nach Australien einreisen durfte und das erste Grand-Slam-Turnier verpasste, wirken wie aus einer fernen Zeit. Der Erfolg gegen Sinner war sein 26. Sieg in Serie in Wimbledon, seine bisher letzte Niederlage datiert auf 2017, als er im Viertelfinale gegen den Tschechen Tomas Berdych verletzt aufgab. Drei Titel errang er danach (2020 fiel das Turnier wegen der Pandemie aus). "Glückseligkeit. Liebe, Erfüllung, Stolz" empfinde er jedes Mal, wenn er den Centre Court betrete.

Ihm war anzumerken, wie sehr er seine Auftritte genießt, und das mag auch daran liegen, dass Djokovic weiß: Möglicherweise wird er in dem Jahr keinen weiteren Grand Slam spielen. Die USA, wo in New York die US Open anstehen, lassen ungeimpfte Nichtamerikaner nicht ins Land. Doch auch zu dieser Perspektive gibt er sich entspannt. "Was nach Wimbledon passiert, ist noch unvorhersehbar", sagte Djokovic, "darüber denke ich nicht nach."

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