Nordische Kombiniererin Gyda Westvold Hansen:Magie des ersten Moments

Nordische Ski-WM Oberstdorf

Springendes Dreigestirn: Norwegens siegreiche Kombiniererinnen Mari Leinan Lund, Gyda Westvold Hansen und Marte Leinan Lund (von links) gehen in Oberstdorf in die Luft.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

"Es ist immer etwas Besonderes, wenn man Teil der Sportgeschichte sein darf": Die Norwegerin Gyda Westvold Hansen ist die erste Weltmeisterin in der Nordischen Kombination.

Die 18 Jahre alte Gyda Westvold Hansen drapierte voller Stolz als erste Kombinations-Weltmeisterin die norwegische Fahne um ihre Schultern. Und die gar erst 16-jährige Cindy Haasch lief auf Platz elf überglücklich als erste Deutsche ins Ziel eines WM-Rennens. Passenderweise waren es die ganz jungen Athletinnen, die bei der Premiere der jüngsten nordischen Disziplin auf höchster Ebene in Oberstdorf die Hauptrollen spielten. "Ich war sehr nervös. Es hat sich irgendwie total unreal angefühlt, dass ich heute mein Land bei einer WM vertreten darf", sagte Haasch: "Aber im Rennen habe ich dann nicht mehr darüber nachgedacht."

Vorne setzte aber die führende nordische Nation die Maßstäbe. Junioren-Weltmeisterin Westvold Hansen war auch bei den Großen eine Klasse für sich und gewann nach einem Sprung von der Normalschanze sowie fünf Kilometern in der Loipe vor ihren norwegischen Kolleginnen, den Schwestern Mari und Marte Leinand Lund. Die frühere Skisprung-Weltmeisterin Svenja Würth aus Baiersbronn fiel von Platz drei nach dem Schanzendurchgang noch auf Rang 17 zurück. "Ich bin hier nervöser als ich beim Skispringen war. Das ist alles noch nicht so routiniert", sagte die 27-Jährige, die im jungen deutschen Team die Führungskraft ist: "Dass ich im Laufen keine Glanzleistungen vollbringen kann, ist mir klar."

Ergebnisse waren auch nicht das Wichtigste, weder für Haasch und Würth noch für die ehemalige Junioren-Weltmeisterin Jenny Nowak und Maria Gerboth auf den Plätzen 18 und 19. "Ich hoffe, dass man hier sieht, dass die Kombination der Frauen die Berechtigung hat, hier zu sein", sagte Würth: "Es ist immer etwas Besonderes, wenn man Teil der Sportgeschichte sein darf." Auch Gerboth wies auf die Magie des Moments hin: "Die WM-Aufnahme war ein Meilenstein für uns, den wir endlich erreicht haben", sagte sie. "Das ist nicht das Ende des Weges, das ist erst der Anfang."

Raum für Entwicklungen ist definitiv noch vorhanden, das Niveau war hinter den Besten noch nicht das allerhöchste - kann es aber auch noch nicht sein. 31 Athletinnen gingen an den Start in dieser jungen Sportart, erst im Dezember hatte es den ersten Weltcup gegeben. Dort, in Ramsau, hatte noch die Amerikanerin Tara Geraghty-Moats gewonnen, die diesmal nach verpatztem Sprung nur Fünfte wurde. Als Trostpflaster bekommt sie noch in Oberstdorf die Kristallkugel für den Gewinn des Gesamtweltcups - dabei wurde in diesem Winter lediglich ein Weltcup ausgetragen. Das bisherige Minimalprogramm soll sich schnell vergrößern. "In den nächsten Jahren wollen wir vier Wochenenden im Kalender haben. Schön wäre es, Weltcups zusammen mit den Männern auszutragen", sagte Horst Hüttel, verantwortlich für die Kombinierer im deutschen Verband DSV.

© SZ/sid/bkl/grö
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