Nordische Ski-WM Im Zug zu Gold

Norwegens Kombinierer Jarl Magnus Riiber, 21, galt lange als Großtalent. Nun nutzt er seine Vielseitigkeit zum WM-Titel - die Deutschen landen abgeschlagen.

Von Volker Kreisl, Seefeld

Wie schon die ganze Woche, so brannte auch diesmal die Sonne auf die Loipe bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld und verwandelte sie im Laufe des Nachmittags teils in einen Acker, nur weiß. Bis zu 15 Grad waren es, weshalb die Kombinierer schwer schnauften auf ihrem Weg zur Ziellinie. Und am Ende der Plackerei rutschte erstmals auch jener als Sieger drüber, der seit 2017, seit seinem Erscheinen als Top-Talent für Großereignisse als Favorit gilt: der Norweger Jarl Magnus Riiber.

Hinter ihm kam der 36-jährige Österreicher Bernhard Gruber an, der auch dank eines gelungenen Sprungs noch einmal WM-Silber gewann. Bronze holte der Japaner Akito Watabe, 30, wie Riiber oft in seiner Karriere favorisiert, nur eben auch fast genauso oft geschlagen. Weit dahinter wiederum trafen diesmal die zurzeit dominierenden Kombinierer des Deutschen Skiverbandes (DSV) ein, als Erster von ihnen Johannes Rydzek auf Rang acht des Gesamtklassements, als Letzter Terence Weber (25.), dazwischen als Dreierpulk Vinzenz Geiger, Fabian Rießle und Eric Frenzel. Mit den Medaillen und mit dem Sieg hatten sie diesmal nichts zu tun, den schnappte sich Jarl Magnus Riiber. 21 Jahre ist er alt, und vergleicht man eine Sportlerkarriere mit dem Leben, dann hat er gerade die Pubertät hinter sich. Riibers Stärken reiften in stark unterschiedlichem Tempo. Erst erschreckte er den Rest der Weltspitze mit außerordentlichen Weiten auf der Schanze, dann brachte er ein Jahr mit wiederholten Schultermalaisen hinter sich, worauf er sich mehr Laufstärke antrainieren musste, wobei wiederum vielen Kombinierern wegen muskulöser Beine zunächst das Feingefühl für die Schanze abhanden geht. All das ging in diesem Winter aber viel schneller als von der Konkurrenz berechnet. Obendrein ist Riiber nun auch fähig, sich die Kraft einzuteilen und die Gegner zu täuschen, wie er es nun auf der letzten Runde, auf dem Weg zu seinem ersten großen Sieg, vorgeführt hat. Für die deutschen Läufer war dies ein kleiner Rückschlag vor dem finalen Staffelrennen am Samstag, für die Nordische Kombination insgesamt aber ein ermutigendes Zeichen. Der Sport wird seit einigen Jahren ohnehin nur noch von einer kleinen Gruppe Nationen - Deutschland, Japan, Norwegen, Österreich - auf höchstem Niveau gepflegt. Für Talentsucher in Frankreich, Finnland oder Italien wird die Arbeit nicht leichter, wenn immer nur eine dominierende Nation gewinnt. Zwar lagen Weinbuchs Springer und Läufer im Weltcup zuletzt nicht mehr an der Spitze, doch bei Weltmeisterschaften und Olympia besetzen sie seit drei Wintern fast immer die besten Plätze. Bis zu diesem Tag.

Als wäre es ein Leichtes gewesen: Jarl Magnus Riiber strahlt im Ziel, die Konkurrenz muss sich erst noch sammeln.

(Foto: Matthias Schrader/AP)

Dass Weinbuchs Serie von neun Goldmedaillen nacheinander bei Jahreshöhepunkten beim zehnten Versuch zu Ende gehen würde, hatte sich am Vormittag abgezeichnet. Frenzel, Olympiasieger und von der Großschanze zuvor zum siebten Mal Weltmeister geworden, kam nun mit der windumströmten kleineren Toni-Seelos-Schanze in Seefeld nicht zurecht. "Es war doch sehr wechselhaft, mit vielen Pausen", sagte er danach, das habe die Konzentration erschwert. Ihm blieb geringe Hoffnung auf einen der vorderen Plätze: indem sich ein Zug bildet, zusammengekoppelt aus mehreren Top-Läufern, die sich bei der großen Aufholjagd abwechseln und Kräfte sparen.

Der Zug bildete sich dann tatsächlich und pflügte auch auf der Jagd nach Riiber durch die Loipe - nur konnten Frenzel und die anderen schnellen deutschen Läufer nicht aufspringen. Terence Weber und Vinzenz Geiger, nach dem Springen am besten platziert, fielen sogar irgendwann zurück. "Vinzenz hat viel riskiert, ist dann aber eingebrochen", sagte Weinbuch, "er war bis vor zwei Wochen ja noch angeschlagen." Für die Staffel am Samstag bedeute dieser Tag indes nichts. Am Ende, so Weinbuch, hätten alle wohl auch Kräfte gespart. Schließlich waren es also Gruber, Watabe und der zweite Österreicher Franz-Josef Rehrl, die Riiber noch einholten. Rund acht Kilometer waren da gelaufen, zwei standen noch bevor, und, so viel war klar, das Rennen würde nun anders ausgehen - in einem spannenden, fürs Publikum attraktiven Zielsprint.

Im Ziel der Nordischen Kombination: Johannes Rydzek aus Oberstdorf, als Achter bester Deutscher.

(Foto: Hendrik Schmidt7dpa)

Riiber hatte zuvor einen Abstand herausgelaufen, war dann zurückgefallen, zog wieder an und ließ sich schließlich am Ende eines Anstiegs stellen. Auf der Kuppe verringerte er das Tempo, bot den drei Verfolgern den Vortritt, stieg hinten in deren Zug ein, zeigte aber keine Anzeichen von Erschöpfung. Rehrl fiel bald zurück, das Trio steigerte das Tempo, und als es ins Stadion ging, war der im Windschatten erholte Riiber nicht mehr zu schlagen. Watabe und Gruber fielen zurück, der junge Norweger erreichte die Ziellinie als Erster und holte auch seine erste Goldmedaille - es wird nicht seine letzte sein.