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Tennis:Djokovic und der Alchemist

FILE PHOTO: ATP 500 - Dubai Tennis Championships

In seiner eigenen Welt, nicht nur auf dem Tennisplatz: Novak Djokovic, der nun schon 17 Grand-Slam-Turniere gewonnen hat.

(Foto: REUTERS)

Die "Kraft der Gedanken" und Wasser mit Heilkraft: Novak Djokovic, Nummer eins der Weltrangliste, polarisiert derzeit mit esoterischen Gedanken.

Kürzlich teilte Dijana Djokovic einiges über Sohn Novak und ihre Familie mit. Der Bogen, den sie im Interview mit dem serbischen Onlineportal Blic Sport spannte, war groß. Einmal, 2008, hätten "wahrscheinlich Drogenabhängige" versucht, ihre Hunde zu entführen. Wie sich Novak, 17-maliger Grand-Slam-Sieger im Tennis und Nummer eins der Weltrangliste, sieht, umschrieb sie so: "Novak glaubt auch an Gott, er fühlt sich auserwählt." Trotzdem bedurfte es irdischer Hilfe zum Beginn der Karriere.

Ihr Mann Srdjan lieh sich, als sie in Kopaonik arbeiteten, Geld. Geld, dessen Ursprung offenbar aus illegalen Quellen stammte, mutmaßte sie. "Je mehr die Dealer spürten, wie dringend wir das Geld brauchten, desto mehr erhöhten sie den Zinssatz", wird Dijana zitiert. Mit ihrer Schwiegertochter sei sie, auch dies blieb nicht unerwähnt, nicht immer grün. Und, ach: Roger Federer sei "ein bisschen arrogant". Insbesondere dank dieses Urteils dauerte es nicht lange, und Dijanas Sätze kursierten weltweit.

Wie Novak Djokovic über all diese Äußerungen denkt, ist bislang unbekannt, wenngleich er in letzter Zeit auch viel geredet hat. Allerdings in anderer Sache. Nach seiner Liebe-und-Frieden-Phase vor vier Jahren, als er den Lehren des Coaches Pepe Imaz folgte, offenbarte er nun neue, komplexere Ansichten. Der 32-Jährige präsentiert sich seit Wochen seinen Fans bei Instagram in Live-Dialogen mit Menschen, die ihn inspirieren und beeinflussen. "The Self-Mastery-Project" nennt er die Serie an Gesprächen, die Hunderttausende verfolgen. Mit dem Extremsportler Wim Hof hat er sich ausgetauscht über die "Kraft der Gedanken". Djokovic verriet, er vertraue Hofs Inspiration und präzisierte: "Dank verschiedener Techniken kann sich der Mensch beruhigen." Der Niederländer mit dem Künstlernamen "The Iceman" schätzt Eisbäder.

Im Netz ist Djokovic nunmehr in einer Sequenz zu sehen, wie er im Februar mit einer Badehose im Grödner Bach in Südtirol sitzt. Mit dem Briten Jay Shetty, einem Motivationsredner mit Millionen Anhängern im Internet, philosophierte Djokovic ebenfalls, zum Beispiel darüber, dass der größte Sinn des eigenen Handels darin liege, anderen zu dienen.

"Wir Menschen sind elektrische Wesen"

Diesen Vorsatz setzte Djokovic offenbar gleich bei seinen Gesprächen mit Chervin Jafarieh um. Der US-Iraner vertreibt mit seiner Firma nicht gerade günstige Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Wildstammalgen, die mal subtil, mal klar beworben werden. Wie sehr sie wirklich wirken, ist fraglich; Alchemist Jafariah teilt selbst auf seiner Homepage versteckt mit, die US-Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde habe die Mittel nicht dementsprechend bewertet. Super seien sie in jedem Fall, ist seinen Hymnen zu entnehmen.

"Mein Bruder einer anderen Mutter", so führte Djokovic seinen Seelenverwandten ein. Sie drifteten schnell in höhere Sphären ab. "Wir sind ebenso Energie, wie wir Chemie sind. Wir Menschen sind elektrische Wesen", sagte Djokovic, und: "Ich habe Menschen erlebt, die durch energetische Transformation, durch die Kraft von Gebeten und Dankbarkeit stark verschmutztes Wasser zu Wasser mit Heilkraft verwandelt haben." Gerade mit dieser Schilderung löste er so viel Kritik aus, dass er ein Statement hinterherschickte. "Wir predigen nicht", sagte er: "Ich bin kein Experte, doch ich will die Möglichkeit haben, darüber zu entscheiden, was für meinen Körper am besten ist."

Es war nicht die erste Verteidigungsmaßnahme. Zuvor hatte Djokovic zum Ausdruck gebracht, dass er einen Corona-Impfstoff eher ablehne. Der serbische Epidemiologe Pedrag Kon kritisierte ihn sofort, meinte jedoch: "Jetzt ist es zu spät, er hat für falsche Vorstellungen gesorgt." Die Djokovics haben, so sieht es aus, eben ihre ganz eigenen.

© SZ vom 20.05.2020/ska
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