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Zehnkampf-Gold für Niklas Kaul:Weltmeister, er?

Leichtathletik-WM 2019: Niklas Kaul jubelt nach dem Gewinn der Goldmedaille

"Die Chance bekommst du vielleicht nie wieder im Leben": Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul.

(Foto: dpa)
  • Niklas Kaul wird überraschend Weltmeister im Zehnkampf, profitiert dabei vom Ausfall des Topfavoriten Kevin Mayer.
  • "Es ist alles noch etwas surreal, was da in den letzten Stunden passiert ist", sagt Kaul nach seinem Triumph. Manche trauen ihm nun zu, dass er eine ganze Ära prägen kann.
  • Hier geht es zum Zeitplan der Leichtathletik-WM.

Niklas Kaul fühlte sich wie ein Weltmeister im Neunkampf. Die letzte Disziplin hatte sich aus seinem Gedächtnis gelöscht, als er nachts um zwei im Khalifa-Stadion in Doha auf dem Pressepodium angekommen war, nach all dem Abklatschen mit den Kollegen und den Jubelschreien, die ihm das deutsche Team da schon gewidmet hatte. "Die 1500 Meter existieren in meinem Kopf nicht mehr", sagte Kaul, "die waren so schnell vorbei." Was ja vor allem an ihm lag, weil er sich mit seinem Lauf über 4:15,70 Minuten die Goldmedaille gesichert hatte. Und sich hinter der Ziellinie schon hinlegen konnte, als die Konkurrenz noch lief.

Ermattet von zwei harten Tagen schnaufte Kaul auf der Bahn, fasste sich immer wieder an die Stirn, schüttelte den Kopf. Weltmeister, er? Daran geglaubt hatte er schon, dass man das irgendwann würde sagen können, er hat ja schon in der Jugend alles gewonnen. Aber nun gleich hier in Doha, bei seiner ersten WM? "Es ist alles noch etwas surreal, was da in den letzten Stunden passiert ist", sagte Kaul später vor den Reportermikrofonen, "das habe ich noch nicht ganz so verarbeitet und das glaube ich kommt die nächsten ein, zwei Tage".

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Mit 21 Jahren und 234 Tagen ist er der jüngste Weltmeister, den seine Disziplin je hervorgebracht hat. Und als Ashton Eaton, sein Vorbild, ein paar Reihen vom Podium entfernt darüber sprach, dass Kaul ein Jahrzehnt prägen könnte, da glänzten dann die Augen des Weltmeisters.

Im Weitsprung wurde seine Weite falsch gemessen

Zehnkämpfer haben ein gewisses Gespür dafür, was ihnen der Tag noch bringen könnte und als Niklas Kaul an diesem zweiten Tag morgens mit Teamkollege Tim Nowak das Hotelzimmer verlassen hatte, dachten sie sich: "Heute wird ein guter Tag." Am Mittwoch lag er nach der Hälfte der Disziplinen auf Rang elf, "der erste Tag ist Schadensbegrenzung", sagte Kaul, es sind da ja nicht seine stärksten Disziplinen. Im Weitsprung gab es dann auch noch Aufregung, weil Kaul nach seinem ersten Sprung nur 6,32 Meter zugesprochen wurden - obwohl er die Siebenmeter-Marke deutlich übersprungen hatte.

Erst nach einem Protest durch den Deutschen Leichtathletik-Verband korrigierte die Jury die Weite, jetzt standen 7,19 Meter in seiner Statistik. Ein sechster Platz könnte noch herausspringen, das war so ungefähr die Prognose von Kaul nach dem ersten Tag. Dass er mit Gold heimgehen könnte, "haben wir überhaupt nicht gedacht". Bisher war es nur dem DDR-Athleten Torsten Voss gelungen, WM-Gold im Zehnkampf zu gewinnen, 1987 in Rom.

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Doch es bahnte sich dann ja über den frühen Abend in Doha schon an: Damian Warner aus Kanada, der spätere Drittplatzierte, blieb im Diskus unter seinen Möglichkeiten, während Kaul eine neue Bestleistung aufstellte. Und anschließend im Stabhochsprung keinen einzigen Fehlversuch zeigte und die 5,00 Meter überquerte, während Weltrekordhalter Kevin Mayer aus Frankreich mit Schmerzen an der Achillessehne aufgeben musste.