Niederlage zum Saisonauftakt:1860 ist von den Socken

Fussball 2. Bundesliga : FC Heidenheim - TSV 1860 München

In roten Socken: 1860-Kapitän Christopher Schindler (Mitte) ist verärgert.

(Foto: Christina Pahnke/sampics)
  • Die Blauen müssen ausgerechnet rote Stutzen tragen - und verlieren 0:1. Der Saisonauftakt des TSV 1860 geht in Heidenheim rundum schief.
  • Nach einem Spieltag stehen die Münchner schon unter Druck.
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Von Philipp Schneider

Laute Rufe hallten durch die kleine Fußballarena, die sie in Heidenheim errichtet haben. Es waren die Stimmen der Gäste aus München, die zusammengedrängt in einer Ecke hockten und nun im Protest riefen: "Stutzen weg! Stutzen weg!" Es dauerte nicht lange, da drang der Befehl der Fans an die Ohren der Adressaten. Und die Profis des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München, die gerade ihre erste Partie der neuen Saison mit 0:1 verloren hatten, gehorchten: Sie zogen ihre Schuhe aus, griffen mit den Fingern nach den Socken - und warfen sie mit Nachdruck auf den Heidenheimer Rasen. "Wir waren noch so freundlich und haben die Stutzen ausgeliehen. Weil sie keine anderen dabei hatten!", rief kurz darauf Frank Schmidt auf der Pressekonferenz, der wegen einer Nachfrage erboste Heidenheimer Trainer. Was war da nur los?

Vor Beginn der Partie hatte eine mittelschwere Irritation den Gästeblock heimgesucht. Als die Löwen auf den Platz gelaufen waren, in ihren neuen Auswärtstrikots: Dunkelblaues Leibchen, weiße Hose, rote Stutzen.

Rote Stutzen?

Ja, tatsächlich. Offenbar war in der Planungsphase dieser Partie etwas schiefgelaufen. Obwohl ja die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Trikots der Heidenheimer und Münchner zuvor genehmigt hatte, sagte Lil Zercher, die Pressesprecherin von 1860. Schiedsrichter Christian Dingert habe dann kurz vor Anpfiff allerdings angemerkt, die schönen, neuen, weiß-blauen Stutzen nicht an den Waden der Münchner sehen zu wollen. Weil die den dunkelblauen der Heidenheimer einfach zu ähnlich seien. Markus Rejek, Sechzigs Geschäftsführer, soll dann mit Engelszungen auf Trainer Schmidt eingeredet haben, um ihn davon zu überzeugen, dass seine Spieler doch bitte auf die eigenen roten Strümpfe ausweichen mögen. Und auch auf Klaus Mayer, Heidenheims Präsidenten. Alles vergeblich.

Weil die Münchner keine anderen Strümpfe eingepackt hatten, wurden die tiefblauen Löwen dazu verurteilt, in Stutzen zu schlüpfen, die in einem von echten Löwen verhassten Rot gefärbt waren. Warum der Schiedsrichter nicht verlangte, dass die Heidenheimer ihre eigenen Stutzen überziehen, erschloss sich zunächst nicht. Möglicherweise, weil sie als Heimmannschaft ein Sonderrecht auf Sockenverleihung genossen? "Mit Fairplaygedanken im Hinterkopf hätte man das auch anders regeln können", befand der ebenfalls fassungslose Münchner Trainer Torsten Fröhling: "Das war die Höchststrafe. Es war das Mindeste, dass wir die Stutzen vor den Fans ausziehen!"

In jedem Fall war es ein Anblick mit Seltenheitswert. Genau wie die Aufstellung, zu der sich Fröhling entschied: In Anbetracht so überraschend weniger neuer Spieler, die ihm der zum Sportdirektor degradierte Gerhard Poschner in diesem Sommer erstanden hatte, dachte sich Fröhling wohl: Jetzt probiere ich mal etwas Verrücktes! Er nominierte den Südafrikaner Daylon Claasen, den er fast die gesamte Vorbereitung als Rechtsverteidiger erprobt hatte für das zentrale, offensive Mittelfeld. In die Abwehr rückte für ihn Vladimir Kovac. Und Fröhling vertraute - weniger überraschend - in der Innenverteidigung dem Zugang Milos Degenek, der sich in den Testspielen aufgedrängt hatte, anstelle von Relegationsretter Kai Bülow.

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