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FC Bayern:"Es muss sich auf jeden Fall etwas ändern"

Den Ernst der Lage hatte nach dieser Niederlage Manuel Neuer am deutlichsten formuliert, ausgerechnet der sonst so diplomatische Kapitän, der in den vergangenen Wochen vehement das Team in die Pflicht genommen hatte. Am Samstag sagte Neuer Sätze, die an Kovac, vielleicht sogar an den Vorstand gerichtet waren. "Ich finde, das hat sich schon ein bisschen abgezeichnet. Das ist für mich kein Wunder, was hier heute passiert ist." Nach dem zähen 2:1 im Pokal in Bochum sei die Niederlage in Frankfurt "für mich keine Riesenüberraschung".

Anders als Kovac, der später viel auf die frühe rote Karte für Jérôme Boateng schieben sollte, ließ Neuer den Platzverweis als Ausrede keinesfalls gelten. "Das ist nicht darauf zurückzuführen", sagte er, sondern darauf, "dass es nicht läuft. Damit müssen wir uns auseinandersetzen, wir analysieren es und sprechen Dinge an. Aber es muss sich auf jeden Fall was ändern."

Kovac sagte am Samstag noch kämpferisch: "Ich weiß auch, wie das alles läuft in diesem Geschäft, also von daher bin ich nicht naiv, und ich bin auch nicht blauäugig. Aber wir hatten vergangene Saison eine Situation, wo es auch nicht gut lief. Und unterm Strich ist dann das Double rausgekommen. Ich habe damals nicht aufgegeben, ich gebe niemals auf, und ich gebe auch jetzt nicht auf."

Für die Bayern gibt es nicht wirklich einen Trainermarkt

Die Woche, in der nun Flick, 54, der einstige Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, die Mannschaft betreuen wird, ist auch eine Woche, die die Klubbosse nutzen werden, um, wie es im Ernste-Zeiten-Sprech des Fußballs heißt, den Trainermarkt zu sondieren. Und die Herausforderung für Hoeneß und Rummenigge liegt dabei darin, dass es zurzeit für einen Klub wie den FC Bayern nicht wirklich einen großen Trainermarkt gibt.

Interessante Personalien wie Erik ten Hag (Amsterdam) oder Thomas Tuchel (Paris) sind vertraglich gebunden und wohl - wenn überhaupt - erst im Sommer verfügbar. Ralf Rangnick ist zwar im Red-Bull-Kosmos auch irgendwie vertraglich gebunden, wenngleich kaum jemand weiß, für welche Aufgabe; den Job beim FC Bayern würde er sich mit Sicherheit zutrauen. Doch würden die Bayern sich auch Rangnick zutrauen, mit seinem radikalen Gegen-den-Ball-Fußball, mit seinem mutmaßlich großen Stab, ohne den er kaum zu haben sein wird?

Andere Kandidaten wären frei, Massimiliano Allegri zum Beispiel, der mit Juventus Turin fünfmal in Serie Meister geworden ist, aber kaum Englisch spricht, geschweige denn Deutsch. José Mourinho ist ohne Verein, dem Vernehmen nach lernt er sogar Deutsch, doch ein Ego von diesem Kaliber dürfte selbst den Egos der Münchner Oberen zu groß sein.

Die Zeiten beim FC Bayern bleiben also spannend, zumal sich erst noch zeigen muss, ob die Trainerpersonalie wirklich der entscheidende Punkt war, um alles wieder zum Guten zu ändern.

© SZ vom 04.11.2019/vit

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