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Streik im American Football:Show me the money!

January 10 2019 Frisco TX USA Dallas Cowboys running back Ezekiel Elliott 21 gets ready as

Schnell, hochbegabt, aber nach eigener Vorstellung unterbezahlt: Running Back Ezekiel Elliott, der gerade aufs Dallas-Trainingslager verzichtet.

(Foto: imago)
  • In der NFL hat sich die Spielweise geändert - das führt zu Bedeutungsverlust der sogenannten "Running Backs".
  • Zwei bekannte Laufspieler äußern jetzt ihren Ärger und streiken.

Es wäre doch so einfach: Im Film "Jerry Maguire" über einen Footballspieler und seinen Berater reichen vier Worte, um jedem auf der Welt mitzuteilen, worum es wirklich geht im Profisport - "show me the money!" Auf deutsch: "Führ mich zum Schotter!" Es gibt in der US-Footballliga NFL gerade einige Akteure, die unbedingt zum Schotter geführt werden möchten, sie verdeutlichen den Ernst der Lage durch den Verzicht aufs Trainingslager und die Androhung, auch zu Spielen nicht zu erscheinen - doch es ist im wahren Leben nie so einfach wie im Film.

Die Running Backs Ezekiel Elliott, 24, von den Dallas Cowboys und Melvin Gordon, 26, von den Los Angeles Chargers sind jung, hochbegabt und kampferprobt; vor ein paar Jahren hätten solche Leute nicht zum Schotter geführt werden müssen, die Klubs hätten das Geld in Schubkarren gebracht. Laufspieler galten als das Herzstück der Offensive, waren oft noch wichtiger als der Quarterback. Walter Payton (Chicago Bears), Emmitt Smith (Cowboys) oder O.J. Simpson (Buffalo Bills) waren gefeierte Stars und wurden auch so bezahlt.

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Diese Zeiten sind vorerst vorbei, und dafür gibt es drei Gründe. Der wichtigste, natürlich: Geld. Der Tarifvertrag gibt strenge Grenzen für Vertragslaufzeit und Entlohnung junger Akteure vor, Elliott zum Beispiel verdient in den ersten vier Jahren seiner Profilaufbahn insgesamt knapp 26 Millionen Dollar. Das ist viel Geld, im Vergleich zu den besten Laufspielern der Liga, und dazu gehört Elliot, aber eher wenig. Er befindet sich nun im letzten Jahr seines so genannten "Rookie Contracts", er darf jetzt über eine Verlängerung und die damit verbundene Gehaltserhöhung verhandeln.

Das würde Elliott gerne tun, deshalb streikt er, doch er befindet sich in einer misslichen Lage. Die Cowboys können ihm regelkonform in dieser Saison 3,8 Millionen Dollar bezahlen, in der kommenden Saison über eine bereits gezogene Option neun Millionen. Danach könnten sie ihn zwei weitere Spielzeiten binden, so lange sie ihm den Durchschnitt der fünf bestbezahlten Akteure auf dieser Position überweisen: in dieser Saison wären das 11,2 Millionen Dollar. Elliott hätte gerne mehr, er möchte von jetzt an mehr als 14 Millionen Dollar pro Saison verdienen. Nur: Warum sollten die Cowboys das tun, wenn sie ihn vier Jahre lang für insgesamt 18,5 Millionen Dollar weniger haben können?

Das führt zum zweiten Grund für den Streit, der Besitzer der Cowboys sagte kürzlich: "Es ist doch so: Man braucht keinen Meisterläufer, um die Meisterschaft zu gewinnen." Das war eine deutliche Botschaft an Elliott. Denn die Spielweise in der NFL hat sich drastisch verändert in den vergangenen Jahren, es gibt deutlich mehr Pässe als Laufspielzüge - weshalb der Wert von Spielmachern, Passempfängern und Quarterback-Beschützern (um die Zeit zum Freilaufen zu erhöhen) stieg, der von Running Backs dagegen stagnierte oder fiel.