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Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac:Neuer Job im Zirkus

FC Bayern: Trainer Niko Kovac beim Spiel gegen den FSV Mainz 05

„Es ist nicht so, dass wir stehen bleiben und die anderen sich weiterentwickeln“: Niko Kovac.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Nach dem Abschied vom FC Bayern lauert das nächste Abenteuer auf Niko Kovac: Er trainiert den AS Monaco, ein Klub, bei dem es bisweilen verrückt zugeht.

Von Oliver Meiler

Kann man die Côte d'Azur ausschlagen? Als Arbeitsplatz sogar? Nein, befand Niko Kovac, der bei der Association Sportive Monaco unterschrieben hat, wie der russisch finanzierte Verein aus dem Fürstentum am Sonntagabend verkündete. Der einstige Bayern-Trainer signierte einen Vertrag über drei Jahre - üppig bemessen, zumal dabei auch das Mittun seines Betreuerteams samt Bruder Robert berücksichtigt ist. Sie sollen auf dem "Rocher", dem Felsen, wie die Monegassen ihr kleines Stück dicht bebauter Scholle im Süden Frankreichs nennen, ein nachhaltiges Modell begründen.

Doch was ist bei diesem rotationsverrückten, dauerwirbligen Klub schon nachhaltig? Wahrscheinlich dachte auch der Spanier Robert Moreno, der bisherige Coach, er baue an der Zukunft, als er seine Spieler am vergangenen Samstag auf dem Trainingsgelände hoch über dem Mittelmeer versammelte. Drei Wochen waren sie schon wieder im Übungseinsatz, die letzten Wettkämpfe sind lange her. Die Ligue 1 ist ja von allen großen europäischen Meisterschaften die einzige, die den Betrieb im März wegen Corona einstellte und auf Geheiß der Regierung nicht mehr wiederaufnahm. Um ein bisschen in Form zu bleiben, absolvieren die Teams jetzt Freundschaftsspiele, manche sogar mit einigen Tausend, nicht immer disziplinierten Zuschauern, was natürlich ein Widersinn in sich ist. Aber zumindest die, die noch in europäischen Wettbewerben mitmachen, zum Beispiel Paris St. Germain und Olympique Lyon, können es sich leidlich leisten, nach fünf Monaten ganz ohne Elf gegen Elf wieder auf die große Bühne zurückzukehren.

Beim AS Monaco haben sie dieses Problem nicht, der Verein dümpelt nun schon eine Weile in niedereren Gefilden, man bereitete sich auf die neue Saison vor. Moreno schloss also gerade die Trainingseinheit, da rief ihn der Sportdirektor zu sich. Paul Mitchell, der früher bei RB Leipzig, Southampton und Tottenham Hotspur tätig war, hatte erst vor einem Monat übernommen, und nun: Entließ er Moreno. Nach nur 13 Spielen und ausgeglichener Bilanz: fünf Siege, drei Remis, fünf Niederlagen, die letzte davon im Derby, 1:2 gegen Nizza, neunter Platz. Vom Katalanen, der mal kurz Trainer von Spaniens Nationalteam war und dann recht rüde von seinem ewigen Vorgesetzten und Mentor Luis Enrique weggeschickt wurde, hatte man in Monaco das Maximum erwartet: Fußball nach Barça-Stil, Ballbesitz, Dominanz. Einfach so, aus dem Nichts. Das konnte nicht gut gehen, und es ging auch nicht gut: Monaco hatte unter Moreno im Schnitt weniger als 50 Prozent Ballbesitz.

Kylian Mbappé war plötzlich 180 Millionen Euro wert

Das Missverständnis steht stellvertretend fürs Ganze, für den "Zirkus" bei Monaco, in dem sich auch Niko Kovac erst einmal zurechtfinden müsste. Die Sportzeitung L'Équipe nannte es jetzt auf der ersten Seite "Die permanente Revolution", es ist eine nette Deutung der Zustände. Eine kurze Rückblende: Als der russische Multimilliardär Dmitrij Rybolowlew aus Perm, reich geworden mit einer Düngefirma, 2010 nach Monaco zog - in sein Penthouse im Palais "La Belle Epoque", mit 220 Millionen Euro angeblich die teuerste Wohnung der Welt -, da dachte noch niemand, dass der Mann sich für Fußball interessieren würde. Eishockey war ihm näher, in Perm ist Eishockey wichtiger als Fußball.

AS Monaco lag damals am Boden, Ligue 2 und abstiegsgefährdet. Rybolowlew bot dem Fürsten an, für einen symbolischen Euro zwei Drittel am Verein zu übernehmen und viel Geld zu investieren. Es hieß auch, der schillernde Oligarch und Kunsthändler mit den vielen Immobilien in der ganzen Welt habe die Investition vor allem deshalb getätigt, weil er sich davon den monegassischen Pass versprach, der ihm offenbar dabei helfen sollte, sich den Fängen der russischen Justiz zu entziehen. Rybolowlew hatte sich mit Wladimir Putin überworfen.

Er investierte also viel Geld, tat sich mit dem portugiesischen Spielervermittler Jorge Mendes zusammen, holte große Namen aus dessen Kartei, der Verein stieg auf, alle waren zufrieden. Richtig spannend aber war das Modell, das in der zweiten Phase seiner Regentschaft versucht wurde - und auch das war fragwürdig. Monaco setzte auf die Ausbildung junger Talente, verpflichtete sie im Dutzend, ließ sie auch international auflaufen, und da manche von ihnen ihre Chance ergriffen, konnten sie am Ende mit gigantischem Gewinn weiterverkauft werden. Ein Beispiel für alle: Kylian Mbappé, heute 21 und in Paris, war plötzlich 180 Millionen Euro wert.

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