bedeckt München

Nordische Ski-WM:Aufregung im Langlauf: Kläbo verliert Gold

FIS Nordic World Ski Championships

Alexander Bolschunow (mi.) bricht bei der Kollision mit Johannes Kläbo (li.) der Stock

(Foto: REUTERS)

Weil er den Russen Alexander Bolschunow im Zielsprint behindert hat, wird Johannes Kläbo aus Norwegen der WM-Titel über 50 Kilometer aberkannt.

Johannes Hösflot Kläbo durfte sich eine Stunde lang als strahlender WM-König von Oberstdorf fühlen, doch dann schubste ihn die Jury vom Thron: Ausgerechnet das letzte Rennen der WM in Oberstdorf ist in einem Eklat geendet, wieder war der umstrittene Langlauf-Rüpel Alexander Bolschunow beteiligt. Doch diesmal war der Russe das Opfer und durfte sich nicht einmal über Kläbos Disqualifikation freuen - denn Gold ging dennoch an Norwegen.

"Das ist eine seltsame Art, Weltmeister zu werden", sagte der unverhoffte Weltmeister Emil Iversen, der nie zuvor eine große Einzelmedaille gewonnen hatte: "Aber auf jeden Fall ist es ein großer Tag für mich. Für mich geht ein Traum in Erfüllung, aber für Johannes tut es mir leid und ich unterstütze die Entscheidung der Jury nicht. Ich werde ihn fest umarmen, er ist der moralische Sieger."

Die Szene des Anstoßes, welche die norwegisch-russische Langlauf-Rivalität hochkochen ließ, spielte sich eingangs der Zielgeraden des Königsrennens über 50 km ab. Im Duell um Gold, das Kläbo und Bolschunow schon in der Staffel zu Gunsten Norwegens ausgefochten hatten, lag der Russe knapp vorne und bog auf die Rechtsaußenspur ein. Kläbo wollte aus voller Fahrt noch weiter rechts vorbei ziehen, kollidierte mit seinem Gegner, wobei Bolschunows Stock brach.

Der bereits dreimalige Oberstdorf-Weltmeister Kläbo gewann den Sprint, der chancenlose Bolschunow kam noch hinter Iversen als Dritter ins Ziel. Nach erfolgreichem Protest und erfolglosem Gegenprotest wurde der 24 Jahre alte Kläbo disqualifiziert, sein Landsmann Iversen war der neue Weltmeister und Bolschunow als Zweiter ebenso bedient wie zuvor als Dritter. Allerdings kündigten die Norweger eine weitere Berufung an. Bronze ging an den Norweger Simen Hegstad Krüger. Jonas Dobler (Traunstein) rückte auf Rang 17 vor und sorgte für das beste Einzel-Ergebnis der deutschen Männer bei der Heim-WM.

Kläbo hatte zuvor im Sprint, Teamsprint und mit der Staffel Gold geholt.

"Das war grenzwertig von Kläbo. Da war einfach kein Platz mehr", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder zu der strittigen Situation: "Wenn er meint, er muss die Spur wählen, die der vor ihm laufende Bolschunow wählt, finde ich es grenzwertig. Wenn er hintendran ist, muss er normalerweise um Bolschunow herumlaufen und die linke Spur wählen."

Bolschunow beschäftigte damit erneut die Regelhüter der Fis. Der 24-Jährige war erst kurz vor der WM wegen unsportlichen Verhaltens zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, nachdem er Ende Januar bei der Staffel in Lahti den Finnen Jona Mäki mit einem Bodycheck niedergestreckt hatte. Bolschunow hatte Absicht bestritten. Kläbo hatte zuvor im Sprint, Teamsprint und mit der Staffel Gold geholt. Dennoch durfte sich Norwegen über die Medaillen Nummer 30 und 31 der Titelkämpfe in Oberstdorf freuen.

Mit insgesamt 31 Podestplätzen (13xGold, 11xSilber, 7xBronze) verbesserte das Team Norge den eigenen WM-Rekord aus dem Jahr 2019 (25 Medaillen) deutlich, 13 Titel bedeuten die Einstellung der eigenen Bestmarke von vor zwei Jahren. 43 Prozent aller Medaillen gingen an die Skandinavier.

© SZ.de/dpa/ska
Zur SZ-Startseite
Langlauf: Alexander Bolschunow attackiert seinen Kontrahent Joni Mäki

Skilanglauf
:Ein Ausraster, der nachhallt

Die Langlauf-Szene ist entsetzt über die Attacke von Alexander Bolschunow gegen seinen finnischen Gegner. Der Vorfall legt die Gräben zwischen dem russischen Sport und der restlichen Konkurrenz offen.

Von Volker Kreisl

Lesen Sie mehr zum Thema