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Nordische Ski-WM in Oberstdorf:Deutsches Langlauf-Debakel im Wintermärchenland

Strahlender Sonnenschein, glitzender Schnee - doch strahlende Sieger gab es am ersten WM-Tag zumindest auf deutscherSeite nicht. Die Langläufer blamierten sich tüchtig. Einzig die Skispringer lassen noch auf Medaillen hoffen.

Martin Schmitt und Kombinations-Weltmeister Ronny Ackermann erreichten beim Training Bestweiten. Die ersten WM-Titel bejubelten die Langläufer Katerina Neumannova (Tschechien/10 km) und Pietro Piller Cottrer (Italien/15 km). Der Japaner Yuichi Onda fiel mit zu hohem Hämoglobinwert auf.

dpa

Pech gehabt: Langläufer Jens Filbrich stürzt auf der Zielgeraden. Ihn überholt der Italiener Pietro Piller Cottrer überholt und gewinnt Gold.

(Foto: Foto: dpa)

Die deutschen Skilangläufer erlitten in Oberstdorf ein wahres Auftakt-Debakel: Titelverteidiger Axel Teichmann landete geschlagen auf Rang sieben, die Mitfavoriten Tobias Angerer und Rene Sommerfeldt stürzten als 19. und 34. total ab.

"Seuchentag für uns"

"Ich hatte doch nach der Krankheit nichts zu verlieren", sagte Axel Teichmann. Er hatte sich wegen einer Erkältung erst wenige Stunden vor dem 15-km-Lauf zum Start entschied. "Ich wollte das Rennen zum Einlaufen nutzen und habe ein gutes Ergebnis abgeliefert. Die Stimmung bei uns ist insgesamt natürlich bedröppelt. Wir müssen uns jetzt gegenseitig aufbauen und zeigen, dass wir ein starkes Team sind."

Der von Krämpfen geplagte Weltcup-Titelverteidiger Rene Sommerfeldt bilanzierte einen "Seuchentag für uns". In das triste Bild passte auch der Sturz von Jens Filbrich auf der Zielgerade vor 25.000 enttäuschten Zuschauern "So ein dummer Bauchklatscher vor so vielen Zuschauern. Jetzt bin ich der Depp des Tages", meinte Filbrich. Immerhin wurde er noch Achter wurde.

Schwache Damen-Vorstellung

Die Damen gaben ohne den kranken Teamstar Claudia Künzel eine schwache Vorstellung. Mit Rang 18 war Evi Sachenbacher noch die Beste. Gold holte erstmals in der WM-Geschichte eine Tschechin: Katerina Neumannova.

"Wir wollten um die Medaillen kämpfen. Das ist nicht gelungen. Aber Axel war dicht dran und hätte sicher eine geholt, wenn die blöde Erkältung nicht dazwischen gekommen wäre", sagte Jochen Behle. Der Bundestrainer zeigte sich auch mit Filbrich und dem auf Rang 13 gelandeten Junioren-Weltmeister Franz Göring zufrieden. Enttäuscht hätten vor allem Angerer, Sommerfeldt sowie das komplette Damen-Team.

Der Japaner Yuichi Onda (88. im Gesamtweltcup) fiel als erster Langläufer bei den Blutdoping-Kontrollen des Weltverbandes (FIS) mit zu hohem Hämoglobinwert auf. Wie FIS-Renndirektor Jürg Capol dem Sportinformationsdienst sid bestätigte, wurde Onda entsprechend der FIS-Regel mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt. Ein regulärer Dopingtest wurde durchgeführt. Nach der Sperre wird Onda, der bislang nicht als Dopingsünder aufgefallen ist, erneut getestet.

Schmitt: Die Sicherheit ist da

"Jetzt habe ich eine ganz andere Form, als noch vor ein paar Wochen. Die Technik stimmt. Ich komme mit der Schanze prima zurecht. Die Sicherheit ist da, deshalb konnte ich zwei Sprünge auslassen", erklärte Martin Schmitt.

Der Ex-Weltmeister vom SC Furtwangen dominierte überraschend mit Versuchen auf 100 sowie 98 Meter bereits das erste Training der Skispringer. Am Abend packte er bei seinem zweiten Auftritt auf der alten Normalschanze am Schattenberg nach einem neuerlichen Bestweiten-Satz auf 96 Meter vorzeitig ein.

Der Finne Jussi Hautamäki (93 m), Michael Uhrmann (92,5) und Titelverteidiger Adam Malysz (Polen/92) kamen Schmitt beim ersten Abend-Durchgang noch am nächsten.

Ackermann knackt als Einziger 100 Meter-Marke

Am Vormittag hatten nur Martin Höllwarth (Österreich/100,5 und 96) sowie Topfavorit Janne Ahonen (Finnland/100 und 97) mit dem wiedererstarkten Schwarzwälder mitgehalten und danach auf das Abend-Training verzichtet.

"Der Martin hat das Abspringen wieder gelernt und kann wieder mit den Besten mithalten", meinte Cheftrainer Reinhard Heß.

Das galt auch für Ronny Ackermann. In seinem letzten Trainingsversuch segelte er auf der 101 Meter und knackte damit als einziger Nordisch-Kombinierer beim Abschlusstraining die 100-Meter-Marke.

"Das war der mit Abstand beste Sprung seit langem. Der hat richtig Selbstvertrauen gegeben", meinte der Thüringer. Ackermann tritt am Freitag (11.00 Uhr/live in der ARD und bei Eurosport) als Titelverteidiger zum Einzelwettkampf an.

© sid
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