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Nike vs. Adidas beim FC Bayern:Wieso hat der FC Bayern nicht aufgepasst?

Angesichts dieser Ausgangslage lässt sich ermessen, wie wichtig Mario Götze für Nike ist. Der Guerilla-Coup mit dem ins Feindesland eingeschmuggelten Hemd hat noch am Dienstagabend auf allen Ebenen eine stille und angeblich auch eine etwas lautere Diplomatie in Gang gesetzt. Bei Adidas wurden die Bilder von Götze mit dem falschen Logo als Provokation wahrgenommen; "negativ überrascht" sei man, teilte das fränkische Unternehmen mit und vergaß nicht hinzuzufügen, dass dies "vertraglich natürlich nicht zulässig" sei, "da es sich um einen offiziellen Termin des Adidas-Partners FC Bayern handelte".

Götze darf in Nike-Schuhen Fußball spielen, ansonsten hat er sich bei offiziellen Anlässen an der Kleiderordnung seines Arbeitgebers zu orientieren - wie bei der Nationalelf, wo die Nike-Spieler auch im Dreistreifenhemd auftreten. Hinter vorgehaltener Hand hat man sich bei Adidas auch die Frage gestellt, ob die anwesenden Bayern-Verantwortlichen - Sportvorstand Sammer und Mediendirektor Markus Hörwick - den Fauxpas nicht hätten bemerken müssen. Laut Hörwick hat sich Bayern inzwischen entschuldigt und versprochen, "dass so etwas nicht wieder vorkommen wird". Das Shirt sei in der allgemeinen Hektik "durchgegangen, das ärgert uns selbst".

Überhaupt waren die Parteien am Tag darauf demonstrativ bemüht, den Fall als geklärt zu betrachten. Man sei wieder "ganz entspannt", sagte Götzes Berater Volker Struth am Mittwoch nach erledigter Krisen-PR. Seine Agentur hatte noch am Dienstag eine Entschuldigungs-Mail an Adidas versandt, Struth hängte ein persönliches Telefonat an, auch dem Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat er sein Bedauern übermittelt.

Die Beteiligten schweigen auch weiterhin darüber, wie genau es zu diesem Stich ins fränkische Herz kommen konnte. Dass ein Nike-Mitarbeiter den Profis vor dem Auftritt ein passendes Shirt nahegelegt haben soll, wird von niemandem bestätigt. Der Spieler Jan Kirchhoff sagte allerdings, er habe das Hemd "auf Geheiß meines Sponsors" getragen.