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Niko Kovac nach dem 1:5:"Ich gebe auch jetzt nicht auf"

Eintracht Frankfurt - Bayern München

Niko Kovac in Frankfurt.

(Foto: dpa)
  • Der FC Bayern verliert mit 1:5 in Frankfurt. Jérôme Boateng sieht nach acht Minuten die rote Karte.
  • Trainer Niko Kovac äußert sich kämpferisch und merkt an, dass man auch in der vergangenen Saison eine schwierige Phase gemeistert habe.
  • Doch die Verantwortlichen des FC Bayern schweigen in Frankfurt. Das öffentliche Training am Sonntag sagt der Klub ab.

Nach ein paar Minuten war es dann tatsächlich so weit, dass Niko Kovac lächelte. Schwer geknickt saß der Trainer des FC Bayern nach diesem denkwürdigen Nachmittag in der obligatorischen Pressekonferenz, die Stimme merklich beschlagen, der Blick müde. Doch einen Moment empfand er dann doch als erheiternd. Es ging um die Gründe für die Niederlage, und Kovac wollte nicht zu lange ausholen. "Egal, was ich sage, es ist eh zu viel beziehungsweise zu wenig, da würden wir noch Stunden hier sitzen", sagte er also. Auf die Replik des Fragestellers, dass man Zeit habe, entgegnete Kovac grinsend: "Wir nicht, wir müssen fliegen."

Es war ein Tag, an dem Niko Kovac und dem FC Bayern sonst nicht zum Lächeln zumute war. 1:5, so stand das da überall, und das ist eines dieser Ergebnisse, das sich ausgeschrieben fast noch treffender liest: eins zu fünf. Der Fußball ist immer schnell mit großen Vokabeln zur Hand. Blamage, Demütigung, solche Sachen. Aber wie lässt sich ein solches Ergebnis sonst klassifizieren?

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Mit 1:5 hat der FC Bayern schon nahezu ewig kein Bundesligaspiel mehr verloren, seit dem Spiel gegen Wolfsburg am 4. April 2009, um genau zu sein. Und als die Frankfurter in den Schlussminuten noch manches Mal in Richtung Münchner Tor rannten, konnte der Gedanke aufkommen, dass an diesem Tag sogar der Auswärtsniederlagen-Rekord des FC Bayern fallen könnte, ein 1:7 bei Fortuna Düsseldorf im Dezember 1978. Er könne sich nicht daran erinnern, als Trainer jemals so hoch verloren zu haben, sagte Kovac.

Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic sagen kein Wort

Seit 16 Monaten ist Kovac Trainer des FC Bayern. Aber es ist die Frage, wie viele Tage noch dazukommen. Es war ja nicht einfach nur ein schlechter Nachmittag in Frankfurt, sondern dieser schlechte Nachmittag in Frankfurt wirkte wie der Höhepunkt einer langen negativen Entwicklung. Vor ein paar Tagen erst gab es dieses mühsame 2:1 im Pokal gegen Bochum, davor die knappen Siege gegen Union und Piräus, davor die schwachen Auftritte gegen Augsburg (2:2) und Hoffenheim (1:2). Seit dem 7:2 gegen Tottenham Hotspurs bot der FC Bayern letztlich kein überzeugendes Spiel mehr, und neben der Spielweise stört manch einen in München auch manch rhetorischer Auftritt von Kovac in den vergangenen Wochen.

Längst haben daher die üblichen Debatten um den Trainer eingesetzt, längst geistern abwegige und weniger abwegige Namen als potenzielle Nachfolger umher. "Ich weiß, wie das Geschäft läuft. Ich bin nicht naiv oder blauäugig", sagt Kovac also in Frankfurt. Aber was die Situation für ihn bedeutet, wisse er auch nicht. "Die, die das entscheiden, sind die, die gefragt werden müssen." Aber die, die gefragt werden müssen, ließen sich nicht befragen. Uli Hoeneß sagte in Frankfurt nichts, Karl-Heinz Rummenigge - der übrigens bei jenem 1:7-Auswärtsniederlagen-Rekord gegen Düsseldorf anno 1978 als Mittelstürmer dabei war - sagte nichts, und Sportdirektor Hasan Salihamidzic ließ sich anders als noch vor ein paar Tagen in Bochum nicht einmal zu einem nichtssagenden Freundlichkeitsbesuch ("Ich bin da, einfach nur um da zu sein") hinab. Das öffentliche Training am Sonntag sagte der FC Bayern schonmal ab.

"Wir hatten letzte Saison eine ähnliche Situation, am Ende gab es dann das Double", sagte Kovac: "Ich habe damals nicht aufgegeben und gebe auch jetzt nicht auf." In der Tat gab es auch in der Vorsaison schon eine Herbstkrise, in der er kurz vor dem Rauswurf stand. Aber diesmal scheint die Schwächephase noch anders geartet zu sein, und vieles davon offenbarte sich in Frankfurt nachdrücklich.