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American Football:Die NFL stellt sich gegen Trump

NFL - Brees und Kaepernick

Eine Begegnung im November 2016: Colin Kaepernick (rechts), damals noch Quarterback der San Francisco 49ers, mit Drew Brees von den New Orleans Saints. Kaepernick ist heute arbeitslos und eine Symbolfigur der Proteste, denen sich Brees nach heftigen Irritationen angeschlossen hat.

(Foto: D. Ross Cameron/dpa)

Die weißen Quarterbacks Brees, Rodgers und Brady solidarisieren sich mit ihren schwarzen Kollegen, die friedlich protestieren wollen - daraufhin gibt die US-Footballliga wohl erstmals in ihrer Geschichte einen Fehler zu.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Drew Brees hat verstanden. Er hat einfach mal zugehört, sagt er, und ist nun sogar bereit, selbst dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Meinung zu sagen. "An Donald Trump", schreibt der weiße, als sehr konservativ bekannte Spielmacher der New Orleans Saints in ein Bild auf dem sozialen Netzwerk Instagram: "Ich habe verstanden, dass es nicht um die US-Flagge geht; dass es nie um sie gegangen ist. Wir müssen aufhören, über die Flagge zu reden - und unsere Aufmerksamkeit der rassistischen Ungerechtigkeit, Polizeigewalt und ökonomischer Unterdrückung zuwenden. Wir Weiße müssen jetzt zuhören und lernen."

Wer verstehen will, warum diese Worte so bedeutsam sind für die US-Footballliga NFL und das Land, der sollte wissen, wer Peter Norman gewesen ist. Es gibt den wunderbaren Film "Salute", er ist auf Amazon zu sehen, es geht um den Protest der amerikanischen Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko. Die beiden Medaillengewinner im 200-Meter-Lauf streckten während der Siegerehrung beim Abspielen der US-Hymne jeweils eine Faust in den Himmel, das Bild ist eines der bekanntesten der Sportgeschichte - und Norman ist der dritte Athlet auf dem Treppchen.

Er war gerade das Rennen seines Lebens gelaufen und hatte mit persönlicher Bestleistung von 20,06 Sekunden (die er nie mehr erreichen sollte) die Silbermedaille gewonnen - und er war bei dem stillen Protest nicht zufällig dabei. Smith und Carlos hatten ihn nach dem Rennen in ihre Pläne eingeweiht. Norman hörte zu und fragte, wie er sich beteiligen könne. Er blieb dann auf dem Podest, hob seine Faust aber nicht, sondern trug den Anstecker mit der Aufschrift "Olympic Project for Human Rights". Er zeigte sich solidarisch mit den Kollegen. "Das war nicht sein Kampf", sagt Carlos im Film: "Er war nicht schwarz, er war kein Amerikaner - er hätte das nicht tun müssen. Aber er war ein ganzer Kerl."

Es wird über Kaepernicks Protestform diskutiert

Es brennt derzeit in den USA, nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd gab es in der vergangenen Woche Proteste in mehr als 200 US-Städten; bisweilen gewaltsame, weshalb sich die Leute an den stillen Protest von Colin Kaepernick erinnerten. Der Quarterback der San Francisco 49ers hatte 2016 und 2017 beim Abspielen der Nationalhymne vor den Partien gekniet, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu demonstrieren. Trump schimpfte ihn deshalb einen "Hurensohn" und forderte, dass er entlassen werden und das Land verlassen solle - zumindest Ersteres trat ein, Kaepernick ist bis heute arbeitslos.

Nun debattierten die Leute angesichts der Gewalt auf den Straßen (die sehr häufig auch von Polizisten ausgegangen war), ob Kaepernick nicht genau die richtige Form gewählt hatte. Nein, hatte Brees zunächst in einem Video gesagt: "Ich werde nie einer Meinung mit jemandem sein, der die Flagge der Vereinigten Staaten nicht respektiert." Nach Kritik von Mitspielern und Fans - es versammelten sich Hunderte vor dem Stadion in New Orleans und brüllten: "Fuck Brees!" - veröffentlichte Brees, der seit dem Super-Bowl-Sieg der Saints 2010, fünf Jahre nach dem katastrophalen Hurrikan Katrina, als Stadtheiliger galt, eine halbherzige Entschuldigung, die alles nur noch schlimmer machte.

Brees' Teamkamerad Michael Thomas, einer der besten Passempfänger der Liga, organisierte daraufhin ein Video mit den wichtigsten afroamerikanischen NFL-Profis, das jedem, der es sah, nahegehen musste. Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs), Saquon Barkley (New York Giants), Odell Beckham Jr. (Cleveland Browns) und viele andere sprachen die Namen der Opfer aus, dann sagten sie: "Wir werden nicht mehr zum Schweigen gebracht werden, sondern wir bestehen auf unserem Recht, friedlich protestieren zu dürfen."

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